Wegner, Giffey und Co.: So haben sich Berlins Politpromis bei den Direktmandaten geschlagen
Im Kampf um die Direktmandate gehen einige Berliner Spitzenpolitiker am Wahlabend als Sieger hervor, andere gehen leer aus. Um kurz vor 23 Uhr waren fast alle Wahlgebiete ausgezählt. Ein Überblick.
Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp hat an diesem Abend viel Grund zum Feiern. Nicht nur ihre Partei liegt deutlich vorne. Ihren Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 holt Eralp mit 50,4 Prozent vor Kübra Beydaș (Grüne, 17,2 Prozent).
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wird seinen Wahlkreis Spandau 5 deutlich gewinnen. Nach Auszählung von 47 von 50 Stimmbezirken führt Wegner uneinholbar mit 32,3 Prozent vor Susanne Drescher von der SPD (19,6 Prozent). Wegner ist ohnehin über die Liste seiner Partei abgesichert und zieht ins Abgeordnetenhaus ein.
Wegners Lebenspartnerin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat ihr Direktmandat in Marzahn-Hellersdorf verteidigt. Berlins Bildungssenatorin führt den dortigen Wahlkreis 5 uneinholbar mit 31,7 Prozent vor AfD-Kandidat Thomas Harder (24,1 Prozent). Derzeit sind 63 von 66 Stimmbezirken ausgezählt.
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers verliert seinen Wahlkreis Treptow-Köpenick 4. Nach Auszählung aller 50 Stimmbezirke holt Alexander Bertram (AfD) mit 31,5 Prozent das Direktmandat. Evers kommt auf 24,5 Prozent.
Die ehemalige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wird dem neuen Abgeordnetenhaus nicht angehören. Giffey verliert ihren Wahlkreis Neukölln 6 (Rudow) gegen den CDU-Kandidaten Olaf Schenk. Nach Auszählung aller Stimmbezirke kommt Giffey auf 26,3 Prozent, Schenk erreicht 27,7 Prozent. Ihr Kreisverband hatte Giffey nicht für einen Listenplatz nominiert. Die Politikerin war daher darauf angewiesen, ihren Wahlkreis direkt zu gewinnen, um weiterhin dem Abgeordnetenhaus anzugehören.
Bis zur Bildung einer neuen Regierung ist Giffey weiterhin Wirtschaftssenatorin. Dass sie Mitglied einer neuen Landesregierung wird, ist derzeit unwahrscheinlich.
Auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach verfehlt sein Direktmandat. Der 47-jährige SPD-Landeschef kommt im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 2 mit 19,7 Prozent nur auf Platz drei hinter Tom Cywinski (CDU, 22,7 Prozent) und Daniel Eliasson (Grüne, 20,6 Prozent), wie aus der Ergebnispräsentation der Landeswahlleitung hervorgeht. Krach dürfte aber über die Bezirksliste in das Parlament einziehen.
AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker verpasst ebenfalls das Direktmandat. Im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 1 bekam die 54-Jährige 9,3 Prozent der Erststimmen und landete nach Angaben der Landeswahlleitung auf Platz fünf. Als Spitzenkandidatin ist Brinker der erneute Einzug ins Abgeordnetenhaus dennoch sicher. Die AfD-Politikerin zog 2016 erstmals ins Landesparlament ein und ist seit 2021 Vorsitzende der AfD-Fraktion. Das Direktmandat geht an Tonka Wojahn (Grüne), die 24,6 Prozent der Stimmen holte.
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg gewinnt ihren Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 7. Nach Auszählung von 48 von 50 Stimmbezirken führt Badenberg mit 26,2 Prozent vor Isabel Blecher von den Grünen (22,1 Prozent).
Sowohl der CDU- als auch der SPD-Fraktionschef können ihre Wahlkreise nicht gewinnen. Dirk Stettner (CDU) kommt nach letztem Auszählungsstand (49 von 50 Stimmbezirken) in seinem Wahlkreis Pankow 4 auf nur 17,4 Prozent und landet damit hinter Herbert Mohr (AfD, 23 Prozent) und Devran Bașbolat (Linke, 21,2 Prozent). 2023 hatte Stettner den Wahlkreis noch gewonnen.
Raed Saleh (SPD) kommt in seinem Wahlkreis Spandau 2 ebenfalls nur auf Platz 3. Nachdem 43 von 44 Stimmbezirken ausgezählt sind, erhält Saleh 20,8 Prozent. Vor ihm liegen der AfD-Kandidat Andreas Otti (23,8 Prozent) und der CDU-Abgeordnete Ersin Nas (21,6 Prozent).
Der Erfolg der Linken reicht unterdessen bis tief in den Westen der Stadt. Erstmals wird die Partei in Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf Direktmandate gewinnen. Im Wahlkreis Spandau 3 setzt sich Thomas Wulfes knapp gegen CDU-Kandidatin Kerstin Brauner durch. Im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 1 gewinnt Linken-Politiker Niklas Schenker gegen Nicola Aleksander Kaufmann (SPD).
Auch den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg dominiert die Linke bei der Berlin-Wahl. Die Partei gewinnt dort alle Direktmandate. Dadurch fliegen prominente Grüne aus dem Abgeordnetenhaus. Die bisherige wohnungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Katrin Schmidberger, wird dem Parlament nicht angehören. Zittern muss der Innenexperte Vasili Franco. Nach derzeitigem Stand wird auch er den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpassen.
Der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft hat das vermutlich einzige Direktmandat für die Berliner SPD geholt. Es ist das vierte Mal in Folge, dass er für den Wahlkreis 3 in Treptow-Köpenick direkt ins Abgeordnetenhaus einzieht. Auf die Frage, wie er das geschafft habe, antwortete Düsterhöft am Sonntagabend: „Durch harte, harte Wahlkreisarbeit.“ Mit 26 Prozent setzte er sich gegen den Zweitplatzierten von der Linkspartei, Fabian Ulrich, mit 24,8 Prozent durch.
Bei der Wahl 2023 hatte die SPD noch vier Direktmandate errungen. Über Konsequenzen aus dem für seine Partei insgesamt schlechten Wahlergebnis werde man in den nächsten Tagen beraten, sagte Düsterhöft. „Aber bei 12 Prozent müssen wir alles infrage stellen“, sagte er.