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Wer für die AfD in den Landtag einzieht

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Ex-Stasi-Offizier, Neonazi-Vergangenheit und Vorstrafen: Wer für die AfD in den Landtag einzieht

Von: Paula Völkner

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Die AfD zieht mit 39 Abgeordneten in den Magdeburger Landtag ein – unter ihnen ein Ex-Stasi-Offizier, mutmaßliche Neonazi-Netzwerker und ein Urkundenfälscher.

Magdeburg – Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD einen Rekordsieg eingefahren. 39 Abgeordnete aus dem als gesichert rechtsextrem eingestuften Landesverband ziehen in den Magdeburger Landtag ein. Bei einem Blick in die Biografien einiger künftiger AfD-Landtagsabgeordneter tut sich der ein oder andere Abgrund auf.

Frank-Ronald Bischoffs Vergangenheit hatte bereits vor der Landtagswahl für Ärger gesorgt, denn: Bischoff arbeitete zwischen 1977 und 1989 als Offizier im besonderen Einsatz für das Ministerium für Staatssicherheit. Wie die Bild-Zeitung berichtete, hatte Sachsen-Anhalts Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, den früheren Stasi-Offizier Bischoff zum Verzicht auf seine Landtagskandidatur für die AfD aufgefordert. Offensichtlich ohne Erfolg: Für die AfD gewann dieser im Wahlkreis Wernigerode das Direktmandat mit 37,9 Prozent der Stimmen.

Sachsen-Anhalt: Früherer Stasi-Offizier zieht für AfD in den Landtag ein

Bischoff sei als Stasi-Offizier für Bürger zuständig gewesen, die einen Antrag auf Ausreise aus der DDR stellten, hieß es im Bericht der Bild‑Zeitung. Er habe „vielen Menschen schweren Schaden“ zufügen können, sagte Beleites. „Viele Antragsteller verloren sofort ihren Arbeitsplatz, wurden überwacht, waren Zersetzungsmaßnahmen ausgesetzt oder wurden schlimmstenfalls sogar inhaftiert.“ Bereits bei der Bundestagswahl 2017 hatte Bischoff für die AfD kandidiert. Schon damals wurden aufgrund seiner Stasi-Tätigkeit Forderungen laut, dass er auf seine Kandidatur verzichten solle.

Durchsuchung bei mutmaßlichen Mitgliedern rechtsextremer Vereinigung – darunter AfDler Lansmann

Für Schlagzeilen sorgte kurz vor der Wahl auch der AfD‑Politiker Simon Lansmann. In fünf Bundesländern hatte die Polizei Objekte mutmaßlicher Mitglieder der verbotenen rechtsextremen Vereinigung „Artgemeinschaft“ durchsucht – darunter das Anwesen Lansmanns. Den Beschuldigten wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Halle vorgeworfen, die „Artgemeinschaft“ trotz eines bundesweiten Verbots fortgeführt zu haben. Lansmann bestreitet das.

Hintergrund der Durchsuchung bei Lansmann soll eine sogenannte Sonnenwendfeier im Juni 2026 gewesen sein, die der AfD‑Mann auf seinem Privatgrundstück in Gardelegen veranstaltet und als „privat“ deklariert hatte. Wie der Spiegel damals berichtete, soll die Polizei bei dem Fest die Zufahrt kontrolliert haben. Dabei sollen auch Gäste gesehen worden sein, die mit der „Artgemeinschaft“ in Verbindung gebracht werden. Bei dem Treffen sollen zudem Zeremonien mit Tierhörnern abgehalten und Lieder der „Hitlerjugend“ gesungen worden sein, was an Rituale der „Artgemeinschaft“ erinnerte.

Die „Artgemeinschaft“ wurde 2023 vom Bundesinnenministerium verboten. Verfassungsfeindlich ist der Verein aus Sicht des Bundesinnenministeriums vor allem wegen seiner rassistischen Ideologie. Die Bewegung verbreite unter dem Deckmantel eines pseudoreligiösen germanischen Götterglaubens ein gegen die Menschenwürde verstoßendes Weltbild. Zentrales Ziel sei die Erhaltung und Förderung der eigenen „Art“, was mit dem nationalsozialistischen Begriff der „Rasse“ gleichzusetzen sei.

Seit Jahren in der rechtsextremen Szene vernetzt: AfD-Politiker Koch holt Direktmandat

Betroffen von der Durchsuchung kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war auch Sebastian Koch, der ebenfalls bei Lansmanns Sonnenwendfeier anwesend war. Auch Koch bestritt jede Nähe zu der Organisation. Der AfD-Mann ist seit Jahren in der rechtsextremistischen Szene vernetzt, wie Correctiv berichtet.

Bereits 2009 habe er bei einer Sonnenwendfeier der rechtsextremen NPD teilgenommen und organisiere zudem „Sommerfeste“ im sachsen-anhaltischen Roxförde als Vernetzungstreffen für die rechtsextreme Jugend. Wie der Spiegel berichtet, soll er seine politische Laufbahn in einer Neonazi-Kameradschaft begonnen haben. Für die AfD wird er nun im Magdeburger Landtag sitzen: Bei der Sachsen-Anhalt-Wahl holte der AfD‑Politiker mit 41,5 Prozent das Direktmandat im Wahlkreis Gardelegen-Klötze.

Urkundenfälscher, Ex-Pornodarsteller und verurteilt wegen Diebstahls: Rau zieht für AfD in Landtag ein

Mit 48,1 Prozent der Erststimmen wurde auch der AfD-Kandidat Phillipp-Anders Rau direkt in den Landtag gewählt. Wie etwa der MDR berichtete, hatte sich Rau 2012 mit einem gefälschten Abiturzeugnis einen Studienplatz an der Hochschule Magdeburg-Stendal erschlichen: Statt seines tatsächlichen Notendurchschnitts von 3,5 wies das gefälschte Zeugnis eine 1,0 aus. Die Hochschule exmatrikulierte ihn später wegen arglistiger Täuschung. Für die Urkundenfälschung wurde er 2017 zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem soll Rau an Pornoproduktionen mitgewirkt haben, wurde wegen Diebstahls verurteilt und räumte vor Gericht eine frühere Kokainabhängigkeit ein.

CDU-Politiker über AfD-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt: „Von braun bis kriminell ist alles dabei“

Ein Kommentar zu den Biografien der künftigen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt kommt unter anderem aus der CDU. So repostete Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels, auf der Online-Plattform X eine Auflistung einiger künftiger Abgeordneter inklusive stichpunktartiger Biografie mit den Worten: „Von braun bis kriminell ist alles dabei. Auch ne Art von Volkspartei Charakter.“ Der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann schrieb zu der Liste, versehen mit einem Zwinker-Smiley: „Wer glaubt, die AfD sei eine ‚normale‘ Partei, sollte sich ansehen, wer gerade gewählt wurde: ehemalige Neonazis, ein verurteilter Fälscher, zwei Pornoproduzenten, diverse Putin-Bewunderer – und sogar ein ehemaliger hauptamtlicher Stasi-Offizier. Deutschlands Zukunft!“

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