Weitere Filialschließungen erwartet
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Galeria vor nächster Schließungswelle: Insolvenzverwalter kündigt harte Einschnitte an
Von: Marcel Reich
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Galeria steht vor weiteren Filialschließungen. Insolvenzverwalter Frank Kebekus warnt vor harten Einschnitten. Was jetzt für 83 Warenhäuser gilt.
München – Die angeschlagene Warenhauskette Galeria dürfte nach ihrer vierten Insolvenz erneut Standorte verlieren. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus rechnet nicht damit, dass alle derzeit 83 Häuser erhalten bleiben. „Dass am Ende vermutlich nicht alle 83 Standorte fortgesetzt werden können, das wird wahrscheinlich so sein“, sagte er in einem Interview mit dem ZDF.
Wie viele Warenhäuser schließen müssen, ist noch offen. Kebekus will jeden Standort einzeln auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen. Schon im Juli hatte Galeria 33 Filialen auf den Prüfstand gestellt, darunter Häuser in Berlin, Köln, München und Mainz. Damals ging es vor allem um niedrigere Mieten und kleinere Verkaufsflächen. Ob diese Standorte tatsächlich aufgegeben werden, ist nicht entschieden.
Neue Eigentümer müssten viel Geld mitbringen
Kebekus hält das Warenhaus als Einkaufsform grundsätzlich für überlebensfähig. Die Sanierung müsse diesmal aber vorsichtig geplant werden und sei nur „mit harten Einschnitten“ möglich, sagte er dem ZDF. Seine Aufgabe ist es, den Betrieb zunächst zu stabilisieren und Käufer für das Unternehmen zu finden.
Die Suche nach Investoren hat bereits begonnen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur organisiert die Unternehmensberatung Roland Berger den Verkaufsprozess. Unklar ist, ob ein Interessent die gesamte Kette oder nur einzelne Standorte übernehmen würde.
Wie teuer ein Neustart werden könnte, zeigt eine Schätzung des Handelsexperten Johannes Berentzen von der Beratung BBE. Allein für die Erneuerung der Gebäudetechnik und der Innenausstattung veranschlagt er rund eine Milliarde Euro. Hinzu kämen Investitionen etwa in den Onlinehandel.
Galeria befindet sich seit Sommer 2024 im Besitz der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Zuletzt hatten Handelsexperten und die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass die Eigentümer zu wenig Geld in die Warenhäuser gesteckt hätten.
Entscheidend ist jetzt das Weihnachtsgeschäft
Die Beschäftigten haben vorerst zumindest Gewissheit über ihr Einkommen: Die Bundesagentur für Arbeit hat Insolvenzgeld für Oktober, November und Dezember zugesagt. Die Zahlungen sollen über eine Bank vorfinanziert werden. Das sichert die Bezüge, nicht jedoch die Arbeitsplätze.
Parallel wird mit dem US-Finanzierer Gordon Brothers über frisches Geld für den laufenden Betrieb verhandelt. Gordon Brothers hatte im Juni eine durch Warenbestände abgesicherte Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro bereitgestellt. Kebekus zeigte sich gegenüber dem ZDF zuversichtlich, eine Einigung über ein sogenanntes Massedarlehen zu erreichen. Eine abschließende Einigung wurde bislang nicht öffentlich bestätigt.
Die Finanzierung ist insbesondere für das Weihnachtsgeschäft wichtig: Galeria muss Warenlieferungen bezahlen und Einnahmen für neue Bestellungen nutzen können. Zuletzt hatten Kunden Einschränkungen erlebt, etwa gesperrte Verkaufsflächen und vorübergehend nicht einlösbare Gutscheine. Kebekus erklärte dem ZDF dennoch, Verbraucher könnten im Weihnachtsgeschäft „ohne Bedenken einkaufen“.
Warum Galeria immer weiter schrumpft
Wie stark die Warenhauskette bereits an Bedeutung verloren hat, zeigen Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen rund 4,5 Milliarden Euro Nettoumsatz. Für 2025 nennt das Institut noch etwa zwei Milliarden Euro – bei weniger als halb so vielen Häusern. Der Rückgang ist auch Folge der zahlreichen Schließungen.
Gleichzeitig hat sich das Einkaufsverhalten verändert. Laut EHI sank der Marktanteil der Warenhäuser im deutschen Einzelhandel seit dem Jahr 2000 von 4,2 auf zuletzt 1,2 Prozent. Onlinehändler und spezialisierte Geschäfte setzen die traditionellen Kaufhäuser unter Druck, während Mieten, Personal und große Verkaufsflächen hohe Kosten verursachen.