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Wenn Aktienkurse fallen: Volatilität und die Angst der Anleger

Wirtschaft

Nervöse Anleger

Wenn die nackte Angst regiert

MeinungEine Kolumne von Daniel Saurenz

23.08.2026 - 07:27 UhrLesedauer: 4 Min.

Viele Anleger werden nervös, wenn die Kurse im eigenen Portfolio fallen. Das muss nicht sein.

Der August 2026 war im Vergleich zu den beiden Vorjahren am Aktienmarkt ruhig. Insbesondere bei US-Aktien erlebten die überteuerten Chip-Aktien bereits Ende Juni ihre Sommerkorrektur und entfernten sich weit von ihren Höchstständen. Die an den gängigen Börsenplätzen wie Gettex beliebten Basiswerte – von Nebius über SanDisk bis Marvell – verloren vom Top aus gesehen bis zu 50 Prozent, und auch der Börsenneuling SpaceX halbierte sein zwischenzeitliches Rekordhoch nahezu.

Am Gesamtmarkt ging diese Korrektur ebenfalls bei US-Technologieaktien nicht spurlos vorüber, doch im August zeigte sich die NASDAQ wieder robust. Noch besser erging es dem Dax, der ein neues Rekordhoch zauberte und dessen Aktien von Siemens über Siemens Energy bis zur wiederentdeckten SAP für Kurs-Levels nahe der 27.000-Marke sorgten.

Einhergehend mit den Kurserholungen blieben die Verkäufer Mitte August in Deckung, und so verzeichneten die Aktienmärkte am dritten Montag im August den umsatzschwächsten Handelstag seit vielen Jahren. Damit liegt die Volatilität auf dem tiefsten Level der vergangenen zwölf Monate. Gemessen wird die Angstneigung über die Volatilität in den Indizes VIX für US-amerikanische Aktien sowie VSTOXX für europäische Aktien und den VDax für Aktien aus dem deutschen Aktienindex.

Zur Person

Daniel Saurenz ist Gründer von Feingold Research und bietet mit seinem Team seinen seit 2010 etablierten Börsenbrief an. Sein Fokus liegt auf Vermögensaufbau und aktivem Trading an der Börse. Den Börsenbrief finden Sie auf www.feingoldresearch.de und auf www.instagram.com/saurenz_finance.

Alle Gastbeiträge von Daniel Saurenz lesen Sie hier.

Volatilität und die Angst der Anleger

Viele Anleger geraten in Panik oder werden zumindest nervös, wenn am Aktienmarkt die Kurse fallen. Frei nach einem Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder "Angst essen Seele auf" haben sie große Angst vor einem Kursverfall. Sie wünschen sich dann, rechtzeitig Absicherungen über sogenannte Put-Optionsscheine gekauft zu haben. Genau an diesem Punkt muss man einmal über die Volatilität sprechen.

Denn Volatilität ist für das Management eines Portfolios und eine Absicherung zur rechten Zeit unerlässlich. Viele Neulinge am Aktienmarkt können mit dem Begriff der Volatilität zwar etwas anfangen, die Dimensionen und der Einfluss auf die Preise von Absicherungen sind ihnen aber entweder fremd oder zum anderen schwer zu greifen. Aus diesem Grund kann man sich einmal mathematisch vor Augen führen, was es bedeutet, wenn Volatilitäten und damit die Angst am Aktienmarkt steigen.

Ab 30 Punkten wird der Markt nervös

Hierzu aber erst mal ein Vergleich: Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 sprang die Volatilität auf den höchsten Stand aller Zeiten und erreichte innerhalb eines bestimmten Handelstags im März 2020 sogar kurzfristig das Niveau von 100 Punkten. Zur Einordnung: Im langfristigen Vergleich notiert der VDax-NEW im Mittel bei 16 bis maximal 18 Punkten. Bei Notierungen des VDax unter 16 Punkten spricht man von einem extrem sorglosen Markt. Und ab einem Level von 30 Punkten spricht man aktuell von Nervosität.

Levels von 50 oder 80 oder gar 100 kommen ausgesprochen selten vor. Zu Zeiten der Lehman-Pleite im Jahr 2008 sah der VDax-NEW ebenso wie sein Pendant in den USA, der VIX, Notierungen um 80. Dieses Rekordhoch galt, wie gesagt, bis zur Corona-Pandemie 2020.

