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Weniger Glanz, weniger Geld: Branche besorgt um Reeperbahn Festival

Unterhaltung

Stand: 17.09.2026 18:07 Uhr

Vor 20 Jahren fand das erste Hamburger Reeperbahn Festival statt. Inzwischen lockt es bis zu 50.000 Besucher jährlich an. Am Mittwoch wurde die 21. Ausgabe eröffnet - mit weniger Konfetti als in den letzten Jahren, aber mit mehr Nachdenklichkeit und Diskurs.

von Mischa Kreiskott

Weniger Glanz, kaum Stars, alles ein bisschen kleiner. Die Eröffnungszeremonie des Reeperbahn Festivals ist vom großen Musicaltheater ins überschaubare Schmidts Tivoli umgezogen. Die Show, moderiert von Yasmine Blair, ist nachdenklich und reflektiert. 2026 ist nicht das Jahr der großen Discokugeln.

"Wir sind nicht nur eine Veranstaltung, die sich damit beschäftigt, was in Deutschland passiert, in der Musikrezeption", so Alexander Schulz, Gründer und Mitgeschäftsführer des Reeperbahn Festivals. "Da haben sich fundamentale Fragestellungen ergeben, durch technologische Entwicklungen, bei denen das gesamte künstlerische Schaffen in Frage gestellt wird."

Weimer streicht Millionen für das Festival

Derzeit wird der Etat des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer im Bundestag debattiert. Die Mittel für das Hamburger Reeperbahn Festival hat er um Millionen Euro gekürzt. So groß wie in diesem Jahr, könnte das Branchen- und Publikumsereignis künftig nicht mehr stattfinden. Bezeichnend: Statt eines Kulturvertreters oder gar des Ministers hat man in diesem Jahr einen Staatssekretär des Finanzministeriums zur Festivaleröffnung entsannt. Der verspricht, sich für das Festival einzusetzen. Man solle hoffen! Die Verhandlungen stehen aus.

Junges Publikum nicht mehr in Clubs

Neben der schwindenden öffentlichen Förderung gibt es weitere Probleme: Das junge Publikum bleibt eher zuhause, statt sich in den Clubs der Städte nach neuen Sounds umzuhören. Das Live-Erleben von Musik, das Eintauchen in sie, sei durch die Pandemie für eine ganze Generation nicht erlebt und gelernt worden, sagt Alexander Schulz.

"Man kann sie auch gemeinschaftlich erleben. Man hat eine multisensuale Wahrnehmung. Es hat einen sozialen Aspekt. All das haben bestimmte Jahrgänge über einen langen Zeitraum nicht gelernt. Dann die Entwicklung im Digitalen, bei der du in einen Song vielleicht reinhörst, aber dich gar nicht mehr mit dem Werk eines Künstlers auseinandersetzt." Das führe dazu, dass einige noch nie erlebt hätten, was Musik in einem auslösen kann, so Schulz.

"Musik ist Freizeitaktivität Nummer eins"

Auch das Reeperbahn Festival wirbt inzwischen mit Sonderangeboten für junge Menschen - ähnlich wie Opern- oder Konzerthäuser. Das Nachwuchsproblem in der Club- und Festivalkultur ist auch Thema in der Eröffnungsveranstaltung. Der Jugendforscher Kilian Hampel stellt bei der Diskussion zunächst klar: "Diese jungen Leute" gebe es nicht. "Sie sind total divers, haben verschiedene Interessen, hören verschiedene Musik."

Als Mitautor der Studie "Jugend in Deutschland" weiß er: Jung sein ist nicht nur die eine, es sind viele Möglichkeiten. Dabei gibt es einige statistische Gewissheiten: "Die Nummer eins Freizeitaktivität ist Musik. Musik spielt eine riesige Rolle. Aber nicht, weil es das Hobby für sich ist, sondern weil ich es mit meinen Freunden mache, mit meinen Eltern höre, beim Aufwachsen, weil ich es auf Social Media erlebe - deshalb ist Musik ganz relevant." Allerdings wird sie anders verbreitet und wahrgenommen - und oft von Automaten produziert. Mehrere aktuelle Studien zum Thema sagen: Ob Musik KI-generiert oder Menschen-gemacht sei, ist insbesondere für jüngere Hörer nicht entscheidend.

Entwicklungen der KI im Musikgeschäft

Anna Walton spricht auf der Bühne für den alternativen Streamingdienst Soundcloud. Sie sagt: KI-Musikgeneratoren seien nichts anderes als ein neues Instrument. "Oder wie eine Drum Machine damals, bei Drumcomputern oder Sample-Technik gab es eine große Skepsis des Publikums, als diese Methoden aufkamen. In meiner Vorstellung werden KI-Tools neue Formen von Musik von Künstlern und neue Ausdrucksmöglichkeiten schaffen, die wir jetzt noch gar nicht abschätzen können", meint Walton.

Aber wie entlohnt man die schöpferische menschliche Leistung, die hinter den großen statistischen Modellen steht? Wie unterscheiden zwischen Mensch und Maschine? All das sind offene Fragen. Es gibt viel zu diskutieren auf diesem nachdenklichen Branchentreffen.

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