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Was wir über den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle wissen

Technologie

Stand: 07.08.2026 21:34 Uhr Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen haben die Behörden konkrete Ermittlungsansätze. Russland wies inzwischen jede Verantwortung von sich. Eine Hundertschaft der Polizei durchkämmte am Freitag das Flughafengelände. Der Sicherheitsexperte Lange fordert für wichtige Infrastruktur eine systematische Drohnenüberwachung. Fragen und Antworten im Überblick. von MDR AKTUELL Was ist am Flughafen Leipzig/Halle passiert? In der Nacht zu Mittwoch entdeckte ein Mitarbeiter auf der Start- und Landebahn "Südpiste" eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung. Der Mann hatte großes Glück. Denn er brachte das Fluggerät nach Informationen aus Sicherheitskreisen mit einem Fußtritt aus der Luft zu Boden. Die Drohne befand sich nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor, wie ein Nato-Sprecher bestätigte. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" geht aus vertraulichen Behördenunterlagen hervor, dass der Sprengstoff positiv auf Nitrate getestet wurde, eine sprengfähige Substanz. Ein weiterer Test ergab demnach, dass das Paket die hochexplosiven Sprengstoffe PETN und Semtex enthielt, die auch das Militär verwendet. Medien berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Zünder sei defekt gewesen. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) widersprach am Donnerstagabend Medienberichten, wonach eine der Antonow-Maschinen, neben denen die Drohne sichergestellt wurde, mit Munition beladen war. Auch in der Obleute-Runde im Bundestag mit den Abgeordneten aus den Ausschüssen Inneres und Verteidigung hieß es, dass sich keine Munition in der Maschine befunden habe. Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt stieß später außerdem mit einem Frachtflugzeug zusammen. Bei der Maschine wurden nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt. Nach Teilen dieser möglichen zweiten Drohne suchte die Polizei am Donnerstag. Wer oder was steckt hinter dem mutmaßlichen Anschlag? Die Hintergründe sind unklar. Die Bundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen übernommen. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Laut der Karlsruher Behörde "handelt es sich um einen schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland" und damit auf die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik. Man habe die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falles von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden übernommen. Beim Bundesamt für Verfassungsschutz beschäftigt sich zusätzlich eine Sondereinheit mit dem Vorfall. Ein Sprecher sagte: "Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und die Landessicherheitsbehörden stimmen sich aktuell im gemeinsamen Zentrum zur Abwehr Hybrider Bedrohungen ab und analysieren den Sachverhalt gemeinsam." Sachsens Innenminister Schuster sagte dem MDR am Donnerstagabend, dass es zwei konkrete Ermittlungsansätze gebe. Die Behörden tappten nicht im Dunkeln. Details nannte er aber nicht. Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hält den Vorfall für einen Anschlag hochprofessioneller Täter. Er schließe "fremde Mächte" als Drahtzieher nicht aus. Für die Durchführung brauche man ein hohes Maß an Technikerfahrung und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff, sagte der CSU-Politiker. Dafür spreche auch, dass es sich um militärischen Sprengstoff handele. "Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage", sagte Dobrindt. Gleichwohl müsse in alle Richtungen ermittelt werden. Der Grünen-Sicherheitspolitiker Konstantin von Notz sieht es als wahrscheinlich an, dass die Verantwortlichen in Russland zu suchen sind. Er verwies im WDR auf die Umstände des Drohnenfundes in der Nähe ukrainischer Frachtmaschinen. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als Umschlagplatz auch für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland. Von Notz sagte: "Dann ist es einfach ein sehr naheliegendes Szenario, dass es sich hier um eine Aktion russischer Dienste handelt." Der Sicherheitsexperte Nico Lange bezeichnete die Äußerungen des Bundesinnenministers am Donnerstag im ZDF als "einigermaßen kryptisch". Er sagte: "Ich glaube, wir kommen nicht weiter, wenn wir sagen, wir wissen nicht, was es war." Es sei bekannt, dass Russland hybrid angreife und dass Drohnen sowie Sabotage dabei eine Rolle spielten. Der Vorfall passe in das Muster. