Wetterexperte Kachelmann über Deutschland: „Ihr seid einfach ein durchgeknalltes Land“
Audioplayer wird geladen Anzeige Meteorologe Jörg Kachelmann hat im Podcast mit dem stellvertretenden „Bild“-Chefredakteur Paul Ronzheimer scharfe Kritik an Deutschlands Umgang mit Hitze und Klimawandel geübt. Besonders mit Blick auf die fehlende Klimatisierung von Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen fand er deutliche Worte: „Ihr seid einfach ein durchgeknalltes Land“, erklärte der Wetterexperte, der in der Schweiz lebt, zu der Frage, warum Deutschland nichts unternehme. „Da sind wir wieder bei bildungsfern und wissenschaftsfeindlich.“ Aus Kachelmanns Sicht werde hierzulande zu wenig getan, um Menschen vor den Folgen immer häufiger auftretender Hitzewellen zu schützen. Denn viele hitzebedingte Todesfälle seien aus seiner Sicht vermeidbar, wenn sich Politik und Gesellschaft stärker für das Thema interessieren würden. Anzeige Tatsächlich hatte das Robert-Koch-Institut die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland bis Anfang August auf rund 12.500 geschätzt. Die bisherigen Höchstwerte aus den Jahren 2018 und 2019 mit jeweils rund 7000 Todesfällen wurden damit deutlich übertroffen. Diese Zahl könnte noch weiter steigen: Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach erwartet in den kommenden Tagen teils Temperaturen an die 40 Grad. Die aktuelle Hitzelage bezeichnete Kachelmann als historisch außergewöhnlich. In Teilen Südwestdeutschlands habe es seit Anfang August vielerorts keinen Tag mit weniger als 30 Grad Höchsttemperatur gegeben. Anzeige Den Zusammenhang mit dem Klimawandel hält er für eindeutig: „Es ist anders halt nicht erklärbar. Wir heizen halt die Atmosphäre auf.“ Deutschland sei dabei noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Wäre der Schwerpunkt der Hitze einige Hundert Kilometer weiter östlich gelegen, hätte Deutschland nach seiner Einschätzung sogar Temperaturen von bis zu 45 Grad erleben können. Lesen Sie auch Scharf griff Kachelmann auch die Berichterstattung über die Hitze an. „Medienhäuser zeigen uns immer irgendwie diese trockenen Flussbetten und behaupten dann, das sei die Hitzewelle, was völliger Schwachsinn ist“, sagte er. Hitze und Dürre würden regelmäßig verwechselt. „Es gibt kein Wasser, weil es nicht geregnet hat“, betonte Kachelmann. Mit Blick auf die öffentliche Debatte legte er nach: „Ihr seid fast alle Deppen.“ Lesen Sie auch Weltplus ArtikelNiedrige Wasserstände Auch den Ratschlag, die Hitze durch geschlossene Fenster „auszusperren“, kritisierte er. „Das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Alterswohnungen wirklich auf erbärmlichste Art und Weise, ich kann es nicht anders sagen, verrecken.“ Kachelmann kritisierte die verbreitete Angst vor Durchzug und sprach von einem „Problem in bildungsfernen und wissenschaftsfeindlichen Ländern“. Dort gebe es „dieses Ausmaß von Schwurbel“, dass Durchzug etwas „Teuflisches“ sei. Auch beim Thema Waldbrände sieht der Meteorologe weitverbreitete Irrtümer. „Die Suggestion in den Medien ist, dass Waldbrände irgendwie geheimnisvoll von selber entstehen würden.“ Tatsächlich seien in den allermeisten Fällen Menschen verantwortlich. Die Ursache sei meist vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung. Trockenheit begünstige zwar die Ausbreitung eines Feuers, lasse es aber nicht von selbst entstehen. Zurzeit kämpfen in der Eifel Helfer gegen einen Waldbrand. Am frühen Freitagmorgen hatte die Gemeinde Hürtgenwald die Evakuierung des Ortsteils Gey angeordnet. Bis Freitagvormittag wurde gemeldet, dass die Flammen rund 200 Meter von dem Ort entfernt seien. „Ich habe null Hoffnung, dass irgendetwas passiert“ Kachelmann plädierte zudem für einen sparsameren Umgang mit Wasser. „Wenn es nicht regnet, sollte man eine gelbe Wiese haben“, sagte er. In vielen anderen Ländern würde niemand auf die Idee kommen, während einer Dürre um jeden Preis einen grünen Rasen zu erhalten. Ähnlich kritisch sieht der Meteorologe das aus seiner Sicht verbreitete „obsessive Autowaschen“. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelLuxus Holzfeuer Auch die verbreitete Nutzung von Holz- und Pelletöfen sieht Kachelmann kritisch. „Sie müssen daran denken, dass selbst Grüne, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern, das Waldverbrennen (…) als was ganz Tolles ansehen“, sagte er. Dabei sei es noch klimaschädlicher als Kohle, Öl und Gas. Aber eine Grünen-Politikerin wie Katrin Göring-Eckardt rege sich dann darüber auf, wie furchtbar ein Waldbrand für die Welt sei. „Wenn Sie das alles betrachten von außen, das ist alles sehr, sehr schwer auszuhalten, diese Heuchelei, auch diese Inkonsequenzen.“ kami