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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Yamaha

Sport

Liebe MotoGP-Fans,

zunächst möchte ich Pedro Acosta ganz herzlich zu seinem ersten Sieg gratulieren! Das war ein ganz wichtiger Meilenstein für ihn, und beim Heimrennen in Spielberg für KTM ein ganz besonderes und wichtiges Erfolgserlebnis.

Acosta war das ganze Wochenende der schnellste Fahrer. Er hat demonstriert, dass er als Fahrer den entscheidenden Unterschied machen kann. KTM hat seit eigentlich Silverstone ein Paket gefunden, womit er sein Talent entfalten kann.

Der Sturz im Sprint war im Endeffekt ein unnötiger Fehler. Wenn Acosta das auch am Sonntag vergeigt hätte, dann hätte er sich natürlich selbst für unsere traditionelle Montagskolumne nominiert.

Aber er hat die Nerven behalten und das großartig umgesetzt. Das sind die Qualitäten, die er im nächsten Jahr auch immer zeigen muss, wenn er sich mit Marc Marquez bei Ducati auf demselben Motorrad beweisen will.

Auf die rückläufigen Zuschauerzahlen möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Mit diesem Trend habe ich mich schon in den vergangenen beiden Jahren in unserer Montagskolumne beschäftigt. 2027 wird das Rennen wieder im August stattfinden.

Stattdessen möchte ich heute auf Yamaha blicken, denn Spielberg war wohl das mit Abstand schwierigste Wochenende in diesem Jahr. Der Frust, die Ratlosigkeit und die Enttäuschung standen den vier Fahrern an allen Tagen ins Gesicht geschrieben.

Die bittere Realität ist, dass Yamaha in Österreich keinen einzigen WM-Punkt sammelte. Fabio Quartararo konnte zwar am Freitag mit Platz zehn und dem direkten Q2-Einzug ein Wunder schaffen.

Aber der Grand Prix zeigte schonungslos auf, wo Yamaha steht: Mit Abstand am Ende des Feldes. Quartararo sah mit einer halben Minute Rückstand als 17. die Zielflagge. Seine drei Kollegen waren noch weiter hinten.

Alex Rins brachte es nach dem Rennen auf den Punkt. Er meinte, das Wochenende auf dem Red-Bull-Ring war ein genaues Abziehbild vom vergangenen Jahr. Damals ist Yamaha noch mit dem bewährten Reihenvierzylinder gefahren.

Aber mit dem neuen V4 war es genauso katastrophal. Warum? "Genau diese Frage habe ich dem Team auch gestellt", sagte Rins. "Ehrlich, ich habe sie schon am Freitag gefragt."

"Ich hatte erwartet, dass es ein hartes Wochenende wird, und habe sie gefragt, warum wir mit einem komplett neuen Motorrad genau dieselben Probleme haben." Konkrete Antworten hat er nicht erhalten.

Warum Yamaha in Spielberg so große Probleme hatte

Yamaha hatte in Spielberg mit der härteren Karkasse des Hinterreifens extreme Schwierigkeiten. Sobald die Fahrer am Kurvenausgang das Motorrad aufgerichtet haben, fing der Hinterreifen an, durchzudrehen.

Und wenn der Michelin-Reifen anfängt, auf der Geraden durchzudrehen, dann hört er nicht mehr auf. Seit dem Freitagstraining versuchten die Ingenieure, mit der Elektronik eine Lösung zu finden, aber ohne Erfolg.

Auch Ducati hatte mit dieser speziellen Reifenkonstruktion Schwierigkeiten, deutlich größere als im Vorjahr. Bei Ducati könnte eine Rolle gespielt haben, dass die Asphalttemperatur deutlich kühler war als im vergangenen Jahr im August.

Diese Gesamtsituation hat Ducati die Chance gekostet, um den Sieg und das Podium zu kämpfen, aber andererseits war Yamaha in Spielberg meilenweit davon entfernt, aus eigener Kraft überhaupt einen WM-Punkt zu sammeln.

Ist das V4-Projekt wirklich eine Vollkatastrophe?

Ich finde, wir müssen dieses neue V4-Projekt von Yamaha in seiner Allgemeinheit betrachten. Ja, Spielberg war eine Katastrophe. Das gehört zu so einem komplett neuen Projekt auch dazu.

Für Yamaha ist jede Strecke in diesem Jahr komplettes Neuland. Man fängt mit einem weißen Blatt Papier an. Alle Daten und Erfahrungen aus den vergangenen 24 Jahren sind nicht mehr brauchbar.

Meiner Meinung nach müssen wir dieses Projekt realistisch betrachten und einordnen. Je nach Strecke und Bedingungen hat Yamaha Pi mal Daumen rund eine Sekunde Rückstand. Ich finde, das ist für ein neues Projekt respektabel.

Denken wir an die beiden Ducati-Jahre von Valentino Rossi zurück. Da kam er auch oft mit einer halben Minute Rückstand ins Ziel. Damals war das aber noch ein sechster Platz und vielleicht gelang mit einem glücklichen Rennverlauf ein Podium.

