„Weizen als Waffe gegen Deutschland“: Greift Putin die deutschen Bauern an?
Startseite Politik „Weizen als Waffe gegen Deutschland“: Greift Putin die deutschen Bauern an? Von: Simon Schröder Uns auf Google folgen Der Präsident des Bauernverbandes vermutet, Putin wolle Weizen als strategische Waffe gegen Deutschland nutzen. Doch Russland hat momentan Export-Schwierigkeiten. Berlin/Moskau – Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland. Gegenüber Bild warnt er: „Putin nutzt Weizen als strategische Waffe gegen Deutschland, gegen Europa und die USA.“ Hintergrund sei eine Folge guter russischer Ernten, so Rukwied: Volle Speicher ermöglichen es Moskau, große Mengen Weizen auf den Weltmarkt zu werfen und damit die Preise gezielt zu drücken. Rukwied nennt das eine „aggressive Preispolitik“ – mit dem Ziel, die westliche Landwirtschaft wirtschaftlich zu destabilisieren. Für deutsche Bauern käme ein Preisverfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die heimische Ernte fällt wegen anhaltender Dürre ohnehin schwach aus, während die Kosten für Diesel, Pflanzenschutz und Dünger infolge des Iran-Kriegs stark gestiegen sind. „Viele haben finanzielle Engpässe“, sagt Rukwied. Der Bauernpräsident fordert deshalb ein klares politisches Signal aus Berlin: „Die Bundesregierung ist jetzt gefordert. Ernährungssicherheit ist so wichtig wie Verteidigungsfähigkeit.“ Nutzt Putin „Weizen als Waffe“? Ukraine-Krieg macht Russland beim Getreide-Export zu schaffen Die Befürchtungen Rukwieds bestätigen sich bisher nicht. Aktuell ist am Markt eher Gegenteiliges zu beobachten. Terminkontrakte an der Börse (Futures) auf Weizen sind auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Auslöser sind eskalierende Angriffe Russlands und der Ukraine auf gegenseitige Häfen und Handelsschiffe im Schwarzen Meer, die den Getreideexport zweier der weltgrößten Lieferanten zunehmend gefährden, wie die Financial Times (FT) berichtet. Betroffen sind unter anderem der größte ukrainische Donauhafen sowie russische Schwarzmeer-Terminals in Noworossijsk. Russland ist der weltgrößte Weizenexporteur, die Ukraine der fünftgrößte. Gemeinsam decken beide Länder rund 30 Prozent der globalen Nachfrage. Laut Oxford Economics könnte die Störung der Häfen im Asowschen Meer und im Schwarzen Meer-Becken die weltweiten Liefermengen in diesem Jahr um bis zu 86 Millionen Tonnen reduzieren, was etwa 17 Prozent der globalen Getreideexporte entspricht, wie die FT schreibt. Davon entfallen 52 Millionen Tonnen auf russische und 34 Millionen Tonnen auf ukrainische Ausfuhren. Getreideexport im Ukraine-Krieg: Russland nach ukrainischen Angriffen auf Häfen unter Druck Rund 90 Prozent der russischen Getreide-Exportkapazitäten im Asowschen und Schwarzen Meer sind aktuell lahmgelegt und das mitten in der exportintensivsten Phase der Saison. Die Sperrung der Schifffahrt im Asowschen Meer gilt bereits seit Juli, wie die russische Exil-Zeitung Moscow Times berichtet. Die Unterbrechung trifft Russland an einer wirtschaftlich empfindlichen Stelle: Getreideexporte bringen dem Land jährlich rund 15 Milliarden US-Dollar ein. Das Asow-Schwarzmeer-Becken war in der vergangenen Saison für 88 Prozent der russischen Getreidelieferungen über den Meerweg verantwortlich, mit insgesamt 46,3 Millionen Tonnen. Besonders hart trifft die Krise russische Landwirte, die ohnehin mit sinkenden Preisen und einer seit Jahren angespannten Finanzlage kämpfen. Ob die ausgefallenen Exportmengen im weiteren Saisonverlauf noch aufgeholt werden können, ist unklar. Trotz Dürre kann Deutschland dieses Jahr seinen Eigenbedarf an Getreide decken, wie der BR berichtet. Die ungefähr 40 Millionen Tonnen Getreide-Ernte dieses Jahr entsprechen dem durchschnittlichen deutschen Verbrauch von ebenfalls rund 40 Millionen Tonnen. Dennoch fällt die Ernte dieses Jahr deutlich schlechter aus als im Vorjahr. 2025 waren es noch etwa 45 Millionen Tonnen. (Quellen: Bild/Financial Times/Moscow Times/BR) (sischr)