Werbung schwächelt, aber Kostensenkungen machen sich bezahlt
ProSiebenSat.1 hat seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal sowie das komplette erste Halbjahr 2026 veröffentlicht - und die fallen durchwachsen aus. So lag der Konzernumsatz zwischen April und Juni bei 768 Millionen Euro, das waren 9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, lag das Minus nur noch bei 2 Prozent. Die Halbjahreszahlen sehen ähnlich aus: Hier ging der Umsatz ebenfalls um 9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zurück, auch organisch waren es -2 Prozent. Von ProSiebenSat.1 heißt es am Donnerstag, die Umsatzentwicklung liege damit "vor dem Hintergrund des herausfordernden Markt- und Wirtschaftsumfelds im Rahmen der Erwartung", wobei die Werbeumsätze im Entertainment-Segment im zweiten Quartal eine leichte Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal aufweisen würden. Dennoch sind die Probleme hier nach wie vor offensichtlich: Während das klassische TV-Werbegeschäft weiter unter Druck steht, können die digitalen und smarten Werbeeinnahmen die Rückgänge nicht bzw. nur zum Teil kompensieren. Während sich der Umsatz des Segments im Segment Entertainment im ersten Quartal noch um 8 Prozent verringerte, lag das Minus im zweiten Quartal nur bei 4 Prozent. Es ging um 20 Millionen auf 500 Millionen Euro zurück. Während die TV-Werbeeinnahmen zwischen April und Juni um etwas mehr als 10 Prozent oder 34 Millionen Euro auf 291 Millionen zurückgingen, stiegen die digitalen und smarten Werbeerlöse lediglich von 77 auf 79 Millionen Euro. Insgesamt verzeichnete ProSiebenSat.1 damit ein Rückgang der Werbeeinnahmen in Höhe von rund 8 Prozent. Die Umsätze aus Distribution und Content sowie die sonstigen Umsätze verzeichneten jeweils ein kleines Plus. Bei der Vorlage der Geschäftszahlen hat ProSiebenSat.1 jetzt darauf verwiesen, dass die Rückgänge der TV-Werbeeinnahmen sowohl auf konjunkturelle als auch strukturelle Faktoren zurückzuführen seien. "Zudem wirkte sich wie erwartet die Übertragung großer Sportereignisse bei konkurrierenden Anbietern und insbesondere die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft aus", heißt es darüber hinaus. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist Joyn: Die AVoD-Umsätze stiegen im ersten Halbjahr um 8 Prozent. Das ist aber, wie schon beschrieben, längst nicht genug, um das schwächelnde TV-Geschäft auszugleichen. Die SVoD-Umsätze stiegen sogar um 20 Prozent, machen aber wohl nur einen sehr kleinen Teil der Erlöse aus, ProSiebenSat.1 fokussiert sich bei Joyn bekanntlich auf Werbung. Die Entwicklung des Segments Commerce & Dating ist derweil ebenfalls nicht gleichförmig: Während Flaconi weiter stark wächst, machten die Dating-Töchter große Probleme. Am Ende fiel der Umsatz des Segments im zweite Quartal um 16 Prozent auf 269 Millionen Euro. Rechnet man Währungseffekte und Portfolioveränderungen hinaus, steht jedoch ein Umsatzplus in Höhe von 3 Prozent - ProSiebenSat.1 hat in der jüngeren Vergangenheit etliche Beteiligungen verkauft, darunter neben Studio71 US die Vermarktungsbeteiligungen esome und Kairion sowie die Vergleichsplattformen billiger-mietwagen.de und CamperDays. Auch auf Halbjahressicht ging der Umsatz des Bereichs Commerce & Dating um satte 14 Prozent zurück, organisch lag das Plus bei 5 Prozent - getrieben durch Flaconi. Trotz des Umsatzrückganges in beiden Segmenten konnte der Konzern seine Profitabilität spürbar steigern - damit hat sich die Entwicklung aus dem ersten Quartal fortgesetzt. Im zweiten Quartal stieg das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, um 102 Millionen auf 80 Millionen Euro. Hier ist ProSiebenSat.1 also, wie schon in den ersten drei Monaten des Jahres, zurück in der Gewinnzone. Das EBIT, der Gewinn vor Zinsen und Steuern, legte um 111 Millionen auf 40 Millionen Euro zu. Auf Halbjahressicht stieg das EBITDA damit um 152 Millionen auf 