Bei dem hohen Niveau heute gibt es so etwas nicht mehr. Die erste Ducati nach den Ideen von Gigi Dall'Igna 2015 war auch weit hinter der Spitze. KTM und Aprilia lagen in ihrem ersten MotoGP-Jahr weiter zurück, als es Yamaha jetzt ist.

Ich finde, man sieht bei der neuen V4-Yamaha auch ab und zu Potenzial. Silverstone ist die längste Strecke im Kalender und eine Power-Strecke. Jack Miller hatte im Freitagstraining eine Sekunde Rückstand und war Neunter. Das ist respektabel!

In Aragon kämpfte Miller im Rennen um Platz zehn. Und das MotorLand ist eine technisch sehr anspruchsvolle Strecke. Bemerkenswert war in Aragon die Liste mit den besten gemessenen Topspeeds.

Marc Marquez war auf der einen Kilometer langen Geraden das sechstlangsamste Motorrad, gleich langsam wie Toprak Razgatlioglu. Wir haben gesehen, dass Marquez das Aragon-Wochenende dominiert hat. Topspeed ist also nicht alles.

Ein richtiges Lernjahr für Yamaha

Ich habe mich in Spielberg lange mit Yamaha-Teammanager Massimo Meregalli unterhalten. Er sagt auch, dass er Licht am Ende des Tunnels sieht, wenn man diese Highlights heraussucht. Aber dann gibt es wieder diese schwierigen Tage.

Beim Motor fehlt Yamaha die Power im fünften, sechsten Gang. Die Beschleunigung ist okay. In Aragon war zu sehen, dass die Yamaha-Fahrer erst am Ende der langen Geraden überholt wurden.

Wenn es dann aber wie in Spielberg mit dieser speziellen Karkasse keinen Grip am Kurvenausgang gibt, dann ist man verloren. Auch mit der Elektronik konnten die Ingenieure nichts mehr kompensieren.

Außerdem ist der Spritverbrauch über die Renndistanz ein Problem. Also beim Motor, und das sagt Yamaha auch offen, müssen sie noch viel arbeiten, um ein konkurrenzfähiges Triebwerk auf die Beine zu stellen.

Beim Gesamtkonzept, also mit Gewichtsverteilung, Chassis-Flex, Schwinge, Elektronik, Aerodynamik, ist es einfach ein Lernjahr. Wie gesagt, für Yamaha ist jede Strecke ein weißes Blatt Papier.

Yamaha ist noch nicht in der Moderne angekommen

Die neuen 850er-Motorräder werden natürlich etwas anders sein, aber vom Grundkonzept auch nicht wieder komplett anders. Für die Konkurrenz sind die aktuellen Maschinen die grundsätzliche Basis für die neuen Motorräder.

Deshalb konnte Yamaha nicht mehr mit dem Reihenvierzylinder-Konzept in diesem Jahr weitermachen, denn dann hätte man 2027 mit einem weißen Blatt Papier begonnen. So hat man jetzt schon mal ein grundsätzliches Lernjahr.

Aber es wird lange dauern, bis Yamaha wieder konkurrenzfähig wird. Honda hat mit dem Abschied von Marc Marquez die Alarmglocken endgültig schrillen gehört und seither im Hintergrund viel in Bewegung gesetzt.

Yamaha hat sich auch bewegt, aber nicht wesentlich. Ich gebe euch zwei Beispiele. Honda nimmt die Gespräche zwischen Fahrern und Ingenieuren auf und überträgt sie zu den Ingenieuren nach Japan, die damit viel näher dran sind.

2026 ist so etwas ja keine große Kunst mehr. Yamaha macht das nicht, sondern schickt wie seit über 20 Jahren schriftliche Berichte nach Japan. So hat das Honda früher auch gemacht, aber jetzt eben nicht mehr.

Ducati hat zum Beispiel in der Fabrik in Borgo Panigale ein Büro eingerichtet, wo eine Handvoll Ingenieure von daheim aus bei der Datenanalyse unterstützen können. Auch das ist 2026 eigentlich keine Hexerei mehr.

Ich habe Meregalli gefragt, ob Yamaha das mittlerweile auch macht. Er verneinte und führte auch Kosten als einen der Gründe an. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Yamaha immer noch nicht in der Gegenwart angekommen ist.

Der Schritt zum V4 war mutig und richtig. Man sieht immer wieder Anzeichen von Potenzial. Für ein neues Projekt ist es meiner Ansicht nach keine Vollkatastrophe, wenn man es mit anderen neuen Projekten der Vergangenheit vergleicht.

Welcher Hersteller mit den vielen Änderungen für 2027 das beste Motorrad bauen wird, ist ein Blick in die Glaskugel. Ich würde mich aber aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass Yamaha auch im nächsten Jahr das Schlusslicht sein wird.

Euer

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