Weitere Details zur Beinahe-Katastrophe am Flughafen
Startseite Lokales Erding Flughafen München Heck touchiert Boden, Reifen platzen: Weitere Details zur Beinahe-Katastrophe am Flughafen München Von: Lucas Sauter Orengo Uns auf Google folgen Wohl beinahe hätte es am Flughafen München am Wochenende ein Unglück gegeben. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse über Probleme während des Take-off der Boeing. Flughafen München – Update vom 19. August, 08.03 Uhr: Das Heck einer Boeing 787-9 der Vietnam Airlines berührte beim Start in München den Boden – jetzt hat die zuständige Bundesbehörde erstmals konkrete Details zu dem Vorfall vom 15. August veröffentlicht. Rund 270 Passagiere und die Besatzung entkamen nach Einschätzung von Fachleuten nur knapp einer Katastrophe. Boeing 787 am Flughafen München: Bundesbehörde legt Details zum Heck-Bodenkontakt vor Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat den Ablauf des Vorfalls in einer Mitteilung rekonstruiert. Demnach hob die Maschine um 13.57 Uhr auf der Piste 26L ab – allerdings deutlich später als vorgesehen. Unmittelbar vor dem Abheben berührte das Heck des Flugzeugs den Boden. Am Ende der Startbahn wurden Reifenspuren entdeckt, die der Maschine zugeordnet werden könnten, so die Behörde. Der Pilot zog die Nase des Flugzeugs rechtzeitig hoch, sodass die Maschine gerade noch abhob. Rund zwei Stunden später setzte der Dreamliner um 15.58 Uhr auf der Piste 26R wieder in München auf. Beim Fahrwerk war Qualm zu sehen, mehrere Reifen waren geplatzt. Passagiere und Crew blieben unverletzt. Flugschreiber werden in Braunschweig ausgewertet Derzeit analysieren Experten der BFU in Braunschweig die Flugschreiber der Maschine. „Das Auslesen und die Analyse der Daten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, teilte die Behörde mit. Neben den deutschen Ermittlern sind auch Stellen aus Vietnam sowie aus den USA an der Untersuchung beteiligt – dort hat Flugzeughersteller Boeing seinen Sitz. Ursache noch völlig offen – „Mensch und Technik“ im Fokus Warum die Maschine beim Start nicht ausreichend Geschwindigkeit aufbauen konnte, ist bislang ungeklärt. Die BFU erklärte, dass noch Fakten zu den Bereichen Mensch, Technik und organisatorischen Einflussfaktoren ermittelt werden müssten. In einem abschließenden Untersuchungsbericht sollen die Erkenntnisse analysiert, Schlussfolgerungen gezogen und die Ursachen benannt werden. Vietnam Airlines hatte kurz nach dem Vorfall von einem technischen Problem gesprochen. Keine Schuldfrage – Behörde will künftige Unfälle verhindern Die BFU betonte ausdrücklich, dass ihre Untersuchung ausschließlich der Prävention diene. „Die Untersuchung dient nicht der Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen“, stellte die Behörde klar. Ziel sei es, vergleichbare Vorfälle in der Zukunft zu verhindern. Erstmeldung vom 18. August: Noch ist unklar, weshalb die Boeing der Vietnam Airlines so spät von der Startbahn am Münchner Airport abhob. Doch jetzt scheint es erste Erkenntnisse zu geben: Schon während des Startlaufs traten laut einem vorläufigen Untersuchungsbericht der vietnamesischen Luftfahrtbehörde ernste technische Probleme auf – mit dramatischen Folgen. Während die Besatzung das Flugzeug auf der Startbahn beschleunigte, stockte die Maschine plötzlich: Ungefähr auf halber Strecke habe das Flugzeug rund zwei Sekunden lang keine Geschwindigkeit mehr aufgebaut, heißt es in dem Bericht, der sich auf Angaben der Piloten stützt. Anschließend habe die Maschine zwar wieder bis zur kritisch notwendigen Mindestgeschwindigkeit beschleunigt – doch dann fiel das Tempo erneut ab. Beinahe-Unglück: Piloten mit Bericht über dramatische Probleme während Start am Münchner Flughafen Da zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genug Startbahn übrig war, um den Vorgang noch sicher abzubrechen, entschied der Pilot, den Start fortzusetzen. Er brachte die Schubhebel der Triebwerke auf volle Leistung und zog die Flugzeugnase hoch. Das Abheben gelang – doch kaum war die Maschine in der Luft, schlugen Warnmeldungen an: Das Heck des Flugzeugs hatte beim Abhebevorgang das Rollfeld berührt, ein sogenannter Tailstrike. Gleichzeitig meldete das System, dass vier der acht Reifen Luft verlören. Eine erste Inspektion bestätigte später: Drei Reifen auf der linken Fahrwerksseite und einer auf der rechten waren geplatzt. Erster Piloten-Bericht zu Boeing-Drama am Flughafen München Die Crew informierte daraufhin die Flugsicherung und traf die Entscheidung, nach München zurückzukehren, um das Flugzeug technisch überprüfen zu lassen. Vor dem Anflug ließ die Besatzung zunächst Kerosin ab, um das Gewicht der Maschine für eine sichere Landung zu reduzieren. Anschließend drehte der Pilot zwei Runden in niedriger Höhe über dem Flughafen – so konnte die Flugsicherung den Zustand des Fahrwerks von unten begutachten. Nachdem dabei keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt wurden, landete der Pilot das Flugzeug.