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Wenn die eigene Photovoltaik-Anlage zwangsabgeschaltet wird

Technologie

Eigentlich dachten sie bei der Spedition Greilmeier in Obertaufkirchen im Landkreis Mühldorf, sie hätten alles richtig gemacht. Sie haben rechtzeitig in Elektro-LKW investiert, in eine Riesen-Photovoltaikanlage auf dem Dach und einen Großbatteriespeicher. Um in der zweiten fossilen Energiekrise innerhalb weniger Jahre möglichst unabhängig von explodierenden Dieselpreisen zu werden.

Bayernwerk regelt statt Netzanschluss die ganze Solaranlage ab

Doch es gibt ein Problem: Gerade wenn besonders viel Sonne scheint, ist das Stromnetz oft überlastet. Und der Netzbetreiber Bayernwerk schaltet per Fernsteuerung die Solaranlage ab. "Was wir nicht verstehen", kritisiert Spediteur Christian Greilmeier: "Warum führt so eine Netzabschaltung dazu, dass unsere Kühlanlage und unsere E-LKW am eigenen Standort nicht den Strom unserer PV-Anlage nutzen können?" Denn der selbst verbrauchte Solarstrom würde das Gelände der Spedition ja gar nicht verlassen – und damit das öffentliche Netz nicht belasten.

Fehlende Digitalisierung: "Unvorstellbar"

Der technische Grund für dieses Ärgernis: Das Bayernwerk regelt direkt an den Wechselrichtern auf dem Dach ab - nicht erst am Netzanschluss. Christoph Strasser, dessen Unternehmen MaxSolar die Photovoltaik installiert hat, kennt das schon von anderen Kunden: dass Netzbetreiber den Eigenverbrauch gleich mit abschalten, weil sie es angeblich technisch nicht anders können. "Wir sehen das tagtäglich in allen Netzgebieten", beschreibt er: "Das Enttäuschende ist, dass diese fehlende Digitalisierung in einem Land wie Deutschland eigentlich unvorstellbar ist."

Analoge Technik aus den 1990er-Jahren

Das Bayernwerk teilt auf BR-Anfrage mit: Man sei im Prinzip ja willig, aber die nötige digitale Technik eben noch nicht flächendeckend ausgerollt. Bisher seien im gesamten Netzgebiet noch so genannte Funkrundsteuerempfänger verbaut. Dabei handelt es sich um eine Technik aus den 1990er-Jahren, die auf analoge Funksignale zurückgreift. Demzufolge kann laut Bayernwerk ein Fall wie bei der Spedition Greilmeier überall in dessen Netz auftreten, wenn es lokale Engpässe gibt.

Als Grund für das Hinterherhinken bei der Digitalisierung führt eine Bayernwerk-Sprecherin die komplizierte Gesetzeslage an: "Die aktuellen gesetzlichen Regelungen verfolgen unterschiedliche Steuerungslogiken und schaffen in der Praxis widersprüchliche Anforderungen. Das behindert den Rollout intelligenter Steuerungstechnik."

CSU-Landrat ruft bei CDU-Ministerin Reiche um Hilfe

Im Landkreis Mühldorf, wo viel Photovoltaik installiert ist, betrifft das Problem unterdessen immer mehr Firmen. Landrat Maximilian Heimerl (CSU) hat deswegen einen Brief geschrieben an die Bundeswirtschaftsministerin von der Schwesterpartei, Katherina Reiche (CDU). Sie möge bitte die Gesetze ändern: "Wir brauchen Vorfahrt für den Eigenverbrauch, weil das einfach nicht nachvollziehbar ist, dass die Unternehmen den Strom, den sie selber produzieren, nicht auch selbst nutzen dürfen", betont Heimerl.

Grüne fordern klarere Gesetze

So sieht das auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig. Er bekommt ebenfalls immer mehr Beschwerden auf den Tisch: von Unternehmen aus seinem Stimmkreis Ansbach, deren Solaranlagen vom dortigen Netzbetreiber N-Ergie zwangsabgeschaltet werden. Auch Stümpfig fordert klarere Gesetze: "Das muss das Bundeswirtschaftsministerium liefern. Bei der Frau Reiche bin ich da aber nicht so guter Dinge."

Reiche-Ministerium sieht keinen Änderungsbedarf

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks teilt Reiches Bundeswirtschaftsministerium mit, der Schutz des Eigenverbrauchs sei "grundsätzlich bereits nach geltendem Recht berücksichtigt". Sollten Unternehmen dennoch Probleme mit ihrem Netzbetreiber haben, könne "die Bundesnetzagentur diese Fälle gegebenenfalls überprüfen". Die BR-Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, von Netzbetreibern Strafzahlungen zu verlangen, wenn sie die Digitalisierung verschleppen, ließ der Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums unbeantwortet. Und auch der Mühldorfer Landrat Maximilian Heimerl hat nach gut einem Monat noch keine Antwort auf seinen Brief an Ministerin Reiche.

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