Weltraumteleskop der ESA spürt unbekannten Kometen auf
Euclids eigentliche Aufgabe ist ambitioniert: Das Weltraumteleskop der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA soll eine dreidimensionale Karte des Universums erstellen. Die Daten sollen auch dabei helfen, Dunkle Materie und Dunkle Energie besser zu verstehen.
Seit dem Missionsstart des Teleskops im Juli 2023 hat Euclid bereits beeindruckende Aufnahmen geliefert. Erst im Juni 2026 veröffentlichte die ESA etwa eine Aufnahme des Zentrums der Milchstraße, auf der mehr als 60 Millionen Sterne zu sehen sind.
Die Entdeckung eines Kometen durch das Weltraumteleskop kommt dagegen unerwartet. Zu verdanken ist der Zufallsfund einer Software, die gezielt nach beweglichen Objekten in astronomischen Aufnahmen sucht.
Für die Kartierung von Galaxien nimmt Euclid große Himmelsbereiche auf und nutzt dafür die sogenannte „Step-and-stare“-Methode. Dabei wird der „Blick“ des Teleskops für einige Zeit auf einen Himmelsausschnitt gerichtet, um eine längere Belichtung zu ermöglichen. Dann ist der nächste Ausschnitt dran. Jeder Bereich wird dabei in der Regel nur einmal erfasst.
Durch diese Art der Aufnahme sind bewegliche Objekte wie Kometen in den Bildern meist schwer zu erkennen. Sie „huschen“ durchs Bild und sind nur als Lichtspur zu sehen. Mikko Pöntinen von der Universität Helsinki hat deshalb eine spezielle Software zum Erkennen beweglicher Objekte entwickelt – und im September 2026 direkt einen großen Fang gemacht: einen bislang unbekannten Kometen.
„Ich war begeistert, als meine Software einen über mehrere Bilder verschmierten Streifen markierte – das Ergebnis eines sich schnell bewegenden Objekts. Durch die Vorhersage seiner Position konnte ich es in weiteren Bildern identifizieren und fand es insgesamt in fünf Bildsätzen“, sagt Pöntinen in der Pressemitteilung der ESA.
Der neu entdeckte Komet erhielt den Namen C/2026 S1 (Euclid). Er ist derzeit rund 1,3 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt und bewegt sich nicht auf der gleichen „horizontalen“ Ebene wie die Planeten unseres Sonnensystems, sondern von der Sonne aus gesehen „nach oben“. Seine steile Bahn könnte bedeuten, dass der Komet Tausende Jahre brauchen wird, um die Sonne zu umrunden.
Der Fund ist mehr als eine astronomische Randnotiz. Er zeigt, dass sich große wissenschaftliche Datensätze mithilfe spezialisierter Algorithmen auch für Entdeckungen nutzen lassen, die über die ursprünglichen Ziele einer Mission hinausgehen.
Pöntinens Software wurde entwickelt, um bewegliche Objekte im Sonnensystem in Euclids Aufnahmen zu erkennen. Das hilft nicht nur bei der Suche nach bislang unbekannten Himmelskörpern, sondern kann auch die Auswertung der Galaxienbilder unterstützen: Bewegliche Objekte lassen sich so besser identifizieren und von den übrigen Bilddaten unterscheiden.
Auch für künftige Missionen könnte die Methode wertvoll sein. Die ESA sieht in der Entdeckung einen Testfall für das Zusammenspiel mit dem geplanten Projekt „Comet Interceptor“. Die Mission soll einen geeigneten Kometen möglichst früh nach seiner Entdeckung ansteuern und untersuchen. Dafür müssen solche Objekte rechtzeitig gefunden und ihre Flugbahnen bestimmt werden.