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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Maverick Vinales

Sport

Liebe MotoGP-Fans, das Sachsenring-Wochenende war mit einem neuen Besucherrekord von rund 261.000 Fans wieder ein ganz großes Fest. Es seid ihr Fans, die dieses Event zu etwas ganz Besonderem machen und damit das Rennen auch für die Zukunft fest im Kalender verankern. Zu Beginn unserer traditionellen Montagskolumne muss ich erneut Marco Bezzecchi gute Besserung wünschen. Es ist kaum zu glauben, wie seine Saison nach dem grandiosen Heimsieg in Mugello auseinandergefallen ist. Wäre es ein Hollywood-Film, würde man nicht glauben, was seither alles bei ihm passiert ist. Aber wie Marc Marquez betont hat: Karma gibt es nicht. Es ist eher so: Wenn es plötzlich nicht läuft, kommt auch noch Pech hinzu. Hoffentlich erholen sich jetzt alle gut in der Sommerpause, damit wir in der zweiten Saisonhälfte einen tollen WM-Kampf sehen. So offen wie jetzt war es schon lange nicht mehr. Und wie wir bisher gesehen haben, kann alles passieren. Nicht Teil des WM-Kampfs und nicht Teil der großen Party auf dem Sachsenring war Maverick Vinales. Nun ist endgültig besiegelt, dass er im nächsten Jahr nicht mehr in der MotoGP fahren wird. Nach den jüngsten medial ausgetragenen Wortgefechten ist das Band zwischen ihm und KTM endgültig zerschnitten. Es ist auch nachvollziehbar, dass Günther Steiner mit seinem Team einen frischen Start, einen Neuanfang machen möchte. Letztlich hat Steiner alle gültigen Verträge von Herve Poncharal für dieses Jahr übernommen. Jetzt arbeitet er daran, das Tech3-Team für die Zukunft neu aufzustellen und nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Das ist ganz logisch. Der Sachsenring als Schicksalsort für Vinales Wie es zwischen KTM und Vinales vertraglich genau war, wissen nur diese beiden Seiten, denn selbst Steiner hat gesagt, dass er den Vertrag nicht gelesen hat. Er hält sich heraus und das tue ich genauso. Für Vinales ist es natürlich extrem bitter, dass die Schulterverletzung, die er sich genau vor einem Jahr beim Sturz am Sachsenring zugezogen hat, letztlich seine MotoGP-Karriere beenden wird. Bitter ist es deshalb, weil es die erste ernsthafte Verletzung in seiner Karriere war. Schulterverletzungen sind bei Motorradfahrern sehr heikel. Er ist nicht der erste Fahrer, dessen Karriere dadurch beendet wurde. Dazu kommt, dass die KTM körperlich sehr anstrengend zu fahren ist, vielleicht am anspruchsvollsten von allen Marken im Feld. Das hat uns am Sachsenring auch Vinales' Teamkollege Enea Bastianini bestätigt. Dazu mussten die KTM-Fahrer am Sachsenring mit massivem Untersteuern kämpfen. All das zusammen sorgte mit der persönlichen Enttäuschung von Vinales über sein Karriereende dafür, dass er mit Rückstand als Letzter fuhr. Ich finde, Pit Beirer hatte bei seinen Aussagen zur ganzen Causa einen validen Punkt. Er meinte, sie würden jetzt seit einem Jahr darauf warten, dass Vinales wieder fit wird. Das zeigt, dass sie an das Talent glauben, das er zweifellos hat. Denn bis zum Sturz vor einem Jahr war er die Referenz bei KTM. Vinales war besser als Pedro Acosta. Und natürlich wäre ein fitter Vinales ein Kandidat für den Platz im Werksteam, als Acosta seine Absicht mitteilte, zu Ducati zu wechseln. Aber mit Blick auf die Zukunft ist es für einen Verantwortlichen eine schwierige Sache, jemandem einen Zweijahresvertrag zu geben, wenn man nicht weiß, ob und wann der Fahrer überhaupt körperlich wieder fit sein wird. Ich meine, Marc Marquez wollte seinen Ducati-Vertrag zunächst nur um ein Jahr verlängern, weil er sich Sorgen um seinen rechten Arm machte. Ducati wollte ihn zwei Jahre binden und Marquez stimmte schließlich doch zu. Als Verantwortlicher kann man bei jemandem wie Marquez dieses "Risiko" eingehen, aber Vinales ist eben kein Marquez, auch wenn er großes Talent hat. Wir wissen alle, dass er an seinem Tag