Kriege erhöhen die Volatilität

Während der Euro-Krise lag die Volatilität zeitweise um 50 und leicht darüber und auch bei temporären Crashes wie dem Beginn des Iran-Kriegs oder dem Beginn des Ukraine-Kriegs können Volatilitäten schnell Niveaus von 50 erreichen. Wie aber verhält sich der Preis eines Put-Optionsscheins und natürlich auch von Call-Optionsscheinen, je nachdem, wie stark die Volatilität sich entwickelt? Dazu hilft der Blick auf eine konkrete Wertpapierkennnummer. Präzise gesprochen geht es um die Nummer GV3PR6 und damit einen Dax-Put mit einer Basis von 26.000 Zählern und einer Laufzeit bis zum 19. März 2027.

Die implizite Volatilität dieses Scheins liegt Mitte August 2026 bei rund 16 Punkten und der Put-Optionsschein kostet elf Euro. Bedient man die gängigen Optionsscheinrechner, die beispielsweise Zertifikate-Emittenten wie Goldman Sachs anbieten, dann sieht man, dass schon bei einem Volatilitätsniveau von 20 der Preis des Optionsscheins um rund 25 Prozent steigen würde.

Portfolio absichern

Bei Volatilitäten über den VDax, abzulesen von 25 oder 30, erhöht sich nur aufgrund der Volatilität der Preis des Put-Optionsscheins schon um 50 respektive 95 Prozent. Steigt die Volatilität gar auf ein Crash-Level von 40, würde der Optionsschein nahezu das Dreifache kosten. Anhand dieser einfachen Rechnung können Anleger sich ausmalen, wie wichtig es ist, das Portfolio dann abzusichern, wenn Volatilität niedrig ist und die sogenannten Prämien am Boden sind. Man kann sich dies auch ganz einfach vorstellen. Wenn ein Ereignis schon eingetreten ist, wie beispielsweise der Beginn des Iran-Kriegs oder eskalierende Ölpreise oder ein Crash am Markt für US-Technologieaktien, dann ist die Volatilität am Markt bereits gestiegen und man zahlt entsprechend mehr für seinen Put-Optionsschein.

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Für Anleger gibt es neben der beschriebenen Absicherung mehrere Möglichkeiten, sich gegen Marktturbulenzen zu wappnen. Eine Option sind Aktien mit attraktiver Dividendenrendite. Im DAX liegt Mercedes Benz Group mit knapp acht Prozent an der Spitze.

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Wenn ein Sektor am Aktienmarkt zuvor stark gelaufen ist, folgt häufig eine Rotation in Bereiche, die zurückgeblieben sind. Im DAX zählt 2026 der Automobilsektor zu den schwächeren Branchen. Bei den Einzelaktien hinkt Rheinmetall nach einem starken Vorjahr nun hinterher.

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Absicherung, bevor die Volatilität steigt

Dazu verhält man sich prozyklisch und läuft dem Markt sprichwörtlich hinterher. Bezogen auf unsere Überschrift der aktuellen Kolumne bedeutet dies, dass man sein Portfolio mit Put-Optionsscheinen, sofern man denn absichern möchte, dann bestücken sollte, wenn gerade keiner über Optionsscheine auf fallende Kurse spricht und die Volatilitäten niedrig sind. Dann ist es wie bei einer Automobilversicherung.

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Die Autoversicherung ist dann günstig, wenn man jahrelang unfallfrei gefahren ist. Nachdem ein Unfall passiert ist, steigen die Prämien an und der Versicherer wird mehr aufrufen. Im Automobilsektor nennt sich dies Schadenfreiheitsklasse und am Aktienmarkt kann man dies ganz einfach über die Volatilität ablesen.

Kompakt bietet dies zum Beispiel der Derivate-Emittent UBS an, der auf seiner Homepage einen eigenen Volatilitätsmonitor eingerichtet hat. Wer bei Put-Optionsscheinen günstig und zur rechten Zeit unterwegs sein will, schaut sich diese Papiere also genau dann an, wenn alle ruhig und entspannt sind.

Verwendete Quellen

Eigene Meinung

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Der Artikel stellt keine Kauf- oder Anlageberatung dar. Auf Finanzanalysen von Dritten hat die t-online-Redaktion keinen Einfluss.

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