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Stromsteuer-Senkung für alle: Was Haushalte wirklich sparen würden – Tabelle gibt Überblick
Von: Moritz Bletzinger
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Rund 81 Euro im Jahr: Das könnte ein Durchschnittshaushalt sparen, sollte die Stromsteuer für alle sinken. Wer am meisten profitiert und wie viel Familien sparen.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, die Stromsteuer künftig auch für private Haushalte auf das europäische Mindestmaß zu senken. Bislang profitierten davon nur Teile der Industrie. Eine Modellrechnung zeigt, wie viel ein Durchschnittshaushalt sparen könnte – und warum der Betrag je nach Bundesland unterschiedlich ausfällt.
Rund 81 Euro im Jahr: Das ist die Summe, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt sparen würde, sollte die von Kanzler Friedrich Merz angekündigte Stromsteuer-Senkung tatsächlich kommen. Die Rechnung dahinter ist simpel, aber aufschlussreich – und zeigt, warum die Entlastung für manche Bundesbürger spürbarer ausfallen dürfte als für andere. Angesichts der anhaltenden Debatte um hohe Strompreise in Deutschland fordern Verbraucherschutzverbände diesen Schritt schon lange.
Merz verspricht Stromsteuer-Senkung auf EU‑Minimum: Ersparnis nach Haushaltsgröße
Die Stromsteuer liegt in Deutschland seit 2003 unverändert bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Das EU-Recht erlaubt es den Mitgliedstaaten, den Satz für private Nutzung bis auf 0,10 Cent pro Kilowattstunde zu senken – mehr als zwanzigmal weniger als aktuell. Das ergibt eine Differenz von 1,95 Cent pro Kilowattstunde. Da die Stromsteuer wie jeder andere Preisbestandteil der Mehrwertsteuer unterliegt, kommt noch einmal ein Aufschlag von 19 Prozent hinzu. Macht unterm Strich eine Entlastung von rund 2,32 Cent pro Kilowattstunde – vorausgesetzt, die Versorger geben die Senkung eins zu eins an ihre Kunden weiter.
81 Euro spart ein durchschnittlicher Mehrpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden. Je nach Haushaltsgröße und Personenzahl variiert die jährliche Entlastung jedoch deutlich:
(Berechnungsgrundlage: Stromsteuer-Differenz von 1,95 ct/kWh zzgl. 19 % MwSt. = 2,3205 ct/kWh; typische Verbrauchswerte nach BDEW/Stromspiegel).
Politischer Hintergrund und Kosten für den Bund
Politisch ist die Ankündigung von Merz brisant: Die Regierungskoalition hatte die Entlastung zwar in Aussicht gestellt, die Absenkung auf das EU-Mindestmaß zum Jahreswechsel – anknüpfend an frühere Sonderregeln – zunächst jedoch auf das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft beschränkt. Mehr als 600.000 Betriebe profitieren seither dauerhaft vom reduzierten Satz. Private Haushalte und die meisten Dienstleister gingen leer aus – was auf scharfe Kritik stieß. SPD‑Finanzminister Lars Klingbeil hatte eine Stromsteuer-Senkung für alle wiederholt als Ziel definiert, zweifelte am Montag (12. Oktober) aber offen an der Finanzierung.
Für die Entlastung der Unternehmen nimmt der Bund bereits rund drei Milliarden Euro pro Jahr in die Hand. Würde die Steuersenkung nun auf private Haushalte ausgeweitet, dürften sich die fiskalischen Kosten in etwa verdoppeln: Bei einem Gesamtstromverbrauch der privaten Haushalte von rund 130 Terawattstunden pro Jahr summiert sich die Differenz auf zusätzliche Mindereinnahmen von schätzungsweise drei Milliarden Euro jährlich. Merz hofft auf Spielräume, sollte sich das aktuelle Wachstum verfestigen. Die Stromsteuer dient dem Bund bislang unter anderem zur Bezuschussung der gesetzlichen Rentenversicherung.
Regionales Gefälle beim Strom: Saarland profitiert stärker als Sachsen
Wie stark ein einzelner Haushalt am Ende tatsächlich profitiert, hängt auch vom Wohnort ab. Nach aktuellen Erhebungen des vom Bundesumweltministerium geförderten Stromspiegels unterscheidet sich der Stromverbrauch zwischen den Bundesländern erheblich:
Niedrigster Verbrauch: Sachsen (1.075 kWh/Kopf) sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern (ca. 1.100 bis 1.125 kWh/Kopf). Ein sächsischer Bürger spart rechnerisch rund 25 Euro pro Jahr.
Höchster Verbrauch: Saarland (1.365 kWh/Kopf) sowie Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen (ca. 1.340 bis 1.350 kWh/Kopf). Ein Saarländer spart rechnerisch rund 32 Euro pro Jahr.
Bundesdurchschnitt: 1.240 kWh pro Kopf.
Die Gründe für das regionale Gefälle liegen vor allem in strukturellen Faktoren: In Flächenländern mit vielen Einfamilienhäusern wird tendenziell mehr Strom verbraucht als in Stadtstaaten mit kleineren Mietwohnungen. Wer unabhängig von politischen Beschlüssen seine Energiekosten senken möchte, findet bereits mit gezielten Maßnahmen Wege, wie die Stromkosten für Haushalte zusätzlich sinken können.
Weitergabe durch Versorger nicht garantiert
Ob und wann die Stromsteuer für Privathaushalte sinkt, hängt von den weiteren Haushaltsberatungen und einem konkreten Gesetzentwurf ab. Entscheidend ist zudem die Weitergabe durch die Energieversorger: Zwar sind Stromanbieter bei Sonderverträgen außerhalb der Grundversorgung verpflichtet, sinkende Steuern und Abgaben bei der nächsten Preisanpassung weiterzureichen, eine vollumfängliche Weitergabe zum Stichtag garantiert das jedoch nicht automatisch.