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Wer so isst, wird gesund. Experte: Aber vielleicht unglücklich

Gesundheit

Dieser Tage kommt die erste Abnehmpille mit dem Wirkstoff der Abnehmspritze Wegovy in die Apotheken. Aber diese Optionen sind teuer, teils kompliziert und oft nicht nachhaltig. Die Mehrheit jener, die ihren Bauchumfang reduzieren sollten – und das sind mindestens 19 Prozent der Deutschen –, muss die Ernährungsweise umstellen. Zu der Frage, was der beste Weg zum gesunden Normalgewicht ist, erschien jetzt im Fachjournal „Cell Metabolism“ eine kleine, aber feine Studie.

Die Studie bestätigt, dass übergewichtige Menschen, die sich mit Bedacht ernähren und bei den Kalorien Maß halten, Gewicht abbauen. Am meisten jedoch profitieren der Stoffwechsel und in weiterer Folge das Herz-Kreislauf-System, wenn man auf Fett und Proteine setzt. Das Risiko, einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln, lässt bei fettreicher Kost am häufigsten nach, ebenso die gefährliche Tendenz zu einer Verfettung der Leber.

Schlanker wurden alle Probanden

Die Wissenschaftler um den Mediziner Max Petersen von der Washington University verordneten 42 Probanden für vier bis fünf Monate drei unterschiedliche Ernährungsweisen. Alle Probanden waren übergewichtig und prädiabetisch, wiesen also unter anderem schlechte Blutzucker- und Leberwerte auf. Eine Gruppe aß nun so, dass die Kalorien zu etwa 73 Prozent von Fett kamen. Eine Gruppe ernährte sich mediterran mit einem knapp 50-prozentigen Anteil von Kohlenhydraten und eine bezog 70 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten, vor allem pflanzlicher Herkunft, etwa Vollkornbrot und Hülsenfrüchten.

Wegen der kontrollierten Kalorienaufnahme hatten die Teilnehmer aller drei Gruppen am Ende Gewicht verloren, zehn Prozent im Durchschnitt. Während sich aber bei jedem Zweiten mit hohem Fettkonsum die Blutwerte so weit verbessert hatten, dass er nach den vier bis fünf Monaten nicht länger als prädiabetisch galt, war dies bei nur 29 Prozent aus der Mittelmeer-Gruppe und bei nur sieben Prozent aus der kohlenhydratebetonten Gruppe der Fall. Ähnliche Unterschiede zeigten sich bei den Leberwerten und beim Blutzucker.

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Weil einfache Kohlenhydrate, darunter Weißbrot, den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen, legen Ernährungsexperten seit Langem ein Veto gegen sie ein. Die Studie unterstreicht diesen Low-Carb-Rat. Ihre Konstruktion lässt aber Fragen nach ihrer Zuverlässigkeit offen, denn es gibt bei den kohlenhydratreichen Lebensmitteln ebenso bessere und schlechtere wie bei den fettreichen.

Hans Hauner, Senior-Professor für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, hat die Veröffentlichung für FOCUS kritisch gelesen. Sein Urteil fällt zunächst positiv aus. Er kenne und schätze die amerikanische Arbeitsgruppe. Die Studie sei „gut gemacht“.

Weil die fettbetonte Gruppe nur vier Prozent ihrer Kalorien aus Kohlenhydraten aufnehmen durfte, wirft Hauner allerdings die Frage auf, wie viele Menschen auf Dauer diese Ernährungsweise durchhalten würden. Dass das nur selten der Fall sei, hätten Untersuchungen der auch „ketogen“ oder Atkins-Diät genannten, extremen Low-Carb-Ernährung bewiesen.

Für Hauner und viele andere Experten liegt die Wahrheit mehr in der Mitte. Und da steht, wenn man die drei Ernährungsformen aus der Studie der Washington University vergleicht, die gute, alte Mittelmeerdiät: mit viel Gemüse und Olivenöl, mit Nüssen, etwas Nudeln und Fisch, vielleicht auch Fleisch.

Möglicherweise empfehlen sich Keto, Atkins und ausgeprägtes Low Carb also eher in der Startphase einer Ernährungsumstellung. Ist der drohende Diabetes Typ 2 dann abgewendet, kann man auf „Südeuropas Kostformen“ (Hauner) zusteuern. Sie enthalten meist auch weniger Lebensmittel tierischer Herkunft und gelten damit als etwas klimafreundlicher.

Auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes raten außerdem viele Krebsexperten eher dazu, zumindest auf rotes Fleisch zu verzichten. Der Friedensschluss zwischen Verfechtern unterschiedlicher Ernährungslehren könnte also in einer kretischen Taverne oder einer toskanischen Osteria stattfinden.

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