Wetterdienst warnt: Deutschland steht stürmischer Sonntag bevor - im Norden drohen Orkanböen
Der Herbst gibt Gas: Teile Deutschlands müssen sich auf einen stürmischen Sonntag einstellen – es kann durch Tief „Manja“ durchaus gefährlich werden. Für größere Gebiete im Norden, in der Mitte, im Westen und Südwesten galt am Sonntagmorgen eine amtliche Warnung vor Sturmböen und schweren Sturmböen.
Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge kann der Wind in Höhen oberhalb von 600 Metern Geschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde erreichen. „In exponierten Lagen muss mit schweren Sturmböen um 100 Kilometer pro Stunde gerechnet werden“, hieß es. In nicht so hoch gelegenen Gebieten seien bis zu 70 Kilometer pro Stunde möglich. An der Nordsee und in höheren Lagen sei mit schwerem Sturm bis hin zu orkanartigen Böen oder Orkanböen zu rechnen.
Bei solchen Windgeschwindigkeiten Äste abbrechen und Gegenstände herumfliegen. Möbel, die draußen nicht angebunden sind, sollten gesichert und Abdeckungen befestigt werden. Wassersportler nutzen dagegen die Winde an den Küsten wie oben in St. Peter-Ording aus.
Zu den Gefahren durch Sturmböen sagte der Meteorologe Dominik Jung der „Bild“: „Das Problem ist der Zeitpunkt. Die Bäume tragen noch viel Laub, das wirkt wie ein Segel, und der Boden ist durch den Regen aufgeweicht. Umstürzende Bäume und abbrechende Äste sind daher schon bei Böen möglich, die im Winter kaum Schäden anrichten würden.“
In Hamburg könnte eine Sturmflut auflaufen, dann würde der tiefer gelegene Teil des Fischmarkts überflutet. Wyk auf der Insel Föhr hat den Deichdurchlass am Hafen geschlossen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet von Sonntag bis Montag deutlich erhöhte Wasserstände.
Auch für Berlin und Brandenburg erwartet der DWD für Sonntag weiterhin einzelne stürmische Böen. Dabei soll es zeitweise regnen. Später am Tag erwarten die Wetterexperten nur noch einzelne Schauer.
Zuvor hatte Sturmtief „Luise“, international „Austen“ genannt, am Freitag vor allem im Westen und Südwesten Menschen verletzt und den Bahnverkehr stark behindert.
Schwere Folgen hatte der Sturm in Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Dort warf eine Böe am Freitagnachmittag ein Gestell um, während in der Nähe ein Oktobermarkt stattfand. Nach Angaben der Polizei wurden zwei Menschen schwer verletzt. Einer von ihnen schwebte in Lebensgefahr und wurde mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
In Seligenstadt im Kreis Offenbach traf ein abgerissener Ast einen Radfahrer, den die Feuerwehr befreien musste. Im saarländischen Lebach wurde ein Fußgänger von einem Werbeschild leicht verletzt.
Bahn-Stillstand in Karlsruhe, ICE abgeschleppt
Auf der Schiene kam es zu zahlreichen Störungen. Am Karlsruher Hauptbahnhof flog ein Gegenstand in die Oberleitung. Reisende berichteten von „massivem Funkenschlag“. Bei Pforzheim prallte eine Regionalbahn mit Hunderten Fahrgästen an Bord gegen einen Ast und musste auf der Strecke stehen bleiben.
Bei Aachen blieb ein ICE mit 280 Fahrgästen nach einem Oberleitungsschaden liegen und wurde von einer Diesellok zum Bahnhof Stolberg geschleppt. Auch bei Neuss und in Stuttgart blockierten umgestürzte Bäume die Gleise. Allein im Saarland rückte die Polizei bis zum Abend zu 59 sturmbedingten Einsätzen aus. Der Europa-Park in Rust schloss vorübergehend seine großen Achterbahnen im Freien.
Bäume stürzen in Nordrhein-Westfalen um
In Duisburg haben Sturmböen im gesamten Stadtgebiet Bäume zum Sturz gebracht. Einer stürzte auf einen Kiosk, an weiteren Stellen fielen Bäume in Stromleitungen, wie die Feuerwehr mitteilte. Bäume und Äste mussten demnach von Straßen entfernt werden. Eine Autofahrerin fuhr den Angaben zufolge in einen umgestürzten Baum. Verletzte gab es bisherigen Erkenntnissen zufolge nicht. Die Feuerwehr zählte rund 40 Sturmschaden-Einsätze, wie es hieß.
Auch in Remscheid musste die Feuerwehr eigenen Angaben zufolge abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume beseitigen. An der A1 stürzte ein größerer Baum gegen eine Lärmschutzwand. Die Autobahn wurde in Fahrtrichtung Köln zeitweise gesperrt.
Probleme gibt es auch für Urlauber zum Ende der Herbstferien in Niedersachsen. Die Schnellfähren nach Helgoland fahren am Wochenende nicht, die Halligen werden am Sonntag und Montag nicht angesteuert.