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes, Marc Henrichmann, plädierte im Gespräch bei MDR AKTUELL dafür, die Ermittlungen abzuwarten. "Das, was sich aufdrängt – jedenfalls im nachrichtendienstlichen Geschäft – muss nicht immer das sein, was am Ende als Ergebnis steht", sagte der CDU-Politiker. Wie reagiert Russland auf die Verdächtigungen? Die russische Regierung wies am Freitag jegliche Verantwortung für den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen von sich. Die russische Botschaft in Berlin zeigte sich in einer Erklärung "besorgt über eine neue Welle antirussischer Hysterie in Deutschland". Bei den Mutmaßungen über einen russischen Anschlagsversuch handle es sich um eine "fingierte Provokation" im Interesse Kiews und des militaristischen Flügels in Europa. Mit solchen Berichten wollten europäische Politiker lediglich ihre Unterstützung für die Ukraine rechtfertigen. Wie werden die Drohnenvorfälle bewertet? Der Fund einer mit Sprengstoff ausgerüsteten Drohne auf einem deutschen Flughafen wird einhellig als Vorfall mit einem hohen Sicherheitsrisiko bewertet. Bundesinnenminister Dobrindt sprach von einer "neuen Gefahrenqualität" und einem "neuen Bedrohungsszenario". Ähnlich äußerten sich Politikerinnen und Politiker anderer Parteien. Die Sicherheitsexpertin Ulrike Franke sagte MDR AKTUELL, der Fall sei aus mehreren Gründen ungewöhnlich. "Das ist eine große Eskalation", sagte Franke mit Blick auf den Sprengstofffund. " Das hat eine neue Qualität und ist wirklich sehr besorgniserregend." Der Dresdner Luftverkehrsexperte Hartmut Fricke sprach ebenfalls von einer neuen Dimension der Bedrohung für kritische Infrastruktur. Anders als bei bisherigen Drohnenvorfällen gehe es nicht mehr allein um die Gefahr einer Kollision mit einem Flugzeug oder Schäden durch die Drohne selbst. Eine Sprengvorrichtung erhöhe das Gefahrenpotenzial erheblich, sagte der Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Was unternimmt die Bundesregierung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Freitag mit Teilen der Bundesregierung über den mutmaßlichen Anschlagsversuch beraten. Der Nationale Sicherheitsrat habe sich unter dem Vorsitz des Kanzlers telefonisch "zu dem Ereignis am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August 2026 ausgetauscht", teilte Regierungssprecher Steffen Kornelius mit. Der Kanzler stehe dazu in fortwährendem Austausch mit Innenminister Dobrindt. Der Sicherheitsexperte Nico Lange kritisiert das Agieren der Bundesregierung. Er sagte MDR AKTUELL, größtes Problem sei die unzureichende Luftraumkontrolle und fehlende Sensorik zur Erkennung von Drohnen an Flughäfen oder kritischer Infrastruktur. Das sei wichtiger als Sitzungen von Gremien wie dem Sicherheitsrat. Die Sensorik könnte auch Rückschlüsse über Startorte und Routen von Drohnen liefern. Wie ist die Lage am Flughafen Leipzig/Halle? Der Flugverkehr in Leipzig/Halle läuft bereits seit dem Donnerstagvormittag ohne Einschränkungen. Allerdings wird weiterhin nach der zweiten mutmaßlichen Drohne gesucht. Am Freitag durchkämmte eine Hundertschaft der Polizei erneut die nördliche Start- und Landebahn. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass auf dem Gelände weiter ermittelt werde, nannte aber keine Details. Dem sächsischem LKA zufolge wurde am Donnerstag nach dem noch unbekannten Flugobjekt gesucht, das mit einer DHL-Frachtmaschine kollidiert war. Wie ist der Flughafen vor (weiteren) Drohnenangriffen geschützt? Die Bundespolizei brachte noch am Mittwochabend Drohnenabwehrtechnik zum Flughafen, wie ein Sprecher MDR Sachsen-Anhalt bestätigte. Weitere Details wurden nicht genannt. Ob es am Flughafen Leipzig/Halle vorher schon Abwehrtechnik gab, wollte der Sprecher aus taktischen Gründen nicht sagen. Die "Leipziger Volkszeitung" berichtete am Donnerstag, dass der Flughafen Leipzig/Halle bislang noch kein System zur Drohnenerkennung habe. Bis zum Jahresende solle der Airport mit entsprechender Technik ausgestattet werden – mit Drohnendetektoren, einem Radarsystem, Kameras sowie KI-gestützter Sensorik. MDR/dpa/AFP (ala,ans)

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