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Was sind die Unterschiede zwischen Aldi Nord und Aldi Süd?

Wirtschaft

Millionen Menschen kaufen jede Woche bei Aldi ein. Doch nur die wenigsten wissen, dass es sich dabei um zwei vollkommen unterschiedliche Firmen handelt. Aldi Nord und Aldi Süd tragen zwar fast denselben Namen und ein ähnliches Logo. Dahinter stecken aber getrennte Konzerne mit eigenem Sortiment, eigener Führung und einer langen Geschichte der Rivalität. Der Grund dafür liegt weit zurück: 1961 trennten zwei Brüder ihr gemeinsames Unternehmen. Seitdem agieren beide Hälften unabhängig voneinander – und das bis heute. 📌 Wusstest du das über Aldi? Theo Albrecht wurde 1971 entführt. Aldi-Nord-Gründer Theo Albrecht war 17 Tage in der Hand von Entführern. Er handelte persönlich mit ihnen – und setzte das Lösegeld später als Steuerausgabe ab. Aldi ist der größte Discounter-Konzern der Welt – noch vor Lidl. Zusammen kommen beide Aldi-Gruppen auf knapp 13.900 Filialen weltweit. Aldi Nord kaufte 2020 rund 547 Filialen der französischen Groupe Casino – die bislang größte Akquisition in der Geschichte von Aldi Nord im Ausland. Aldi Süd besitzt eigene Kaffeeröstereien. Der gesamte Röstkaffee beider Konzerne kommt aus unternehmenseigenen Betrieben – unter dem Namen „Amaroy“ bei Aldi Süd und „Markus Kaffee“ bei Aldi Nord. In China eröffnete Aldi Süd 2019 seine ersten Filialen – allerdings nicht als Billiganbieter, sondern mit hochwertigen Produkten für die Mittelschicht in Shanghai. Warum spalteten sich die Albrecht-Brüder? Die Geschichte beginnt mit Karl und Theo Albrecht. Beide übernahmen nach dem Zweiten Weltkrieg den kleinen Lebensmittelladen ihrer Mutter in Essen-Schonnebeck. Sie bauten das Geschäft rasant aus: 1960 betrieben sie bereits 300 Filialen in Westdeutschland mit einem Bruttoumsatz von rund 90 Millionen Mark. 1961 dann der Bruch. Die Albrecht KG wurde in zwei unabhängige Unternehmen aufgeteilt. Theo übernahm die nördlichen Filialen, Karl die südlichen. Als Grund für die Trennung wurde häufig ein Streit über den Verkauf von Zigaretten genannt – Theo wollte sie ins Sortiment aufnehmen, Karl nicht. Doch laut dem Wikipedia-Eintrag zu Aldi ist das historisch umstritten: Journalist Martin Kuhna zufolge wurden Zigaretten schon vor 1961 verkauft. Wahrscheinlicher sei ein grundlegend unterschiedlicher Führungsstil. Aldi Ein ehemaliger Aldi-Süd-Manager bestätigte in einem Interview, dass „unterschiedliche Ansichten über Führung und Bezahlung der Mitarbeiter zur Trennung führten.“ Aldi Theo Albrecht neigte zu Mikromanagement, sein Bruder Karl delegierte Verantwortung früh. Wo liegt die Grenze zwischen beiden Aldis? Deutschland hat einen sogenannten Aldi-Äquator. Er verläuft vom Westmünsterland über Mülheim an der Ruhr, Siegen und Marburg bis nördlich von Fulda. Aldi Nord bedient Nord- und Ostdeutschland, Aldi Süd den Süden und Südwesten. In einigen Städten nahe der Grenze gibt es sogar beide Konzerne gleichzeitig, etwa in Gummersbach und Siegen. Direkte Konkurrenz am selben Standort vermeiden sie aber in aller Regel. Wie viele Filialen haben die beiden Konzerne? In Deutschland betreibt Aldi Nord aktuell rund 2.236 Filialen, Aldi Süd rund 2.034 Filialen (Stand Januar 2025). Aldi Zusammen kommen beide Konzerne in Deutschland auf mehr als 4.200 Standorte. Weltweit ist der Unterschied