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Wie der Konflikt um Maverick Vinales die größte KTM-Schwäche offenbart

Sport

(Motorsport-Total.com) - Der erbitterte Streit zwischen KTM und Maverick Vinales ist die jüngste Episode davon, was mehrere Fahrer und Manager in der MotoGP-Szene als Mangel an Einfühlungsvermögen und eine übermäßig aggressive Verhandlungsstrategie bezeichnen. Diese Faktoren sind es, die das Verhältnis zwischen KTM und Fahrern des Unternehmens wiederholt beeinträchtigt haben. Die Begeisterung, als sich KTM zur MotoGP-Saison 2019 die Dienste von Johann Zarco sicherte, wurde nur noch übertroffen noch von dem Schock, den Zarcos plötzliche Entlassung nur wenige Monate später auslöste. Als die Saison bereits in vollem Gange war, musste der Franzose einsehen, dass er sich weder an die RC16 noch an die Arbeitsweise des Unternehmens anpassen konnte. Die Zarco-Episode war das erste deutliche Anzeichen für KTMs eigenwilligen Ansatz im Fahrermanagement. Der in Mattighofen ansässige Hersteller betrachtet seine Fahrer als seine prominentesten Mitarbeiter und erwartet im Gegenzug volles Engagement. Der Konflikt um Zarco erwies sich als nur der Anfang einer Reihe schwieriger Trennungen in den folgenden sechs Jahren. Die jüngste betrifft Vinales, der nun wahrscheinlich vor den letzten Rennen seiner MotoGP-Karriere steht. Vinales wartete bis zum Grand Prix von Deutschland - im MotoGP-Kalender 2026 das letzte Rennen vor der Sommerpause -, um es öffentlich infrage zustellen, wie er behandelt worden war. Der Spanier kritisierte das, was er als Mangel an Menschlichkeit bezeichnete. Obwohl man ihn zuvor hatte glauben lassen, er würde zur kommenden Saison ins KTM-Werksteam aufsteigen, steht er für 2027 nun komplett ohne Motorrad da. Seine beim Grand Prix von Deutschland 2025 erlittene Schulterverletzung hat Vinales' Wettbewerbsfähigkeit während der gesamten ersten Hälfte der Saison 2026 beeinträchtigt - genau in dem Zeitraum, in dem der Großteil des Fahrermarkts für 2027 bereits fixiert wurde. KTM hat als neues Fahrerduo für sein Werksteam Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio verpflichtet. Der Spanier und der Italiener, die beide aus Ducati-Kundenteams wechseln werden, treten die Nachfolge von Pedro Acosta und Brad Binder an. Bei Tech3-KTM wird man offenbar Senna Agius als Teamkollege von Luca Marini einsetzen. Wenn es so kommt, hat das einerseits zur Folge, dass Enea Bastianini zu Trackhouse-Aprilia wechselt. Andererseits hätte es zur Folge, dass sich Vinales damit abfinden müsste, gänzlich aus der Meisterschaft auszuscheiden. Sollte es so kommen, würde dies das Ende einer 15-jährigen Karriere in der Motorrad-WM bedeuten. Die Höhepunkte dieser Karriere waren der Moto3-Titelgewinn 2013 und nicht zuletzt 10 MotoGP-Siege mit drei Herstellern: Suzuki, Yamaha, Aprilia. Zu den Tiefpunkten in Vinales' Karriere zählen die umstrittene Trennung von seinem Moto3-Team während des Malaysia-Wochenendes 2012, der außergewöhnliche Vorfall beim Grand Prix von Österreich 2021, der letztendlich zu seiner Entlassung bei Yamaha führte, sowie sein mittlerweile zunehmend erbitterter Streit mit KTM. Laut Vinales hatten ihn die Signale, die er im Winter von KTM erhalten hatte, davon überzeugt, für 2027 ins Werksteam befördert zu werden. Doch als seine Schulterprobleme die Ergebnisse auf der Strecke beeinträchtigten und sich KTM darauf konzentrierte, die Finanzkrise zu überwinden, die das Unternehmen fast in den Zusammenbruch getrieben hätte, brach die Kommunikation nach und nach ab. Vinales erfuhr es aus den Medien, dass Alex Marquez und Di Giannantonio unter Vertrag genommen worden sind. Als er um Aufklärung bat, legte ihm das neue Tech3-Management unter der Leitung von Günther Steiner einen Vertrag vor, den der Spanier selber als "meinen Interessen sehr abträglich" bezeichnete. Die deutlichste Bestätigung kam, als Vinales Mitte Juni nicht zur Teilnahme am Test des KTM-Prototypen