„Weigern sich“: Flugbegleiter ärgern sich über neue Marotte der Passagiere beim Einsteigen
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„Weigern sich“: Flugbegleiter ärgern sich über neue Marotte der Passagiere beim Einsteigen
Von: Pia Seitler
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Weder zu groß noch zu schwer: Für das Handgepäck im Flugzeug gibt es strenge Vorschriften. Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals stellt fest, dass immer mehr Gäste einen neuen Trick ausprobieren.
Hamburg – Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals einer Fluggesellschaft schildert im Onlineforum Reddit, was ihm auf neuen Strecken auffällt: Passagiere versuchen immer häufiger, überdimensionales Handgepäck mit an Bord zu nehmen. Ihre Begründung: „Das stelle ich einfach in den Schrank.“ Gemeint ist ein Bordschrank, den manche Flugzeuge tatsächlich haben – etwa für Rollstühle, Gehhilfen, Kleidung der Crew oder Jacken von Gästen der First Class.
„Sie gehen wohl davon aus, da drin sei eine Art endloses Narnia für ihre Gitarre oder ihr Hochzeitskleid, bei denen sie sich weigern, es am Gate aufzugeben“, schreibt der Bodenbeschäftigte. Die Zahl der Passagiere, die so ihr sperriges Gepäck in die Kabine bringen wollen, sei „dramatisch angestiegen“. Besonders ärgert ihn die Erwartungshaltung mancher Gäste: Wer mit einem Flugzeug ohne Bordschrank fliege, reagiere teils mit Wutanfällen. „Nein, nicht jedes Flugzeug hat einen“, stellt er klar.
Auch Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, die den Reddit-Beitrag kommentieren, kennen das Problem. „Es geht nicht darum, dass jemand den Schrank nutzt. Das Problem ist die Erwartung und die Einstellung“, schreibt eine Person. Eine andere schildert die Situation beim Einsteigen: „Wenn vier Leute als Letzte mit Gitarren an Bord kommen, kann ich vielleicht eine oder zwei davon im Schrank unterbringen, und dann tun die anderen so, als wäre ich persönlich dafür verantwortlich, dass es nicht klappt, weil die Fächer bereits voll sind.“
Bei welchen Signalen eine Flugbegleiterin ihre Kollegen warnt
Meike* ist Flugbegleiterin bei Lufthansa und hat der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erzählt, wie der Alltag an Bord wirklich aussieht. Manche Bereiche im Flugzeug sind durch einen Vorhang von den Passagieren abgetrennt – dort können Flugbegleiter in Ruhe essen. „Wir haben auf Langstreckenflügen auch Schlafplätze“, sagt Meike. Nach dem ersten großen Service teile sich die Crew auf, die Hälfte könne schlafen. Je nach Flugzeugtyp gebe es sechs bis zwölf Schlafplätze.
Grundsätzlich gilt laut den Flugbegleitern auf Reddit eine klare Priorität für den Bordschrank: Zuerst sind Mobilitätshilfen dran, dann Kleidung und Gegenstände der Crew sowie Jacken aus der First oder Business Class. „Danach nehme ich alles, was noch reinpasst“, schreibt eine Flugbegleiterin. Hochzeitskleider kämen meistens rein, Instrumente auch – wenn Platz sei.
Auch Meike berichtet von einer wachsenden Anspruchshaltung an Bord. Der sogenannte „Pax Call“ – das Klingeln der Passagiere – sei eigentlich für Notfälle gedacht. „Aber viele nutzen ihn heute eher dafür, ein Schokoladenpapier loszuwerden“, sagt die Flugbegleiterin. Selbst wenn sie privat fliege, drehe sie sich beim Ping-Ton automatisch um. „Das ist wie ein Reflex.“ Vielflieger und Gelegenheitsreisende könne Meike sofort unterscheiden. Letztere seien oft ungeduldig, stünden auf, bevor das Anschnallzeichen erloschen sei, und öffneten Gepäckfächer, während das Flugzeug noch rolle.
Wer den Bordschrank für sperriges Handgepäck nutzen möchte, sollte die Jahreszeit im Blick haben. „Mitten im Januar auf dem Flug nach Eagle County ist der Schrank bis obenhin voll mit fetten Daunenjacken aus der First Class – da kommt Chads Snowboard definitiv nicht mehr rein“, schreibt eine Flugbegleiterin auf Reddit. Der Rat der Crew: früh einsteigen und höflich fragen. (Quellen: Reddit, eigene Recherche)
*Meike heißt in Wirklichkeit anders. Sie möchte anonym bleiben. Ihr Name ist der Redaktion bekannt.