Wasserkrise sorgt für heftigen Behörden-Zoff
Startseite Welt Strikte Verbote in beliebter italienischer Urlaubsregion: Wasserkrise sorgt für Behörden-Zoff Von: Janine Karrasch Uns auf Google folgen Italiens Trentino kämpft mit Wasserknappheit: Verbote für Bürger, laufende Brunnen für alle – ein politischer Streit offenbart das Versagen der Behörden. Vallagarina – Norditalien leidet unter Trockenheit. Flüsse führen deutlich weniger Wasser als in früheren Jahrzehnten, Schneereserven in den Bergen fehlen fast vollständig, und die Grundwasserspiegel sinken in einem Tempo, das Behörden und Wasserversorger gleichermaßen unter Druck setzt. In den Dolomiten berichten Hüttenwirte, dass ausgetrocknete Quellen sie zwingen, Toiletten für Gäste zu sperren und das Auffüllen von Trinkflaschen zu untersagen – Zustände, die früher allenfalls im Herbst auftraten. In diesem angespannten Umfeld hat die Gemeinde Avio in Vallagarina Mitte Juli eine Notverordnung erlassen. Seither ist die Situation in dem kleinen Ort, der vorwiegend bei Wanderern und Radtouristen beliebt ist, zum Sinnbild einer breiteren politischen Auseinandersetzung geworden. Denn die Regeln, die Bürgerinnen und Bürger zum Sparen verpflichten sollen, gelten offenbar nicht für alle gleich. Wegen Extremwetter: Italienische Gemeinde erlässt strikte Wasserverbote für Privatpersonen Bürgermeister Ivano Fracchetti unterzeichnete die Anordnung am 13. Juli 2026. Sie trat laut Il Dolomiti unmittelbar in Kraft und untersagt seitdem die Nutzung von Trinkwasser aus dem kommunalen Leitungsnetz für eine Reihe von Zwecken, die als nicht lebensnotwendig eingestuft werden. Konkret gilt zwischen 8 und 22 Uhr ein Verbot für die Bewässerung von Gemüsegärten und Privatgärten sowie für das Waschen von Fahrzeugen. Ausdrücklich eingeschlossen in die Verordnung war auch die Schließung der öffentlichen Brunnen im Gemeindegebiet. Die Begründung für die Maßnahmen liegt auf der Hand: Die Wasserreserven der Region stehen unter erheblichem Druck. Der Adige – der wichtigste Fluss des Trentino – führt nach Angaben des regionalen Wasserobservatoriums derzeit nur etwa die Hälfte der historischen Durchschnittsmenge. Ähnliche Defizite verzeichnen der Brenta und der Sarca. Das Osservatorio delle Alpi Orientali hat nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa für die Einzugsgebiete der Etsch und des Brenta die mittlere Warnstufe ausgerufen. Gleichzeitig hat der Wasserverband des Po-Distrikts denselben Alarmstatus bestätigt – gespeist wird der Po auch durch Trentiner Zuflüsse wie den Chiese und den Sarca. Offene Brunnen trotz Verbot: Oppositionsgruppe wirft Gemeinde Doppelstandards vor Rund eine Woche nach Inkrafttreten der Verordnung meldete sich die lokale Oppositionsgruppe Civica Secchi Sindaco zu Wort. Ihre Feststellung: Die öffentlichen Brunnen im Ortszentrum von Avio und im Ortsteil Sabbionara laufen unverändert. Das Wasser fließe dort so, als gäbe es keinerlei Einschränkungen. In einer schriftlichen Stellungnahme, die der Gemeinderat veröffentlichte, brachte die Gruppe ihre Kritik deutlich zum Ausdruck: „Die größten Opfer werden von den Bürgern verlangt, während sich die Stadtverwaltung erlaubt, Wasserressourcen zu verschwenden, ohne mit gutem Beispiel voranzugehen“, zitiert Il Dolomiti. Das untergrabe die Glaubwürdigkeit der gesamten Maßnahme. Die Gruppe kündigte an, eine formelle Anfrage an den Bürgermeister zu richten – obwohl sie nach eigener Aussage damit rechnet, dass auch diese unbeantwortet bleibt, wie es in den vergangenen Monaten bei anderen Themen bereits der Fall gewesen sei. Wasserknappheit auch in Deutschland: Experte warnt vor neuen „Risiken und Unsicherheiten“ Auch hierzulande ist der Sommer von anhaltender Trockenheit geprägt. Städte und Landkreise erlassen jeweils eigene Allgemeinverfügungen, sobald die lokalen Wasserreserven kritische Schwellen unterschreiten. München hat seit dem 14. Juli das Befüllen von Pools und Badebecken sowie das Bewässern von Rasenflächen per Allgemeinverfügung untersagt. Oberbürgermeister Dominik Krause begründete die Maßnahme mit einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling, der die Fördermenge aus dem Mangfalltal auf 60 bis 70 Prozent des üblichen Wertes reduziert habe. Gleichzeitig liege der tägliche Wasserverbrauch in der Stadt um rund 20 Prozent über dem Normalwert. Das Verbot läuft jedoch am 2. August aus.