Wie Affen Streit vorbeugen: Studie zeigt überraschendes Verhalten
Wie Affen Streit vorbeugen, warum wilde Wiesen den Zeitgeist treffen und Hoffnung gegen PFAS im Wasser – drei gute News für die Woche. Die tägliche Flut an negativen Nachrichten lässt viele frustriert, traurig, wütend oder mit einem Gefühl der Ohnmacht zurück. Trotzdem werden negative Schlagzeilen mehr gelesen als positive Meldungen – vermutlich aus einem evolutionsbiologischen Grund: Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu bewahren. Deshalb reagiert es auf Schreckensmeldungen besonders sensibel und speichert negative Informationen stärker ab. Aber: Doomscrolling, also gezielter und massiver Konsum von negativen Nachrichten, kann der psychischen Gesundheit schaden, wie zahlreiche Studien belegen. Positive Informationen wirken da wie ein Gegengewicht. Sie verdeutlichen, dass es auch konstruktive Lösungen für ein gutes Miteinander und eine bessere Zukunft gibt. In diesem Sinne: Hier sind die guten News der Woche. +++ Good News 1: Umarmung statt Eskalation – Affen beugen Streit mit Liebe vor Viele kennen es: Aus einer Meinungsverschiedenheit wird binnen kurzer Zeit ein heftiger Streit. Fühlt sich ein Mensch mit seinen Emotionen alleine gelassen und nicht validiert, sucht sich die angestaute Wut ein Ventil. In Sachen Streitkultur haben unsere nächsten lebenden Verwandten dem Homo sapiens einiges voraus, wie eine neue Studie zeigt. Schimpansen und Bonobos verfolgen offenbar eine Strategie, um Streit zu schlichten und vorzubeugen: Körperkontakt. Freundliche Berührungen, Umarmungen, Händchenhalten oder gegenseitiges Streicheln – die meisten Menschen können sich ihre Zuneigung nach einem Streit erst beim Vertragen zeigen. Die beobachteten Affen aus fünf Gruppen in Auffangstationen in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo scheinen die liebevollen Gesten schon vor Konflikten einzusetzen. Für die Studie setzte das internationale Forschungsteam auf ein Experiment mit hohem Konfliktpotenzial. Sie teilten Erdnüsse in einer Menge aus, die nicht für alle Tiere der Gruppe genügte. Je mehr freundliche Berührungen die Tiere vor der Fütterung austauschten, desto friedlicher verlief das gemeinsame Fressen – trotz Futterneid. Die Forschenden vermuten, dass körperliche Nähe den sozialen Zusammenhalt in der Gruppe stärkt, Stress reduziert und zu einer höheren Toleranz führt. Noch mehr gute Nachrichten? Good News der letzten vier Wochen findet ihr hier: Zahl der Luchse steigt Lecker oder Bäh? Hummeln sind uns offenbar ziemlich ähnlich Gegen Spaltung und Isolation: Was Fußball mit Menschen macht In dieser wunderbaren Sache ähneln Pottwale uns Menschen Vielleicht sollten auch Menschen sich öfter in den Arm nehmen – auch, wenn sich ein Streit ankündigt. Womöglich rückt dabei in den Fokus, was im Streit schnell vergessen wird: Dass die Zuneigung füreinander wichtiger ist als Recht zu haben. Und dass Streitgespräche in emotional aufgewühlten Situationen ohnehin nur selten das erhoffte Ergebnis liefern. +++ Good News 2: Naturnahe Wiesen fördern Artenvielfalt – und trotzen Hitze Ob ein englischer Rasen ansprechend ist oder nicht, ist Geschmacksache. Fakt ist hingegen, dass der perfekter Rasen pflege- und wasserintensiv ist. Ein Bewässerungsverbot von privaten Rasenflächen wie aktuell in München ist quasi sein Endgegner – und ein weiterer guter Grund, das monotone Grün in eine naturnahe Wiese zu verwandeln. Eine neue Studie aus Japan untermauert, was Umweltschutzverbände wie der NABU schon lange betonen. Je vielfältiger die Pflanzenwelt einer Wiese ist, desto besser kommt sie mit extremer Trockenheit zurecht. Und noch etwas haben die Forschenden herausgefunden: Der Vorteil einer artenreichen Vegetation