DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,00 % 52.337,04 Pkt 20:52:33 S&P 500 +0,18 % 7.676,85 Pkt 20:52:34 Nasdaq +0,67 % 26.181,99 Pkt 20:52:32 Nikkei -0,80 % 62.189,65 Pkt 07:45:03 Gold +0,44 % 4.025,40 USD 20:42:32 Silber -0,04 % 53,93 USD 20:42:32 Brent -0,74 % 110,87 USD 20:42:30 WTI -1,30 % 101,93 USD 20:42:25 Bitcoin -0,23 % 79.839,97 USD 20:52:32 EUR/USD -0,33 % 1,11840 USD 20:51:45 EUR/GBP +0,06 % 0,83760 GBP 20:52:34 EUR/CHF +0,55 % 0,92510 CHF 20:52:33 EUR/JPY +0,27 % 176,066 JPY 20:52:34

Wenn das Hirn nicht satt wird

Gesundheit

Lydia Schöwerling war schon als Kind dicker als ihre Geschwister. Dabei aßen alle in der Familie ähnlich. Sie selbst schwamm, machte Gerätesport und spielte Fußball, Badminton und Tischtennis. Trotzdem nahm sie „bei jedem Schluck Wasser weiter zu“, wie es die heute 50-Jährige formuliert. In der Schule wurde sie gehänselt, beim Mannschaftssport als Letzte gewählt.

Ihre Erfahrung lässt sich heute medizinisch besser erklären. Prof. Matthias Laudes, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und Direktor des Instituts für Diabetologie und klinische Stoffwechselforschung am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKHS), spricht von einer „Gen-Umwelt-Interaktionsstörung“. Vor 100.000 Jahren war es ein Überlebensvorteil, Energie zu speichern und Hungerperioden zu überstehen. Heute aber ist energiereiche Nahrung jederzeit verfügbar. „Unsere Gene sind sicherlich noch gleich, aber die Umwelt hat sich gravierend geändert“, sagt Laudes.

GEFANGEN IM „FOOD NOISE“

Fakt ist, dass sich das Körpergewicht nicht allein willentlich steuern lässt. Gehirn, Darm, Bauchspeicheldrüse und Fettgewebe kommunizieren über hormonelle und neuronale Signale und beeinflussen Hunger und Sättigung. Manche Menschen denken nahezu permanent ans Essen. „Food Noise“ heißt dieses Gedankenkreisen, und ständiger Hunger erschwert eine Ernährungsumstellung. Eine Folge kann sein: Das Gewicht nimmt stetig zu.

Dabei ist Übergewicht nicht gleich Adipositas, aber Übergewicht kann zu Adipositas werden: Bei Erwachsenen gilt ein Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis unter 30 als Übergewicht, ab 30 als Adipositas. Sie gilt als chronische, zu Rückfällen neigende Erkrankung und erhöht unter anderem das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Gelenkerkrankungen. Und sie grassiert: Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil der Erwachsenen mit Adipositas in Deutschland von 12,2 Prozent 2003 auf 19,7 Prozent 2023.

Neue Medikamentenwirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid setzen hier an. Sie ermöglichen teils erhebliche Gewichtsverluste. Prof. Laudes wehrt sich jedoch gegen das Bild von einer bequemen „Abnehmspritze“: „Diese Medikamente sind nicht da zum Abnehmen, sondern damit es den Patienten leichter fällt, ihren Lebensstil zu ändern.“ Wird die medikamentöse Therapie beendet, kann das Gewicht wieder steigen – auch deshalb muss Adipositas langfristig behandelt werden.

Veranlagung und Umwelt wirken bei Betroffenen schon früh zusammen. „Die Weichen dafür werden bereits in der frühen Kindheit gestellt, oft auch schon im Mutterleib“, sagt Prof. Susann Weihrauch-Blüher, Vizepräsidentin der DAG und Kinderendokrinologin an der Universitätsmedizin Halle. Sie verweist auf die „ersten 1000 Tage“ von der Empfängnis bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. In dieser Phase werden unter anderem Geschmackspräferenzen, Essgewohnheiten und Verhaltensmuster geprägt. Adipositas ist damit nicht vorprogrammiert: Vererbt werde vor allem die Veranlagung, leichter an Gewicht zuzunehmen.

»Adipositas tut weh, seelisch und körperlich.«

LYDIA SCHÖWERLING Adipositas-Betroffene

UNSERE LEBENSUMWELT IST „ADIPOGEN“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren