Was verdient ein Wohnungseigentumsverwalter - Lohnt sich das?
Kaum sitzt Sven morgens am Schreibtisch, wird er bereits gebraucht: Das Telefon des 30-jährigen Wohnungseigentumsverwalters steht selten still, etwa 44 Anrufe nimmt er an einem Arbeitstag entgegen. Sven ist Hausverwalter bei einem kommunalen Wohnungsunternehmen der Stadt Schwäbisch Gmünd und betreut dort 30 Wohnungseigentümergemeinschaften: Er organisiert Reparaturen am Haus, plant Investitionen in Glasfaser und leitet die Eigentümerversammlungen. Seinen Berufsalltag verbringt Sven zur Hälfte im Büro, zur Hälfte an den Immobilien: Bei Besichtigungen kontrolliert er unter anderem Aufzüge und Treppenhäuser auf mögliche Mängel, die für die Anwohner gefährlich sein könnten. Auch die Handwerker, die an den Häusern arbeiten, werden von Sven eingewiesen, damit jede Installation fehlerfrei verläuft. Vom Einzelhandel zum Immobilienverwalter Sven machte 2012 seinen Realschulabschluss und begann zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Schnell merkte er, dass er eigentlich etwas anderes will. 2017 startete er bei einem Wohnungsunternehmen eine zweite Ausbildung – diesmal zum Immobilienkaufmann. Parallel machte Sven die Fachhochschulreife. Nach der Ausbildung entschied er sich bewusst für die Verwaltung: "Der WEG-Verwaltungsbereich fand ich bei der Ausbildung besonders spannend, weil er am abwechslungsreichsten ist." Im Juni 2024 übernahm er die Rolle als Teamleiter. Rund 20 Prozent seiner Zeit entfallen seitdem auf Führungsaufgaben, 80 Prozent auf klassische Verwaltungsarbeit wie technische Betreuung, Organisation von Handwerkern und Eigentümerversammlungen. Hier geht's zum Artikel: Städtevergleich: So entwickeln sich Immobilienpreise in Bayern Immobilienbranche: Zu wenig Personal Der Personaldruck ist hoch. Das zeigt das aktuelle Branchenbarometer des Verbands der Immobilienverwalter Deutschland e. V. (VDIV): Laut eigenen Angaben sind 70 Prozent der Hausverwaltungen überlastet – oft auch, weil Stellen nicht nachbesetzt werden können. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wurden daher 2025 laut Branchenbarometer die Einstiegsgehälter um 8,8 Prozent angehoben. Gleichzeitig wird ein Engpass in den Verwaltungen deutlich: Bereits 42 Prozent der Verwaltungen haben eine Mindestgröße für neue Wohnungseigentümergemeinschaften eingeführt, 14 Prozent lehnen neue Wohnungseigentümergemeinschaften grundsätzlich ab. Für Wohnungseigentümer könnte es damit zukünftig schwerer werden, eine Hausverwaltung zu finden. Die Debatte um bezahlbaren Wohnraum Rund 80 Prozent des Wohnungsbestands sind privat. Jedoch wächst unter vielen Mieterinnen und Mietern der Wunsch, Wohnraum zu entprivatisieren und stärker in öffentliche oder gemeinwohlorientierte Hand zu überführen. Denn bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Wer sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten kann, weicht aufs Land aus. Das treibt die Preise zusätzlich nach oben. So ist die durchschnittliche Miete im Unterallgäu innerhalb eines Jahres von 10,52 Euro auf 11,61 Euro pro Quadratmeter gestiegen, in Städten wie Bamberg sogar von 9,93 Euro auf 12,43 Euro. 2021 kam es in Berlin zu einem Volksentscheid: Die Wohnungsbestände großer Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Einheiten sollen vergesellschaftet werden. Geblieben sind bislang vor allem ein Rahmengesetz und anhaltende Diskussionen. In Bayern lehnt die Politik diesen Weg weiterhin ab und setzt stattdessen auf ein investitionsfreundliches Klima. Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Die Grünen) hat die Bekämpfung der Wohnungsnot zu seiner obersten Priorität erklärt: Seine Koalition will dafür unter anderem den sogenannten "Bau-Turbo" für zusätzlichen Wohnraum in München nutzen. Was verdient ein WEG-Verwalter? Sven arbeitet im öffentlichen Dienst nach Tarifvertrag und wird nach Entgeltgruppe E9b, Stufe 4 bezahlt. Aktuell kommt er damit auf rund 4.679 Euro brutto im Monat. Dazu erhält er einen Notdienst-Bonus von 350 Euro pro Monat, auch seine Überstunden werden ihm monatlich ausgezahlt. Im Mai 2025 kam Sven damit auf rund 5.101 Euro brutto. Nach Steuern und Sozialabgaben ergibt das ein Netto von 3.157 Euro. Sven zahlt 26 Euro für seine betriebliche Altersvorsorge und 40 Euro für vermögenswirksame Leistungen. Monatlich bleiben ihm rund 3.091 Euro. "Der Beruf lohnt sich für mich auf jeden Fall. Ich lerne jeden Tag etwas dazu und bleibe im Immobilienmarkt immer auf dem Laufenden", erzählt Sven.