Website verbreitet groteske Lügen über Ministerpräsident Schulze
Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt sieht sich Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) mit einer Desinformationskampagne konfrontiert – die mutmaßlich aus Russland gesteuert ist. Dabei werden über eine nachgebaute Seite der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) und ein Video mit dem Logo des Mediums haarsträubende Falschbehauptungen über den 47-Jährigen verbreitet. Dies berichtete zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Vor der Wahl am 6. September liegt die AfD in Sachsen-Anhalt in Umfragen zwar deutlich vor der CDU. Unklar ist aber, ob sie die absolute Mehrheit erzielen kann, um ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in Magdeburg zum Ministerpräsidenten in dem Bundesland mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern zu machen. Bekannt ist, dass der Kreml bemüht ist, die AfD zu stärken. Bereits seit Monaten läuft die sogenannte „Matrjoschka“-Kampagne, bei der Landes- und Kommunalpolitiker mit Videos diffamiert werden. Die jetzt bekannt gewordene Attacke hat eine neue Dimension: Eine mutmaßlich russische Operation baut eine komplette journalistische Fälschung, versieht sie mit dem Vertrauenssignal einer etablierten Zeitung und lässt sie über internationale Accounts verbreiten. „Sven Schulzes afghanische Jungen“ lautet der Fake-Artikel In Sicherheitskreisen wird der Angriff dem RND zufolge der Desinformationsoperation „Storm-1516“ mit einer engen Verbindung zum russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet. Die Attacke läuft zweigleisig: Auf einem Klon der Website der SZ ist ein Artikel platziert, in dem erfundene Vorwürfe gegen Schulze verbreitet werden. Ein Video, das vor allem auf der Social-Media-Plattform X verbreitet wird, gibt dieselben Vorwürfe wieder. Es ist mit dem Logo der SZ versehen. Verbreitet wird der Vorwurf, auf einem privaten Bauernhof-Grundstück von Schulze würden afghanische Waisenkinder festgehalten. Ein Junge, dem die Flucht gelungen sei, habe berichtet, von Schulze missbraucht worden zu sein. Der als Artikel der stellvertretenden Leiterin des SZ-Ressorts „Investigative Recherche“ ausgegebene Text mit dem Titel „Sven Schulzes afghanische Jungen“ enthält zahlreiche, erfundene Details, die ihm Glaubwürdigkeit verleihen sollen. Das Landeskriminalamt bestätigte dem RND, dass die Vorwürfe frei erfunden sind und es dementsprechend keine Ermittlungen gegen den Politiker gibt. Die neue Attacke ist zwar aufwendiger gestaltet und ausgeklügelter als die bisherigen Kampagnen, dennoch sind die angeblich journalistischen Beiträge leicht als Fake zu enttarnen. Zum einen läuft die geklonte Seite unter der falschen Internetadresse www.sueddeutsch.com. Zum anderen weist der am 17. August veröffentlichte Bericht sprachliche Mängel auf, die sich gleich im ersten Satz zeigen, in dem zu Beginn der Artikel fehlt: „Redaktion Süddeutsche Zeitung verfügt über (. . . )“ heißt es dort. In dem Video werden die Inhalte des „Artikels“ von einem Sprecher mit starkem Akzent und teils falscher Aussprache wiedergegeben und mit Videomaterial unterlegt, das Flüchtlinge, Bauernhof-Bilder und Aufnahmen von Schulze zeigt. Videos der SZ zu anderen Themen sehen anders aus. Für die Darstellung des Podcasts aktivieren Sie bitte „externe Inhalte“. Sie können den Podcast auch auf Spotify, Apple Podcasts oder der Podcast-Plattform Ihrer Wahl hören. Das Video mit hinzugefügten englischen Untertiteln und der Link zum Text auf der gefälschten SZ-Website werden seit Dienstag insbesondere auf X verbreitet – auch auf dem Account des irakischen Journalisten Muntadhar al-Zaidi. Er wurde 2008 weltbekannt, als er während einer Pressekonferenz in Bagdad einen Schuh auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush warf. Auf dem Account war das Video am Donnerstagmittag noch zu finden.