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„Wenig Erfahrung“: Fehler in der Kindheit macht Menschen zu unsicheren Erwachsenen

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„Wenig Erfahrung“: Fehler in der Kindheit macht Menschen zu unsicheren Erwachsenen

Von: Pia Seitler

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Im Berufsleben möchten nur wenige mehr Verantwortung übernehmen. Das hat auch mit der Erziehung zu tun. Eine Expertin erteilt Eltern einen wichtigen Rat.

Hamburg – Nur jeder siebte Beschäftigte in Deutschland, der aktuell keine Führungsverantwortung trägt, kann sich vorstellen, eine solche Rolle zu übernehmen, wenn der Arbeitgeber sie anbieten würde. Das geht aus einer Beschäftigtenbefragung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die Ende Mai 2025 durchgeführt wurde. Als Gründe nennen die Befragten vor allem die Arbeitsbelastung, die damit verbundene Verantwortung und die Sorge, dass das Privatleben zu kurz käme.

Das ist nicht nur ein individuelles Problem: Laut der Fachkräftedatenbank des IW fehlen in Deutschland im Schnitt 28.488 Fachkräfte in Führungsberufen. Dass hinter dem mangelnden Interesse an Führungspositionen auch die Kindheit stecken könnte, legt eine Studie aus China nahe. Dafür wurden 1.255 Jugendliche an Junior Highschools in Peking befragt, gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrkräften.

Helikopter-Eltern schwächen das Selbstvertrauen ihrer Kinder

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Je stärker Eltern aus Sicht der Jugendlichen überkontrollierend und überfürsorglich auftraten, desto seltener wurden die Kinder als führungsstark eingeschätzt und desto seltener übernahmen sie tatsächlich Führungsrollen in der Schule. Die Forschenden sehen einen möglichen Zusammenhang mit dem Selbstwertgefühl: Jugendliche mit sogenannten Helikopter-Eltern hatten häufiger ein geringeres Selbstwertgefühl, was wiederum mit weniger Vertrauen in die eigenen Führungsqualitäten einherging.

Mit der Frage, wie Kindheitserfahrungen die Persönlichkeit prägen, beschäftigt sich auch Eva Asselmann. Die Psychologieprofessorin an der HMU Health and Medical University in Potsdam hat das Buch „Too Much. Warum wir Kontrolle suchen – und Kraft im Loslassen finden“ geschrieben, in dem sie sich unter anderem mit dem Thema Überbehütung auseinandersetzt.

Psychologin: Kinder müssen auch mal scheitern dürfen

„Kinder lernen in der Familie oft ihren ersten Umgang mit Verantwortung“, sagt Asselmann der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Wer altersgerecht Entscheidungen treffen darf, erlebe, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat. Wer eigene Probleme lösen und auch einmal scheitern darf, lerne, mit Unsicherheit umzugehen. „Diese Erfahrungen können später hilfreich sein, wenn Menschen ein Team führen sollen.“

Dass Eltern ihre Kinder immer stärker kontrollieren oder Hindernisse aus dem Weg räumen wollen, beobachten Fachleute zunehmend häufiger. „Eltern stehen unter erheblichem Druck“, erklärt Asselmann. Sie wollten ihre Kinder fördern und ihnen möglichst viele Chancen eröffnen. Gleichzeitig seien mögliche Gefahren in Medien und auf Social Media sehr präsent, was leicht das Gefühl entstehen lasse, ständig eingreifen zu müssen.

Wenn Fürsorge zur Überbehütung wird

Fürsorge werde dann zur problematischen Überbehütung, wenn Eltern ihrem Kind „dauerhaft Aufgaben, Entscheidungen oder Probleme abnehmen, die es eigentlich selbst bewältigen könnte“. Zwar wollten Eltern ihr Kind vor Enttäuschungen und Misserfolgen schützen. Doch die Folgen können laut Asselmann weitreichend sein: „Wenn Eltern ständig eingreifen, sammeln Kinder weniger Erfahrungen im Umgang mit Unsicherheit, Konflikten oder Rückschlägen. Sie lernen seltener, Frustrationen auszuhalten und eigene Lösungen zu entwickeln. Dadurch können Ängste vor Fehlern zunehmen und die Bereitschaft sinken, neue oder herausfordernde Situationen anzugehen.“

Oft müssten dabei nicht die Kinder lernen, mit Unsicherheit umzugehen, sondern ihre Eltern. Asselmann empfiehlt, sich ehrlich zu fragen: Braucht das Kind gerade wirklich Hilfe oder fällt es mir als Elternteil schwer, einfach zuzusehen? Enttäuschungen und Herausforderungen seien ein wichtiger Teil des Lernens. Kinder bräuchten einen sicheren Hafen, also Eltern, die präsent sind, ohne alles zu kontrollieren, und die Botschaft vermitteln: „Ich bin da, wenn du mich brauchst. Aber ich traue dir zu, das selbst zu schaffen.“

Auch als Erwachsener lässt sich Selbstvertrauen noch aufbauen

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