Werk in Leipzig: Porsche will Produktion zurückholen - Dafür sollen Mitarbeiter auf Lohn verzichten
Leipzig/MZ. - Um die Auslastung und damit den langfristigen Erhalt des Porsche-Werkes in Leipzig zu sichern, werden beim Sportwagenbauer offenbar entscheidende Umstrukturierungen diskutiert: So gibt es Pläne, das Modell Cayenne, das bisher im VW-Werk in Bratislava (Slowakei) produziert wird, wieder nach Leipzig zu verlagern. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf die Arbeitnehmerseite. Im Gegenzug soll die Unternehmensführung jedoch verlangen, dass sich die Arbeitnehmerseite „auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlässt.“ „Man hält uns die Mohrrübe vor die Nase, indem man uns den Cayenne und eine sichere Werksbelegung verspricht, fordert aber tiefe Einschnitte“, zitiert die Zeitung einen Arbeitnehmervertreter. Auf MZ-Anfrage wollte sich der Leipziger Porsche-Betriebsrat „nicht zu den Spekulationen äußern“. Betriebsratschef Christian Märcz sagte dieser Zeitung: „Unsere oberste Priorität hat die Beschäftigungssicherung.“ Dazu würden Gespräche mit der Geschäftsleitung geführt. Eine Produktionsverlagerung ist laut Insidern auch eher eine mittel- bis langfristige Option. Das Werk in Bratislava ist hochmodern und wurde zuletzt für den Cayenne ausgebaut. Der Luxus-Autohersteller leidet unter einem schwachen Absatz – besonders in China. Die ursprünglich anvisierten Verkaufszahlen insbesondere bei den E-Auto-Modellen werden nicht erreicht. Vergleichbare E-Autos chinesischer Konkurrenten sind vor allem viel günstiger. Im ersten Quartal 2026 lieferte der Sportwagenbauer weltweit 60.991 Fahrzeuge aus – 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In Leipzig werden aktuell die Modelle Macan und Panamera produziert. Vom Macan wurden von Januar bis Ende März insgesamt 18.209 Fahrzeuge ausgeliefert. Davon entfielen 10.130 Stück auf die Variante mit Verbrennungsmotor. Diese bietet Porsche in den meisten Ländern außerhalb der EU weiterhin parallel an. Das Verbrennermodell wird noch bis Sommer 2026 produziert. Auf die vollelektrische Variante des Macan entfallen nur 8.079 Stück. In Summe entspricht dies einem Rückgang von 23 Prozent für die gesamte Modellreihe im Vergleich zum Vorjahresquartal. Vom Panamera wurden im ersten Quartal 4.498 Exemplare ausgeliefert – ein Minus von 42 Prozent. Die Kapazitäten im Werk werden damit bei weitem nicht ausgelastet. Die Produktion liegt wohl etwa ein Drittel niedriger als noch vor zwei Jahren. Vor allem 2027 wird die Lage kritisch, da der Macan mit Verbrennungsmotor wegfällt. Beschlossen ist bereits, dass von 4.600 Mitarbeitern bis August etwa 200 Stellen über ein freiwilliges Abfindungsprogramm abgebaut werden sollen. Aus Arbeitnehmerkreisen heißt es, dass Kurzarbeit für 2027 eine Option ist. Porsche-Chef Michael Leiters arbeitet an einem Befreiungsschlag. Bis 2017 wurde der große SUV Cayenne in Leipzig gebaut, dann wurde die Produktion ins VW-Werk nach Bratislava abgegeben. Dort läuft der Porsche mit dem VW Touareg sowie den Audi Q7 und Audi Q8 vom Band. Im ersten Quartal wurden 19.183 Cayenne ausgeliefert. Die vollelektrische Variante kommt derzeit auf den internationalen Markt. Mit dem Cayenne könnte das Leipziger Werk wieder gut ausgelastet werden. Auch Porsche will eine mögliche Produktionsverlagerung nicht kommentieren. Leiters hatte zuletzt jedoch ein Standortbekenntnis abgegeben: „Der anhaltende Druck auf die Automobilindustrie erfordert auch bei Porsche konsequente Maßnahmen, um das Unternehmen wettbewerbsfähig aufzustellen. Wir bekennen uns dabei zum Standort Deutschland und insbesondere auch zu unserem Werk in Leipzig.“ So soll Leipzig ab 2028 auch einen neuen Geländewagen mit Verbrennungsmotor produzieren. Das Modell trägt den Arbeitsnamen M1. Das Porsche-Werk besitzt einen Haustarifvertrag, der mit der IG Metall abgeschlossen wurde. Die Porsche-Führung müsste mit der Gewerkschaft über mögliche Lohnkürzungen verhandeln. Ein Produktionsmitarbeiter verdient in Leipzig laut Plattformen für Arbeitgeberbewertungen zwischen 3.240 und 4.800 Euro (brutto) im Monat – je nach Tätigkeit. In Bratislava verdienen die Arbeiter laut Medienberichten zwischen 2.000 und 2.800 Euro (brutto) im Monat. Unklar ist, welchem Umfang die Gewerkschaft zu Lohnkürzungen bereit wäre.