124 Millionen Euro und erreichte nach einem Minus von 28 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum wieder einen positiven Wert. "Dies ist auf einen erheblichen Rückgang der Kosten zurückzuführen, wobei gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 vor allem die Programmaufwendungen deutlich gesunken sind", heißt es von ProSiebenSat.1 an diesem Donnerstag. ProSiebenSat.1 schreibt wesentliche Teile seiner Lizenzrechte seit Beginn des Jahres linear über die jeweilige Lizenzlaufzeit ab, das hat zu deutlich geringeren Abschreibungsaufwendungen im ersten Halbjahr geführt. Insgesamt betrugen die Programmaufwendungen auf Halbjahressicht 404 Millionen Euro, 2025 waren es noch fast 500 Millionen. 65 bis 75 Millionen Euro dieses Rückgangs resultierten aus der Umstellung der Abschreibungsmethodik. Darüber hinaus lagen aber auch die Personalkosten deutlich unter Vorjahr, sie sanken auf Halbjahressicht um 117 Millionen Euro auf 299 Mio Euro. Der Vergleichswert aus dem Vorjahr ist jedoch durch sogenannte Reorganisationsaufwendungen in Höhe 68 Millionen Euro beeinflusst, die der Konzern im zweiten Quartal 2025 erfasst hat - mutmaßlich sind das vor allem Abfindungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben. Darüber hinaus reduzierten sich die Kosten aufgrund von Unternehmensverkäufen. Nach wie vor rechnet ProSiebenSat.1 für das gesamte Jahr 2026 mit einem "moderaten Rückgang" des Konzernumsatzes. Angesichts des erkennbar rückläufigen TV-Werbemarkts im ersten Halbjahr 2026 geht man mittlerweile jedoch davon aus, dass sich die Umsätze im Segment Entertainment "leicht" unter Vorjahresniveau entwickeln. Die Umsatzerlöse im Segment Commerce & Dating sollen diese Entwicklung voraussichtlich kompensieren, sodass ProSiebenSat.1 auf organischer Basis unverändert von einem leichten Wachstum des Konzernumsatzes ausgeht. Gleichzeitig hält die Unternehmensführung fest, dass die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft weiterhin begrenzt bleiben. "Die Visibilität im konjunktursensitiven Werbemarkt ist gering und mit Unsicherheiten behaftet." Beim EBITDA rechnet ProSiebenSat.1 für das Geschäftsjahr 2026 weiterhin mit einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Treiber hierfür seien insbesondere eine "konsequent fortgesetzte Kostendisziplin sowie weitere Kostenreduktionen". Gut möglich auch, dass das Unternehmen im weiteren Verlauf des Jahres Beteiligungen veräußert. Marco Giordani, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, sagt: "Das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass wir unsere strategischen Prioritäten konsequent umgesetzt und unsere Profitabilität deutlich gesteigert haben. So treiben wir in einem herausfordernden Umfeld die Transformation von ProSiebenSat.1 entschlossen voran – mit klarem Fokus auf Entertainment, strikter Kostendisziplin und gezielten Investitionen in unsere Zukunft. Mit der geplanten Vereinheitlichung der Streaming-Infrastruktur für Joyn gehen wir nun den nächsten wichtigen Schritt: Eine gemeinsame Technologie-Plattform mit MFE schafft Effizienz und Skalierbarkeit, während lokale Inhalte unsere Relevanz in den verschiedenen Ländern sichern. Die Verbindung von paneuropäischer Stärke mit attraktiven lokalen Inhalten ist ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil." Finanzvorstand Bob Rajan ergänzt: "Wir haben angekündigt, unser Portfolio stringent auf Wertschöpfung zu überprüfen – und genau das setzen wir um. Seit Jahresbeginn haben wir sechs Unternehmen verkauft mit dem Ziel, die Ertragskraft des Konzerns nachhaltig zu stärken und die Fokussierung auf das Entertainment-Geschäft in der DACH-Region konsequent voranzutreiben. Unser Weg ist klar: Wachstum durch Profitabilitätssteigerung. Diese Zielsetzung spiegelt sich auch in unserer EBITDA-Erwartung für das Gesamtjahr wider, die wir mit dem starken Ergebniswachstum im ersten Halbjahr unterstreichen."