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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Maro Engel

Sport

Liebe Leserinnen und Leser, viele haben vor dem Nürburgring-Wochenende gesagt, dass Maro Engel den DTM-Titel nur noch abholen muss. Durch Mirko Bortolottis Disqualifikation wuchs der Vorsprung des Mercedes-AMG-Routiniers auf Verfolger Nicki Thiim von 21 auf 25 Punkte an, was sechs Rennen vor Schluss einen Vorteil von einem Sieg bedeutete. Und Engel, dessen Konstanz ohnehin bekannt ist, erweist sich dieses Jahr in bestechender Form. Doch dann schlug bei ihm ausgerechnet in der Eifel, wo er wenige Monate davor Max Verstappen gekonnt herausforderte und das 24h-Rennen gewann, der Blitz ein! Engel schoss nach dem Start in der zweiten Kurve seinen AMG-Markenkollegen Lucas Auer ab, der ebenfalls noch um den Titel kämpft. Auers Landgraf-Mercedes blieb sofort liegen, Engel humpelte mit kaputtem Splitter und einem Reifenschaden rechts vorne zurück an die Box und musste abstellen. Mit seiner Aktion brachte er die Marke AMG, die seit 2021 einem Fahrertitel in der DTM nachläuft, Markenkollege Auer, sein Winward-Team, aber vor allem sich selbst in eine äußerst ungünstige Lage. Engel macht mit AMG-Crash ausgerechnet Erzfeind Preining stark Denn Engel wird in zehn Tagen 41 Jahre alt. Wer weiß, wie viele Chancen der Wahlmonegasse in seiner Karriere noch erhalten wird, den großen Traum vom DTM-Titel zu verwirklichen? Dieses Jahr sind die Vorzeichen perfekt - und in zwei Jahren kommt laut Plan der GT3-Nachfolger von Mercedes-AMG. Was ein Modellwechsel bedeuten kann, erlebt gerade Lamborghini. Durch den markeninternen Crash hat Engel ausgerechnet Erzfeind Thomas Preining stark gemacht. Zwischen dem ehrgeizigen Österreicher und Engel herrscht offenbar seit fast fünf Jahren Eiszeit. Und jetzt liegt Preining vier Rennen vor Schluss in der Gesamtwertung nur noch einen Punkt hinter ihm. Der "Grello"-Pilot hat seit seiner Rücktrittsdrohung am Norisring Blut geleckt, wie ein Sieg, ein zweiter Rang und zwei dritte Plätze beweisen. Und als nächstes steht der Sachsenring auf dem Programm, wo der Porsche im Vorjahr dominierte. Engel wird für die Auer-Kollision von den Sportkommissaren mit einer Rückversetzung um drei Startplätze bestraft - auf einer Strecke, auf der man kaum überholen kann. Mental nicht gerade ein Wunschszenario, zumal der Druck ohnehin schon enorm ist. War Engel übermotiviert? Aber war Engel am Sonntag bei der folgenschweren Aktion übermotiviert? Gut möglich, denn der Start von Platz fünf verlief nicht ganz optimal - und der Winward-Pilot musste seine Position zunächst gegen den späteren Sieger Marco Wittmann verteidigen, der links neben ihm war. Dass er Auer absichtlich rammte, damit sich Mercedes-AMG im Titelkampf auf ihn konzentrieren muss, darf ausgeschlossen werden. Denn Engel und Auer, der 24 Punkte hinter dem Markenkollegen liegt, teilen sich in der GT-World-Challenge Europe ein Auto und sind seit Jahren ein Duo. Außerdem: Was hätte Engel davon? Auch sein Bolide war nach dem Crash aus dem Rennen. Es sieht so aus, als hätte sich der AMG-Pilot bei der Anfahrt zur zweiten Kurve mit den noch kalten Reifen verschätzt, was den Grip angeht. Sein Bolide bekam Untersteuern - und er rutschte in Auers Landgraf-Mercedes, der auf einer anderen Linie von rechts kam. AMG-Stärke am Sonntag: Hat Engel Elfmeter vergeben? Warum der erste Ausfall Engels seit einem Jahr zusätzlich schmerzt? Das liegt an der hervorragenden Ausgangslage vor dem Rennen. Denn nach der bärenstarken Fahrt am Samstag mit 20 Kilogramm Erfolgsballast zu Platz sechs direkt hinter Auer war Engels Auto beim Sonntagsrennen um satte 40 Kilogramm leichter, weil auch noch die Balance of Performance (BoP) geändert wurde! Das sind vier Zehntel pro Runde. Und wie schnell der Mercedes-AMG GT3 am Sonntag war, bewiesen Winward-Teamkollege Jules Gounon mit dem Rundenrekord im Qualifying und Landgraf-Underdog Tom Kalender mit Platz zwei im Rennen. Hatte Engel also bereits einen Elfmeter im Titelkampf? Ein Podestplatz wäre sicher drin gewesen. Auch wenn sich Engel entschuldigte und den Fehler zugab, ist der Schaden nun angerichtet. Denn seit Engels Sieg beim Saisonauftakt auf der AMG-Angststrecke Red-Bull-Ring macht es den Anschein, als könnte 2026 das Jahr von Mercedes-AMG werden. Warum AMG eigentlich dieses Jahr den Titel holen muss Während viele Hersteller Evo-Pakete oder neue Autos brachten, war dei Marke mit dem Stern mit dem alten Mercedes-AMG GT3 von Anfang an aussortiert. Als einzige Marke hat man seit Monaten im Titelkampf zwei Eisen im Feuer. Die BoP ist diese Saison mit wenigen Ausnahmen durchgehend günstig für den Mercedes-AMG GT3. Und der neue DTM-Spezialreifen, der etwas schneller als sein Vorgänger auf Temperatur kommt, harmoniert gut mit dem reifenschonenden Boliden. Und offenbar auch mit Engel, denn mit seinem sanften Fahrstil brachte der Sohn eines Modeschöpfers nicht immer genügend Energie in den bis 2025 in der DTM genutzten DHG-Reifen von Pirelli. Das ist eine mögliche Erklärung dafür, dass Engel dieses Jahr seine bisherige Qualifying-Schwäche in der DTM komplett abgelegt hat. Die andere Erklärung? Engel arbeitet so hart wie kaum ein anderer Pilot - und hat im Winter gemeinsam mit seinem portugiesischen Renningenieur Mauricio Moreira intensiv die Daten studiert, um sich zu verbessern. "Wir erleben den besten Maro aller Zeiten", ist ein Kenner aus dem AMG-Umfeld überzeugt. Helfen Tipps von Kumpel Nico Rosberg? Doch jetzt steht Engel vor dem ultimativen Härtetest. Im Jahr seiner großen Triumphe in Bathurst und vor allem auf der Nürburgring-Nordschleife muss er den DTM-Fauxpas so schnell wie möglich aus dem Kopf kriegen. Schon in zwei Wochen sitzt er wieder auf dem Nürburgring im Winward-Mercedes - und teilt sich das Auto in der GT-World-Challenge Europe ausgerechnet mit Auer. Eine gute Gelegenheit, um die Ereignisse hinter sich zu bringen - und sich neu auszurichten. Denn in der DTM wartet mit Preining und Manthey der ultimative Endgegner. Das Porsche-Topteam hat, wenn es ans Eingemachte geht, meistens noch ein Ass im Ärmel. Das musste AMG bereits im Vorjahr bei der Niederlage gegen Ayhancan Güven leidvoll miterleben.

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