noch deutlicher. Aldi Nord kommt insgesamt auf rund 5.484 Filialen, Aldi Süd auf rund 7.781 Filialen – ein Vorsprung, den Aldi Süd vor allem durch seine starke Präsenz in den USA, Australien und Großbritannien aufgebaut hat. Trader Joe’s gehört zu Aldi – wussten Sie das? Auch international teilen sich die beiden Konzerne die Welt auf. Aldi Nord ist in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Polen vertreten. Aldi Süd operiert in Großbritannien, Australien, Irland, Italien und den USA. In Österreich kennt man Aldi unter dem Namen Hofer – das ist eine Marke von Aldi Süd. Besonders überraschend für viele: Die US-amerikanische Supermarktkette Trader Joe’s gehört zu Aldi Nord. 1979 übernahmen die Norddeutschen die Kette. Wer also in den USA durch Trader Joe’s schlendert, kauft indirekt beim selben Konzern wie beim Aldi-Einkauf in Hamburg oder Berlin. Was unterscheidet die Sortimente der beiden Discounter? Beim Einkauf fallen die Unterschiede auf den ersten Blick kaum auf. Beide Discounter setzen auf Eigenmarken, die rund 90 Prozent des Sortiments ausmachen. Doch die Schwerpunkte sind unterschiedlich. Aldi Nord setzt laut GIGA besonders auf niedrige Preise, vor allem bei Obst und Gemüse. Tierhalter finden dort ein vergleichsweise umfangreiches Angebot für Haustiere. Aldi Süd legt den Fokus stärker auf Qualität und Auswahl. Bio- und Fairtrade-Produkte sowie vegane Alternativen spielen dort eine größere Rolle, ebenso regionale Spezialitäten und eine breitere Getränkeauswahl. Wie unterscheiden sich die Filialen optisch? Wer genau hinschaut, bemerkt Unterschiede schon beim Betreten der Filialen. Aldi Süd investierte ab 2016 massiv in den Umbau seiner Märkte – heller, breiter, moderner. Holzoptik-Regale, LED-Beleuchtung und Kaffeeautomaten hielten Einzug. Aldi Nord folgte kurze Zeit später mit einem eigenen Modernisierungsprogramm, dem sogenannten ANIKo-Konzept. Die Umbaukosten wurden auf rund 5,2 Milliarden Euro kalkuliert. Trotzdem wirken manche Aldi-Nord-Filialen noch etwas nüchterner als die des südlichen Pendants. Haben Aldi Nord und Aldi Süd dasselbe Logo? Nein. Beide Logos zeigen zwar ein stilisiertes „A“, sind aber unterschiedlich gestaltet. Das Logo von Aldi Süd trägt seit 2017 ein warmes Orange, das von Aldi Nord ein kühles Blau. Auch die Schriftgestaltung unterscheidet sich. Wer beide Logos nebeneinander sieht, erkennt die Unterschiede sofort. In jüngerer Zeit haben beide Konzerne begonnen, ihre Eigenmarken zu vereinheitlichen. Rund 100 Eigenmarken wurden schrittweise angeglichen. Die gemeinsame Kampagne „ALDI Preis, Preis Baby“ warb 2024 erstmals für das gemeinsame Sortiment. Es gibt aber weiterhin Produkte, die exklusiv nur bei einem der beiden erhältlich sind. Warum kennt kaum jemand die Unterschiede? Der Hauptgrund ist simpel: Kaum jemand hat die Wahl. Wer in Hamburg wohnt, kauft bei Aldi Nord ein. Wer in München lebt, geht zu Aldi Süd. Ein direkter Vergleich fehlt damit im Alltag der meisten Menschen. Dazu kommt, dass beide Unternehmen bis vor wenigen Jahren kaum Werbung machten. Karl Albrecht soll 1953 gesagt haben: „Unsere Werbung liegt im billigen Preis.“ Aldi Eigene Pressestellen richteten Aldi Nord und Aldi Süd erst 2007 bzw. 2008 ein. Transparenz war nie Teil des Markenkerns – und das spürt man bis heute.

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