Wegen technischer Panne: ICE zwischen Berlin und Paris fährt vorerst nicht
Als am 16. Dezember 2024 im Berliner Hauptbahnhof der erste durchgehende ICE nach Paris abfuhr, sah der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing (parteilos) darin nicht nur ein neues, zusätzliches Angebot auf der Schiene. „Es geht um gelebte Freundschaft“, sagte Wissing, der seine Sommerurlaube seit Jahren in Frankreich verbringt. „Die gute deutsch-französische Zusammenarbeit ist das Rückgrat eines geeinten Europas“, sagte der damalige Bahnchef Richard Lutz. Die neue tägliche ICE-Direktverbindung zwischen den beiden Hauptstädten Berlin und Paris sei ein Sinnbild dafür. In diesen Tagen muss man allerdings hoffen, dass der ICE Berlin–Paris kein Sinnbild für die deutsch-französische Freundschaft ist. Denn die Deutsche Bahn (DB) hat den Zug Ende Juli still und leise eingestellt. Fahrgäste, die entsprechende Verbindungen gebucht haben, teilte der Konzern über seine App DB Navigator und per E-Mail mit, dass sie nun in Frankfurt am Main oder Mannheim umsteigen müssen. Die Öffentlichkeit hat die Bahn jedoch nicht über das vorläufige Ende des Prestigezugs informiert. Auf Anfrage des Tagesspiegels teilt eine Sprecherin des DB-Konzerns mit: „Derzeit ist die ICE-Direktverbindung Berlin–Frankfurt–Paris nicht durchgehend verfügbar. Wir bedauern dies ausdrücklich.“ Grund dafür seien technische Probleme mit dem europäischen Zugsicherungssystem der Firma Alstom, das für die ICE auf der Direktverbindung Berlin–Paris erforderlich sei. Navigator zeigt keine Direktverbindungen mehr an Wie lange die ICE zwischen Berlin und Paris deshalb nicht fahren können, kann die Bahn bislang nicht sagen. Auf bahn.de und im DB Navigator bietet der Konzern bis zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember aber vorsorglich keine Direktverbindungen zwischen Berlin und Paris mehr an – mit Ausnahme der Nachtzüge des niederländisch-belgischen Start-ups European Sleeper. Bei der Bahn hofft man allerdings, dass Alstom die Probleme mit den Empfangsgeräten für das europäische Zugsicherungssystem ERTMS schnell in den Griff bekommt. „Die Deutsche Bahn fordert Alstom auf, die Fehler umgehend zu beheben“, sagt die Sprecherin des Konzerns. Der französische Zughersteller erklärt hierzu auf Anfrage: „Alstom bedauert die derzeitige Einschränkung auf der ICE-Strecke Berlin–Paris. Das Unternehmen arbeitet intensiv daran, die Direktverbindung per Bahn zwischen beiden Metropolen schnellstmöglich wieder zu ermöglichen.“ Für die Bahn sind langfahrende Auslandsverbindungen wie die zwischen Berlin und Paris ein wichtiges Wachstumsgeschäft. Nach dem Aufkommen der Billigflieger galten lange nur internationale Fernzüge mit einer Fahrtzeit von rund vier Stunden als lukrativ. Doch inzwischen sind viele Menschen auch bereit, länger mit dem Zug in den Urlaub zu fahren. So sind die Züge zwischen Berlin und Paris nach Bahnangaben stets gut gebucht. „Der ICE nach Paris ist ein großer Erfolg, die Auslastung beträgt mehr als 80 Prozent“, sagte Fernverkehrschef Michael Peterson im April der „Berliner Zeitung“. Der Bahnmanager erklärte damals, dass es wegen der hohen Nachfrage ab 2028 sogar ein zweites tägliches Zugpaar geben könnte. Aber jetzt kann der Staatskonzern seine Kunden vorerst nur auf Umsteigeverbindungen verweisen. Für Fahrgäste aus Berlin (sowie aus Halle und Erfurt) stünden mit einem Umstieg in Frankfurt und Mannheim weiterhin täglich „bis zu neun Verbindungen zwischen beiden Metropolen zur Verfügung“, sagt die DB-Sprecherin.