WDR-Journalist Restle sieht "US-israelisch-marokkanisches Bündnis" am Werk - Rundfunkrat reicht Beschwerde ein
Nun sendet Restle aus Kenia einen Tweet ab, der Konsequenzen haben könnte. Der Journalist verbreitet darin die Theorie, dass hinter dem Massenansturm von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta eine heimliche gemeinsame Aktion von Israel, den USA und Marokko stehen könnte. Restles Beitrag ist auf Englisch verfasst. Er bezieht sich darin auf einem Text der US-Wochenzeitschrift »The Nation«, die als linksliberal gilt. Er zitiert , die Ereignisse in Nordafrika seien »weder eine genuine humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des erstarkenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses (…), eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.« Damit bezieht sich Restle auf eine seit Anfang der Woche kursierende, fragwürdige Deutung der Ereignisse, wonach Israel den Ansturm auf Ceuta mitinitiiert habe, um sich bei der spanischen Regierung für deren Haltung beim Thema Gaza zu rächen. Spanien hatte sich unter anderem 2024 als erstes EU-Land der Völkermordklage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof angeschlossen. So lancierte etwa Al Jazeera die Theorie, dass Israel als treibende Kraft hinter den Ereignissen stehen könnte. Allerdings setzt der arabische Nachrichtensender noch ein dickes Fragezeichen in den Vorspann zu dem betreffenden Artikel , weil es keine Beweise für diese Behauptung gibt. Auch der Artikel in »The Nation« arbeitet mit einem Fragezeichen. Das lässt Restle nun weg und verkauft die Theorie also, formal gesehen, als Tatsachenbehauptung. Deshalb könnte sein Tweet nun für Diskussionen innerhalb des WDR sorgen, bei dem er angestellt ist. Das Rundfunkratsmitglied Felix Schotland hat bereits Beschwerde beim Sender eingereicht. Die »Jüdische Allgemeine« hat das Schreiben dokumentiert : Schotland, der auch als Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln fungiert, schreibt darin, dass Restle seine »weitreichenden politischen Behauptungen ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung« verbreite. Weiter heißt es in der Beschwerde: »Besonders irritiert mich, dass ein führender Journalist des WDR einen Beitrag mit einer derart zugespitzten Darstellung veröffentlicht, der den Eindruck erweckt, geopolitische Entwicklungen würden durch ein konspiratives Netzwerk gesteuert. Unabhängig davon, ob Herr Restle dies als persönliche Meinungsäußerung versteht, wird er von der Öffentlichkeit als Repräsentant des WDR wahrgenommen.« Tatsächlich taucht die Idee, dass Israel durch ein konspiratives globales Netzwerk globale Entwicklungen mitbestimmt, immer wieder in antisemitischen Verschwörungstheorien auf. Eine Stellungnahme des WDR oder der ARD steht bislang aus.