zeigt sich besonders deutlich in ohnehin trockenen Regionen. Für die im Fachjournal Nature Ecology & Evolution veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler der Yokohama National University Daten aus 75 weltweiten Langzeitexperimenten aus. Untersucht wurden Graslandschaften und Wälder mit unterschiedlich großer Pflanzenvielfalt. Die Experimente liefen zwischen zwei und 23 Jahren und wurden mit langfristigen Wetterdaten zu Niederschlag und Temperaturen abgeglichen. Während extremer Dürren konnten artenreiche Wiesen mehr Pflanzenwachstum erhalten als Naturflächen mit weniger Biodiversität. Warum die Pflanzen ausgerechnet in trockenen Wiesen widerstandsfähiger bleiben, ist interessant – auch für Gartenbesitzer. Die Stärke liegt in der sogenannten Komplementarität der Arten. Unterschiedliche Arten ergänzen sich, weil sie Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe auf unterschiedliche Weise nutzen. Dadurch bleibt die Pflanzengemeinschaft unter schwierigen Bedingungen stabiler. In Wäldern stellten die Forschenden keinen vergleichbaren Effekt fest. Sie vermuten, dass sich die positiven Effekte von hoher Biodiversität in Wäldern möglicherweise langsamer oder über andere Faktoren zeigen. Wer den eigenen Garten fit für den Klimawandel machen und der Natur wieder mehr Spielraum lassen will, spart viel Geld und Zeit – und schafft einen Lebensraum für Insekten und Wildtiere. Statt Unkraut aus dem Rasen zu zupfen, könnte die gewonnene Freizeit genutzt werden, um der Natur dabei zuzuschauen, wie sie ein lebendiges und widerstandsfähiges Wunderwerk erschafft. Natürlich muss nicht die gesamte Rasenfläche dem – zu Unrecht – unbeliebten Wildwuchs weichen: Auch einzelne wilde Inseln im Garten sind eine Bereicherung für die Natur. Außerdem können viele heimische Heilpflanzen wie Gundermann, Schafgarbe und Brennnessel zu Tee oder Salat verarbeitet werden oder die natürliche Hausapotheke ergänzen. +++ Good News 3: PFAS im Wasser: Neues Verfahren gegen die Ewigkeitschemikalien PFAS sind Industriechemikalien, die Produkte wasser-, fett- und schmutzabweisend machen. Weil sie sich in der Umwelt kaum zersetzen, werden sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet. Längst sind sie in der Umwelt, in Lebewesen und in Lebensmitteln nachweisbar. Einige PFAS stehen im Verdacht, das Erbgut zu verändern und Krebs zu fördern. Weltweit wird nach Lösungen für das unsichtbare, aber allseits vorhandene Problem gesucht. Forschende am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) haben zwei neue Verfahren entwickelt, mit denen PFAS nicht nur aus dem Wasser gefiltert, sondern sogar ihre Moleküle zerlegt werden. Bei der ersten Methode mit sogenannter hydrodynamischer Kavitation wird PFAS-belastetes Wasser durch eine Verengung geleitet. Dabei entstehen winzige Dampfblasen, an die sich die PFAS binden. Wenn die Blasen zusammenfallen, entstehen extrem hohe Temperaturen und hochreaktive Sauerstoffverbindungen und die PFAS-Verbindungen werden zerlegt. In Versuchen wurden rund 37 Prozent einer besonders langlebigen PFAS-Art abgebaut. Das nächste Etappenziel: die Abbaurate auf mehr als 80 Prozent zu steigern. Das zweite Verfahren setzt auf kaltes Plasma, das man sich als energiereiches Gemisch mit sehr reaktionsfreudigen Teilchen vorstellen kann. Die PFAS lagern sich an den Gasbläschen an, steigen zur Oberfläche und werden dort durch die reaktiven Teilchen des Plasmas zersetzt. Lang- und kurzkettige PFAS wurden so nahezu vollständig abgebaut. Im nächsten Schritt sollen die Technologien kombiniert werden, um möglichst viele PFAS abzubauen. Sollte die Methode Marktreife erreichen und im großen Stil industriell eingesetzt werden, könnten PFAS in der Umwelt deutlich zurückgehen.