für 2027 in Brünn eingeladen wurde. "Ich habe mich bereits damit abgefunden, dass ich wahrscheinlich nicht mehr MotoGP fahren werde. Hier bei KTM möchte ich nicht bleiben. Sie haben mir einen Vertrag geschickt, ich habe ihn unterschrieben, und zwei Wochen später teilten sie mir mit, dass er ungültig sei", sagte Vinales am Sachsenring-Wochenende, unmittelbar bevor es in die Sommerpause ging. Unabhängig von den Einzelheiten der Situation um Vinales hat kein MotoGP-Hersteller so viele schmerzhafte Trennungen von Fahrern erlebt wie KTM. Zeitlich zwischen den Auseinandersetzungen mit Zarco und mit Vinales kam es zu ähnlichen Konflikten mit Remy Gardner, Iker Lecuona und Raul Fernandez. Manager, die wiederholt mit KTM verhandelt haben, nannten immer wieder dasselbe zugrunde liegende Problem. "Ein Mangel an Empathie", erklären mehrere dieser Fahrer-Manager gegenüber Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. Einer dieser Manager geht weiter ins Detail, indem er sagt: "Das Problem ist, dass KTM im Umgang mit den Fahrern immer alle Trümpfe auf seiner Seite haben will. Das geht zu weit. Das bringt die andere Seite unweigerlich in eine sehr schwache Position." Dieser offensichtliche Mangel an Rücksichtnahme auf die menschliche Seite hat hin und wieder auch zu ungewöhnlichen Situationen geführt. Im Jahr 2024 verpflichtete KTM fünf Fahrer, obwohl man nur vier MotoGP-Bikes im Feld hatte. Diese Entscheidung führte letztendlich dazu, dass Pol Espargaros Rückzug aus dem Vollzeit-Rennsport nach seinen schweren Verletzungen aus Portimao 2023 noch beschleunigt wurde. Und dass Espargaro 2024 kein Stammfahrer mehr war, das wiederum ermöglichte es Pedro Acosta, sein Debüt in der Königsklasse zu geben. "Das war ein kompletter Managementfehler von KTM", räumte Espargaro damals ein. "Ich kritisiere nicht gerne den Hersteller, für den ich arbeite, der mich bezahlt und der sich um mich kümmert. Aber was passiert ist, hat viele Mängel in der Art und Weise offenbart, wie Verträge und Fahrer gehandhabt werden." Im Gespräch mit Managern, die mit KTM verhandelt haben, dominieren eine Person und zwei Vertragsklauseln die Unterhaltung. Die erste ist Pit Beirer, der Motorsportchef des Unternehmens. Der ehemalige Motocross-Fahrer, seit einem Sturz beim Bulgarien-Grand-Prix 2003 querschnittsgelähmt, wird weithin respektiert für seine Widerstandsfähigkeit, mit der er sein Leben neu aufgebaut hat. Diejenigen, die mit ihm verhandelt haben, beschreiben Beirer allerdings auch am Verhandlungstisch als kompromisslos. Die Standard-MotoGP-Verträge von KTM spiegeln diese Philosophie ebenfalls wider. Sie sind in der Regel als Zweijahresvertrag mit einer Option auf ein drittes Jahr strukturiert, wobei die Option nur vom Hersteller vor Ablauf einer festgelegten Frist gezogen werden kann. So konnte KTM sowohl Bastianini als auch Vinales bis zum 30. Juni an sich binden, bevor letztendlich entschieden wurde, die Option auf ein drittes Jahr in beiden Fällen nicht zu aktivieren. Da sich der MotoGP-Fahrermarkt für 2027 ungewöhnlich schnell bewegt, hat dieser Zeitpunkt Vinales praktisch ohne realistische Alternativen zurückgelassen. Hinzu kommt, dass sich KTM generell das Recht vorbehält, jedes externe Angebot, das einer der teameigenen Fahrer erhält, zu gleichen Konditionen zu übernehmen. Es sei denn, diese Klausel wurde während der Verhandlungen ausdrücklich gestrichen. Motorsport.com Spanien geht davon aus, dass es Pedro Acosta gelungen ist, diese Bestimmung bei der Vereinbarung seiner jüngsten Vertragsverlängerung zu streichen, was infolgedessen den Weg für seinen Wechsel zu Ducati zur Saison 2027 geebnet hat. Vor diesem Hintergrund muss KTM möglicherweise seine Vorgehensweise überdenken und die Beziehungen zu seinen Spitzenfahrern wieder aufbauen, wenn es das österreichische Unternehmen vermeiden will, dass die Fahrersuche in Zukunft noch schwieriger wird.

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