Weekly World Income UCITS ETF: Der ETF für monetären Nieselregen
Premiere für deutsche Privatanleger: Sie können erstmals einen ETF mit wöchentlicher Ausschüttung kaufen. Interessenten sollten allerdings die vier Zielkonflikte des Fonds kennen.
Viele betrachten Ausschüttungen als willkommenen Geldregen, aber die Realität ist komplexer. Foto: IMAGO/Depositphotos
Ein neuer ETF bietet Ausschüttungsfans eine besondere Attraktion: ausgeschüttet wird hier nicht jährlich, nicht monatlich, sondern wöchentlich. Das gab es bisher noch nicht, zumindest nicht auf dem deutschen Markt. Seit dem 16. September ist das Produkt des Anbieters HANetf auf der Handelsplattform Xetra gelistet (ISIN IE000I50V6C7).
Die Konstruktionsweise des Weekly World Income UCITS ETF von HANetf ist keine Weltneuheit. Es gab bisher lediglich keine Version eines solchen ETF, die mit dem EU-Recht konform ging. Die Frage ist allerdings, ob eine wöchentliche Ausschüttung für Anleger eine sinnvolle Sache ist.
Anleger sollen mit dem ETF im Grunde zwei Ziele verfolgen können: regelmäßige Ausschüttungen und langfristiges Kapitalwachstum. Beides schließt sich allerdings zu einem gewissen Grad gegenseitig aus. Und das sind nicht die einzigen Widersprüche des neuen ETF. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte die vier Zielkonflikte des Produkts kennen.
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Konflikt 1: Prämienmaximierung vs. Kurswachstum
Zur Finanzierung der wöchentlichen Ausschüttungen verlässt sich der Anbieter HANetf nicht allein auf die Dividenden der im Fonds enthaltenen Aktien. Er nutzt auch Prämien aus Optionsgeschäften. Das funktioniert, vereinfacht gesagt, so: Der Fonds verkauft an der Börse Kaufoptionen auf Portfoliowerte. Ist der Kurs der unterlegten Aktie zum Verfallstag der Option gestiegen, wird diese in der Regel ausgeübt.
Der ETF bekommt die Optionsprämie, verzichtet dafür aber auf die Kursgewinne der Aktie oberhalb des vereinbarten Ausübungspreises. Die Einnahmen aus Optionsprämien gehen damit zulasten des Kurspotenzials. Wie stark dieses beschnitten wird, hängt unter anderem vom Ausübungspreis ab. Je näher er am aktuellen Aktienkurs liegt, desto höher ist in der Regel die Optionsprämie – desto früher verzichtet der Fonds aber auch auf weitere Kursgewinne.
Zwar gleichen die Optionsprämien bei Kursrückgängen einen Teil des Wertrückgangs im Fondsportfolio aus. Die Optionsstrategie hat also auch einen defensiven Aspekt. Zusätzliche Kosten verursacht sie aber ebenfalls. Die Kosten für den Optionshandel, die kurzfristige Liquiditätsplanung und die wöchentlichen Dividendendeklarationen sind nicht in der Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) des ETF enthalten. Der Emittent schätzt sie auf zusätzliche 0,07 Prozentpunkte pro Jahr.
Konflikt 2: Ausschüttungsgebot vs. Substanzerhalt
Reichen die in einer Woche tatsächlich erwirtschafteten Nettoerträge aus Dividenden und Optionsprämien nicht, um die Ausschüttung zu decken, darf laut Prospekt das Fondskapital angegriffen werden. In diesem Fall sinkt der Nettoinventarwert des Fonds unmittelbar. Die Ausschüttung geht dann zulasten der Substanz. Das läuft dem Ziel des langfristigen Wertzuwachses zuwider.
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Konflikt 3: Volatilität vs. Qualität
Wer verlässliche Ausschüttungen will, setzt meist auf Qualitätsaktien. Für das Portfolio des neuen ETF spielt aber neben Qualität ein weiterer Faktor eine Rolle: die Frage, ob für eine Aktie liquide, börsengehandelte Optionen verfügbar sind. Aktien mit starken Kursausschlägen bringen höhere Optionsprämien ein. Sie bergen aber auch höhere Kursrisiken. Zwischen dem Wunsch nach Qualität und stabilen Ausschüttungen einerseits und hohen Optionsprämien andererseits gibt es damit einen gewissen Zielkonflikt.
Konflikt 4: Geldmarkt vs. Aktien
Für die wöchentlichen Ausschüttungen ist Liquidität nötig. Deshalb darf der Fonds bis zu 20 Prozent seines verwalteten Vermögens im Geldmarkt parken. Bis zu ein Fünftel des Kapitals wird also nicht in Aktien investiert. In starken Börsenphasen kann das die Wertentwicklung zusätzlich bremsen.
Dasselbe Problem hat auch der Fondsanleger: Was tut er mit den Ausschüttungen? Verkonsumiert er das Geld, ist es weg. Es steht dann für den weiteren Vermögensaufbau nicht mehr zur Verfügung. Reinvestiert er es, verursacht das Aufwand. Hinzu kommt, dass Ausschüttungen steuerpflichtig sind, sobald der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist. Bei Aktienfonds profitieren Anleger allerdings in der Regel von der Teilfreistellung.
... und dann sind da noch die Kosten!
Unabhängig von den Transaktionskosten, die aus dem besonderen Ausschüttungs-Feature resultieren, langt HANetf bei den Gebühren ordentlich hin. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,5 Prozent ist der Weekly World Income UCITS ETF vergleichsweise teuer. Für einen klassischen Welt-ETF werden im Schnitt nur 0,2 Prozent fällig. Schon prozentual gering erscheinende Preisunterschiede machen wegen des Zinseszinseffekts bei der langfristigen Geldanlage viel aus.
Christian W. Röhl, Chefvolkswirt des Neobrokers Scalable Capital, hat erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit des neuen Produkts. Er befürchtet, dass der „monetäre Nieselregen“ manchem Anleger den Blick auf das Wesentliche verstellen könnte: die Anlagestrategie.
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