jeden besiegen kann. Nur kamen diese Tage selten. Vinales sagt selbst den Kernsatz seiner Karriere Das zeigt einmal mehr, dass Talent alleine keinen großen Champion macht. In den vergangenen Tagen hat Vinales eine Aussage getroffen, die, wie ich finde, den Knackpunkt seiner Karriere genau auf den Punkt bringt. "Das Problem sind die Teams, die mich bis ans absolute Limit pushen. Mit den Dingen, mit der Entscheidung. Sie wissen sehr genau: Wenn ich das Gefühl habe, dass das Team das Maximum für mich gibt, ich tausend Prozent für das Team gebe." "Aber sobald man mich zur Seite stellt, ist das für mich vorbei. Ich muss das Gefühl haben, dass ich für das Projekt und für das Team von Wert bin." Wenn wir auf seine Karriere zurückblicken, dann ist das ein entscheidender Faktor. Als Vinales als aufstrebender Star von Suzuki zu Yamaha wechselte, um die Nachfolge von Jorge Lorenzo anzutreten, gewann er gleich die ersten beiden Rennen. Alles schien für ihn als kommender Weltmeister angerichtet zu sein. Aber dann geriet das ganze Rad ins Stocken. Lin Jarvis unternahm alles, damit sich Vinales wohlfühlt, inklusive Crewchief-Wechsel und personeller Änderungen. Jarvis hielt an Vinales fest, weil nicht nur er das grundsätzliche Talent sah. Ich glaube, bei Yamaha kam es 2021 zum endgültigen Bruch, als man Fabio Quartararo ins Werksteam holte. Beim Saisonauftakt in Katar holte sich Vinales mit einer starken Performance den Sieg. Er zeigte das, was man von ihm erwartet. Doch dann riss Quartararo das Zepter an sich und stellte Vinales immer mehr in den Schatten. Dass Quartararo nun das Wunderkind bei Yamaha war und nicht mehr Vinales, hat, glaube ich, zu dem unrühmlichen Bruch in Spielberg geführt. Aber er erhielt von Aprilia und Massimo Rivola eine neue Chance. Es dauerte lange, bis Vinales bei diesem Markenwechsel konkurrenzfähig wurde. Aber Rivola vertraute auf sein Talent und hielt ihm die Stange. Als dann in Mugello 2024 plötzlich Jorge Martin an die Aprilia-Tür klopfte, war es zu diesem Zeitpunkt die absolut richtige Entscheidung von Rivola, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um mit Martin einen Vertrag zu schließen. Ich kann mich noch gut an den verregneten Montagstest in Mugello erinnern, als im Hintergrund Rivola und Martin den Vertrag besiegelten. Zu diesem Zeitpunkt ging er davon aus, dass die Fahrerpaarung 2025 Vinales und Martin heißen würde. Als Vinales an jenem Montagnachmittag ins Media Center zu seiner Interviewrunde kam, sagte er, dass er nach dem Rücktritt von Aleix Espargaro "nicht der neue Captain" von Aprilia sein will. Ich konnte damals nicht glauben, was ich da hörte. Aprilia hatte Vinales eine zweite Chance ermöglicht, ihm Eingewöhnungszeit gegeben. Kurz zuvor hatte der Sieg in Austin gezeigt, was möglich war. Aprilia war auf dem Weg an die Spitze und Vinales sollte Teil davon sein. Aber er wollte scheinbar nicht der Teamleader sein und vermutlich hat die Verpflichtung von Martin an seinem Ego gekratzt. Man erkennt ein Muster. Vinales klopfte deshalb bei KTM an die Tür. Wenn zu diesem Zeitpunkt plötzlich Fahrer wie Vinales und Bastianini anklopfen, dann musst du sie nehmen. Das war damals von Beirer die absolut richtige Entscheidung. Er war sich auch bewusst, dass Vinales ein sensibler Fahrer ist. Und man hat alles versucht, damit er sich wohlfühlt. Zum Beispiel engagierte KTM auch seinen Crewchief Manu Cazeaux von Aprilia, der ein wichtiger Vertrauter für Vinales ist. Bis zu dem verhängnisvollen Sturz am Sachsenring-Wochenende vor einem Jahr hat sich auch alles wunderbar entwickelt. Dass es nun in einer Schlammschlacht ausartete, ist ein unrühmliches Ende. Von Vinales bleibt, dass er in seiner Karriere aus seinem Talent zu wenig gemacht hat. An seinem Tag war er unschlagbar und konnte auch einen Marquez in Höchstform besiegen. Nur leider hatte er diese Tage nur selten. Euer

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