Wie alt ist dieser Pilz? Ein wissenschaftliches Rätsel!
Stand: 14.08.2026 12:08 Uhr Eine merkwürdige biologische Gattung, die Pilze. Keine Tiere, keine Pflanzen und doch leben sie. Sie sind sogar älter als alles, was man sonst so kennt. Aber: kennen wir das wirkliche Alter überhaupt? von MDR WISSEN / cd Preisfrage: Wie groß ist ein Pilz? Wenn Sie jetzt an die Größe denken, die Sie beim Pilzsammeln oder Einkaufen sehen, liegen Sie komplett falsch. Das, was wir als Pilze ansehen, ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs, sind die Ausläufer eines unterirdischen, weitverzweigten Netzwerks, das mitunter gigantische Ausmaße annehmen kann. Diese fadenförmigen Strukturen, Myzel genannt, durchziehen das Erdreich oder das Holz und verbinden sich sogar mit Wurzeln. Und das alles ist nicht statisch, sondern ist vielmehr ständig in Bewegung. Neue Strukturen entstehen und alte sterben ab. Von daher ist die eingangs gestellte Frage in der Tat nicht allzu leicht zu beantworten: Wenn der Pilz, den wir kennen, nur die Spitze einer größeren Struktur ist, und wenn sich diese Struktur dazu noch ständig verändert: wie misst man dann dessen Größe? So besteht auch für die Forschung "eine der größten Schwierigkeiten darin, zu definieren, wo ein einzelnes Pilzindividuum beginnt und wo es endet", sagt Kristin Aleklett leitende Autorin Kristin Aleklett einer aktuellen Studie an der Universität Lund in Schweden. Mindestens ebenso kompliziert ist auch die Bestimmung des Alters. "Wir wissen nicht genau, ob 10 oder 500 Jahre für einen Pilz 'alt' sind oder wie stark sich dies je nach Pilzart und Lebensweise unterscheidet", so Akeklett. Im Gegensatz zu Tieren oder Bäumen könnten Wissenschaftler bei Pilzen nicht einfach Geburtstage oder Jahresringe zählen. Stattdessen nutzten sie häufig genetische Methoden, um einzelne Pilze zu identifizieren und ihr Alter anhand der Wachstumsgeschwindigkeit des Myzels im Labor zu schätzen. Allerdings ließe sich nicht direkt beobachten, wie sich das Myzel in der freien Natur über die Jahreszeiten und Jahre hinweg ausbreitet und wieder zurückzieht. In jedem Fall gebe es sehr große Unterschiede in den Lebenszyklen von Pilzen, bei denen die Art ebenso eine Rolle spiele wie die Lebensform (z.B. in Symbiosen). Dies alles zu verstehen, inklusive der Frage, wie und wann ein Pilzleben ende, sei entscheidend, um die biologische Vielfalt und die Leistungen von Pilzen beurteilen zu können. Die Forschenden schlagen deshalb vor, Verfahren wie die genetische Nachverfolgung, langfristige Laborexperimente und neue Technologien wie "Fungi-on-a-Chip" zu kombinieren, um zu genaueren Ergebnissen zu kommen. Dieses Wissen könnte das Verständnis der Wissenschaftler für jene Pilze vertiefen, die für Ökosysteme, die Landwirtschaft und die menschliche Gesundheit von grundlegender Bedeutung sind.