DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 18:00:00 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,18 % 64.015,54 Pkt 03:09:00 Gold +0,55 % 4.060,50 USD 03:13:55 Silber +0,00 % 54,11 USD 03:13:37 Brent -3,86 % 111,34 USD 03:13:55 WTI -0,36 % 101,39 USD 03:13:58 Bitcoin +0,10 % 80.878,25 USD 03:23:58 EUR/USD -0,44 % 1,11250 USD 03:23:44 EUR/GBP -0,13 % 0,83620 GBP 03:24:02 EUR/CHF -0,18 % 0,92310 CHF 03:24:03 EUR/JPY -0,19 % 175,683 JPY 03:24:04

Wende?: Ein Experiment in England zeigt, was das bringt

Wissenschaft

Bei Vokabeltests hatte der Erbonkel leichtes Spiel. Die große Pause vor der Englischstunde reichte meist, um sich den Stoff zu merken – jedenfalls lange genug, um gut abzuschneiden. Kurzfristig. Auf lange Sicht war das Bulimie-Lernen (schnell rein, schnell raus) jedoch wenig nachhaltig. Die einst fürs Fußballspielen eingesparte Zeit musste später doppelt und dreifach investiert werden, um im Job halbwegs sicher englische Konversation betreiben zu können.

Passable Gedächtnis-Gene allein sind also kein Garant für gute Bildung. Aber was dann? Talent oder Übung, Gene oder Umwelt? Eine Chance, einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, bietet eine Schulreform in England: Ab 1947 mussten alle Jugendlichen dort mindestens bis zu einem Alter von 15 Jahren zur Schule gehen, ein Jahr länger als zuvor. Das heißt, für die Jahrgänge kurz vor und kurz nach dieser Änderung blieben praktisch alle sonstigen Lebensumstände identisch, nur die Dauer der Schulbildung änderte sich. Eine einmalige Gelegenheit herauszufinden, wie sich mehr Bildung langfristig auswirkt.

Für die Untersuchung absolvierten rund 3000 70- bis 80-jährige Briten (Jahrgänge 1923 bis 1943) nicht nur Tests ihres Lernvermögen, sondern hatten auch ihr Erbgut analysieren lassen.

Die Studie ergab, dass diejenigen, die eine geringe genetische Neigung zum Lernen mitbrachten und die Schule meist früh beendeten, nach der Reform zwar deutlich länger zur Schule gingen, also am meisten potenzielle Lernzeit hinzugewannen. Doch auf ihr Erinnerungsvermögen im Alter wirkte sich das kaum aus. In den Tests schnitten sie kaum besser ab als die Vergleichsgruppe, die vor der Reform, also kürzer zur Schule gegangen war.

Am deutlichsten profitierten jene Personen von dem zusätzlichen Schuljahr, denen das Lernen genetisch bedingt ohnehin besonders leicht fiel. Schon vor der Reform waren diese Menschen häufig freiwillig länger zur Schule gegangen, danach umso mehr. Das zeigte sich auch in den Worterinnerungstests Jahrzehnte später: Wer ein gutes Lernvermögen mitbekommen hatte und in den Genuss der Schulzeitverlängerung gekommen war, konnte sich an bis zu zwei Wörter mehr erinnern, schreibt das Forschungsteam um Johannes Hollenbach vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen: „Bildungsentscheidungen können sich im Zusammenspiel mit individuellen genetischen Voraussetzungen noch Jahrzehnte später auf die geistige Fitness auswirken.“

Das bedeute aber nicht, dass mehr Zeit zum Lernen zu bekommen, nur denen hilft, die ohnehin schon lernen. Auch mit ungünstiger genetischer Ausgangslage könne man Professor werden, betont das Forschungsteam. Nur wirke sich zusätzliche Schulzeit dann geringer aus als bei Personen mit guten Lerngenen.

In welche Kategorie der Erbonkel auch immer gehört, 13 Schuljahre Zeit gehabt zu haben, um zu begreifen, dass schnelles Auswendiglernen nichts mit echtem Lernen zu tun hat, war auf jeden Fall hilfreich.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren