Weltmeister Lucas di Grassi lästert über deutsches Essen
Audioplayer wird geladen Anzeige Mit diesen ehrlichen Worten verabschiedet er sich vom Rennzirkus. Der brasilianische Formel-E-Fahrer Lucas di Grassi beendet nach dem Formel-E-Finale in London an diesem Wochenende seine Karriere. Di Grassi war der erste Fahrer, der in die elektrische Rennserie einstieg. Rückblickend auf sein Rennfahrer-Leben gibt der Weltmeister von 2017 tiefe Einblicke. Di Grassi: „Ich hatte gute Momente, aber auch schlechte Momente. Ich würde sagen, im Rennsport hat man weitaus mehr schlechte als gute Momente.“ Anzeige Auf die Frage in einer Medienrunde in London, was er vermissen werde, holt di Grassi dann zum Rundumschlag aus: „Ich werde die Stunden am Simulator nicht vermissen, ich werde es nicht vermissen, 150 Nächte im Jahr in miesen Hotels zu verbringen und die meiste Zeit deutsches Essen zu essen. Tut mir leid für die Deutschen, aber es ist nicht gerade das beste Essen, das es gibt. Ich vermisse nicht die Zeit fern von meiner Familie und das hier.“ Di Grassi weiter: „Und noch eine Frage, die ich heute beantworte: Ich habe keinen Spaß am Rennfahren. Viele Leute denken, dass wir Spaß haben, wenn wir fahren. Ich habe Spaß an meinen Hobbys – wenn ich das tue, was ich will, wann ich will und so lange ich will. Rennen fahren ist kein Hobby. Ich hatte noch nie Spaß daran, einen Rennwagen zu fahren. Ich hatte Adrenalin, ich hatte Kampfgeist, ich wollte unbedingt gewinnen, aber ich hatte nie Spaß. Wenn ich im Auto saß, war der Druck so groß und es passierte so viel, dass ich keinen Spaß hatte.“ Anzeige „Mit leerem Magen ins Bett gegangen“ Über die Renntage sagt er: „Wenn ich ein Rennen habe, schlafe ich schon 10 Tage vorher zur richtigen Zeit, passe mich an die Zeitzone an, ernähre mich richtig – ich kann kein normales Leben führen. Und das alles nur wegen des Rennens. Es macht also keinen Spaß. Als ich zum Beispiel in der Formel 1 war, hatte ich 15 Kilo Übergewicht. Es macht keinen Spaß, auf das Abendessen zu verzichten und mit leerem Magen schlafen zu gehen, nur weil ich abnehmen musste, um wettbewerbsfähig zu sein. Ich habe sogar den Reißverschluss aus dem Metall herausgeschnitten, um Gewicht zu sparen. Ich habe die Einlegesohlen aus meinen Rennstiefeln herausgenommen, um Gewicht zu sparen. Deshalb war ich ständig krank. Das macht keinen Spaß. Das ist Engagement und das ist ein Beruf.“ Lesen Sie auch Dann spricht er über seinen Antrieb: „Ich werde die Freude am Wettkampf vermissen. Ich werde das Gefühl vermissen, das man hat, wenn man tatsächlich einen Sieg oder einen Titel errungen hat. Aber nicht wegen des Spaßes an der Sache. Sondern wegen des Gefühls, das man hat, wenn man gewinnt. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Ich glaube, Außenstehende erkennen nicht, dass das so ist. Ja, das ist der Unterschied, und genau das werde ich vermissen.“ Lucas di Grassi ist stolz auf seine Karriere Bei allem Verzicht sagt di Grassi dennoch, er bereue nichts und blicke mit Stolz auf sein Lebenswerk zurück: „Zumindest kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich der Fahrer bin, der sich am meisten für die Formel E einsetzt. Und ich hoffe, dass die Leute das so sehen, denn es geht nicht nur um die Fahrer, es geht nicht nur um die Leute, die für die Formel E arbeiten, sondern alle. Die Formel E hat ein solches Ökosystem um sich herum geschaffen. Und abgesehen von mir selbst als Rennfahrer hat die Formel E ein Ökosystem geschaffen, auf das ich sehr stolz bin.“ In die Formel E zu gehen, sei eine richtige Entscheidung gewesen. Di Grassi: „Ich bin große Risiken eingegangen und habe auf die Formel E gesetzt, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Alle Pläne, die ich zu Beginn der Formel E gemacht habe, wurden von der Entwicklung der Serie übertroffen.“ Di Grassi hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Nach seinem Sieg beim ersten Rennen in Peking im Jahr 2014 entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Fahrer der Formel E. Außerdem war der Brasilianer Vize-Weltmeister in der Formel 2, fuhr in der Formel 1, wurde Zweiter in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und holte mehrere Podiumsplätze beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.