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Wie der Ukraine ein Befreiungsschlag im Donbass gelang

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Operation Vivaldi: Wie der Ukraine ein aufsehenerregender Schlag gegen Russland gelang

Von: Nail Akkoyun

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Erstmals seit drei Monaten gelingen der Ukraine wieder massive Geländegewinne. Eine Kombination aus massiver Funkstörung, Drohnen und Bodenrobotern ermöglichte die Operation Vivaldi.

Lyman

Kiew – Die ukrainische Gegenoffensive im Donbass verschiebt erstmals seit Monaten wieder das Kräfteverhältnis an den Frontlinien: Nach einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Basis von Daten des US-Instituts Institute for the Study of War (ISW) erzielte die ukrainische Armee im September einen Netto-Gebietsgewinn von rund 80 Quadratkilometern – die erste positive Geländebilanz seit drei Monaten.

Den mit Abstand größten Erfolg verzeichneten die ukrainischen Streitkräfte dabei in der östlichen Region Donezk: Im Zuge der Anfang September gestarteten Operation Vivaldi eroberte Kiew laut ISW-Daten allein dort 172 Quadratkilometer zurück. Ukrainische Militärangaben sprechen inklusive der monatelangen Vorbereitungsphasen sogar von bis zu 270 Quadratkilometern befreitem Terrain. Präsident Wolodymyr Selenskyj reiste persönlich an die Front nahe der Eisenbahnstadt Lyman, um die beteiligten Soldaten auszuzeichnen.

Trotz dieser Vorstöße bleiben die Frontlinien weitgehend festgefahren. Russland kontrolliert weiterhin rund 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets und rückte vor allem in Saporischschja und Sumy um rund 125 Quadratkilometer vor. Allerdings hat sich der russische Vormarsch nach den ISW-Schätzungen 2026 drastisch verlangsamt: Seit Jahresbeginn gewann Moskau durchschnittlich nur noch 15,5 Quadratkilometer pro Monat hinzu – im Jahr 2025 waren es noch rund 405 Quadratkilometer monatlich.

Taktische Revolution: Warum die russischen Truppen „blind und taub“ waren

Strategisches Hauptziel von Vivaldi war es, den russischen Frontkeil nördlich von Lyman zu zerschlagen und die drohende Einkesselung des ukrainischen Festungsgürtels Slowjansk–Kramatorsk abzuwenden. In einem Interview mit der Welt gab der Kommandeur des zweiten mechanisierten Bataillons der 125. Brigade – Rufname „Darwin“ – Einblicke in die neuartige Kriegsführung an vorderster Front:

„Die Grundlage des Erfolgs war die elektronische Kriegsführung. Wir haben dafür gesorgt, dass die Russen blind und taub waren. Sie hatten kaum noch Drohnen in der Luft – und jene, die sie hatten, sahen uns nicht, weil wir in der Lage waren, ihre Signale zu stören und auszuschalten. Sie haben uns nicht kommen sehen.“

Vor dem Hauptstoß schalteten die Einheiten verdeckt operierende russische Infiltrationsgruppen im Rücken der eigenen Truppen aus und beglichen die Frontlinie. Erst als das Störfeuer (Electronic Warfare, EW) die russische Funk- und Drohnenaufklärung vollständig gelähmt hatte, rückten die Verbände vor.

Drohnen-Mutterschiffe und „Zombie-Autos“

Klassische Panzervorstöße wurden durch eine enge Verzahnung von Infanterie, Spezialkräften und Robotik ersetzt:

Bodendrohnen per Lufttransport: Wie Kommandeur Darwin im Welt-Interview schildert, transportierten schwere Drohnen unbemannte Bodenfahrzeuge (UGVs) hinter die feindlichen Stellungen, die dort ferngesteuert mit Maschinengewehren angriffen.

Fernlenk-Fahrzeuge („Zombie-Autos“): Nach früheren Berichten über die Donbass-Offensive kamen in dem Frontabschnitt zudem umgebaute, ferngesteuerte Schützenpanzer und Zivilfahrzeuge zum Einsatz – sogenannte „Zombie-Autos“, die unbemannt mit Sprengstoff beladen gegen russische Bunker gelenkt wurden.

Elektronische Kampfführung: Gezielte Störsender blendeten die russische Drohnenaufklärung, sodass die ukrainischen Truppenbewegungen unentdeckt blieben.

In vier Phasen zum Erfolg: Die „Vier Jahreszeiten“

Kommandeur Darwin bestätigte im Welt-Gespräch, dass die Offensive in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen geführt wird. Nach Angaben der ukrainischen Militärführung unter Brigadegeneral Andrij Bilezkyj war der Vormarsch – in Anlehnung an Antonio Vivaldis Werk – in vier Abschnitte unterteilt:

Phase 1: Befreiung von 85 km² und der Siedlung Serednje.

Phase 2: Rückeroberung von Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe (+49 km²).

Phase 3: Einnahme von Nowe, Ridkodub und Kateryniwka; über 250 russische Soldaten gerieten in Gefangenschaft.

Phase 4: Sicherung strategischer Anhöhen und Rückdrängung der russischen Verbände an den Fluss Tschornyj Scherebez.

„Die Operation läuft noch“, betonte Darwin. Es gehe darum, die Strukturen der russischen Armee so nachhaltig zu zerstören, dass er dauerhaft handlungsunfähig bleibe.

Abrechnung mit westlichen Militärs: „NATO-Doktrin ist zu alt“

Mit deutlichen Worten mahnte Darwin, dass westliche Verbündete wie Deutschland die Lehren aus den Gefechten im Donbass dringend analysieren müssten: Die meisten Länder wollten gar nicht von Kiew lernen, das sei ihr großer Fehler. Die Strategien der NATO‑Partner seien „viel zu gestrig“, überhaupt sei die „NATO-Doktrin zu alt, um heute noch effektiv auf dem Schlachtfeld zu sein“.

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