Weniger Allergien und Asthma: Warum Bauernkinder gesünder sind als Stadtkinder
Audioplayer wird geladen Anzeige Bislang stützte sich die Hypothese vom sogenannten Bauernhofeffekt allein auf Beobachtungsstudien. Demnach entwickeln Kinder, die in ländlicher Umgebung aufwachsen, seltener Allergien, Asthma und Heuschnupfen. Stadtkinder, so die Vermutung, kommen seltener mit Umweltkeimen in Berührung, und ihr Immunsystem spielt daher aus Unterforderung einfach verrückt. Banale Schnupfenviren sind ihm nicht genug. Diese Hygienehypothese war Ende der 1980er-Jahre entstanden, nachdem drei Jahrzehnte lang ein dramatischer Anstieg allergischer Erkrankungen bei Kindern in westlichen Industrienationen beobachtet worden war. Höchstwahrscheinlich kommen Kinder auf dem Bauernhof mit Bakterien in Berührung, die das Immunsystem fordern und überschießende Reaktionen verhindern. Anzeige Nun hat ein internationales Team um Professor Markus Ege vom Forschungszentrum Helmholtz Munich erstmals tatsächlich entsprechende Bakterien in der Luft von Kuhställen identifiziert, wie das Fachmagazin „New England Journal of Medicine – Evidence“ berichtet. Lesen Sie auch Die Forscher hatten die Daten von mehr als 1000 Kindern ausgewertet, darunter Nasenabstriche und Staub aus der Matratze. So kamen sie den Bakterienarten Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis auf die Spur. Anzeige Beide Keime stammen aus dem Verdauungstrakt von Kühen, wo sie Stoffe wie Kynurenin, Xanthin und Alpha-Linolensäure produzieren, die leicht eingeatmet und von zwei Rezeptoren auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden können. Kinder, die diesen bakteriellen „Sparringpartnern“ ausgesetzt sind, trainieren so ihr Immunsystem, was sie vor Allergien, Heuschnupfen und Asthma schützt. Ein Medikament für Stadtkinder „Mädchen und Jungen, die auf Bauernhöfen aufwachsen und einer großen Vielfalt von Keimen ausgesetzt sind, haben das Problem deutlich seltener“, sagt Ege. Die molekularen Mechanismen dieses Prozesses sollen nun in weiteren Untersuchungen genauer entschlüsselt werden, mit dem Ziel, ein Medikament zu entwickeln, das den Bauernhof-Effekt im besten Fall für Stadtkinder nachahmt. Lesen Sie auch Bis dahin bleibt Eltern in der Stadt immerhin noch eine Alternative: Sie können sich ihren Kindern zuliebe einen Hund anschaffen. Eine Studie finnischer Forscher vom Institut für Gesundheit und Wohlfahrt in Helsinki sowie der Universitäten Kuopio und Ostfinnland zeigt, dass Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren Kontakt zu Hunden haben, gesünder sind als Kinder, die ohne ein solches Haustier aufwachsen. Lesen Sie auch Dieser positive Effekt ließe sich zumindest teilweise auf bestimmte Mikroben des Hundes zurückführen, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Pediatric Allergy and Immunology“. Die Artenvielfalt und Menge dieser Mikroben sei in Haushalten mit Hunden größer als in Haushalten ohne Hund. Kinder, die mit einem Hund aufwuchsen, so zeigte die Studie, entwickelten seltener Atemwegsinfektionen und mussten seltener mit Antibiotika behandelt werden. „Die Ergebnisse bestärken unser Verständnis davon, dass die mikrobielle Umgebung in der frühen Kindheit eine wichtige Rolle für die Entwicklung des kindlichen Immunsystems spielt“, sagt Jenni Mäki, Kinderärztin und Erstautorin der Studie. Neben der Darmflora des Hundes könnten aber auch andere Faktoren wie etwa ein aktiverer Lebensstil im Freien oder bestimmte Ernährungsgewohnheiten von Hundehaltern Einfluss auf die Entwicklung der kindlichen Abwehrkräfte haben.