Wie Deutschland mit Entwicklungshilfe BlackRock reich macht
Der Senegal liegt unserem Bundeskanzler sehr am Herzen. Nein, nicht was Sie vielleicht denken, lieber Leser: Friedrich Merz ist nicht stolz auf das afrikanische Land, weil es gerade bei der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden ist. Deutschlands Regierungschef denkt da in größeren Kategorien: „Wenn Sie das Schicksal dieser Menschen sehen, dieser Region sehen, dann verstehen Sie, wie wichtig es ist, dass ein wohlhabendes Land wie die Bundesrepublik Deutschland auch dazu beiträgt, dass sich diese Regionen auf der Welt stabil entwickeln können.“ So sprach Merz vor wenigen Tagen im Bundestag. Damit verteidigte er die durchaus üppige Entwicklungshilfe, die wir dem Senegal schon überwiesen haben – und, da ließ Merz keinen Zweifel, auch weiter überweisen werden: „Das werden wir auch in Zukunft fortsetzen.“ Allein für das Jahr 2023 geht es um satte 288 Millionen Euro. Die hatte schon die Ampel im selben Jahr zugesagt. Merz hält daran fest und will die Zusammenarbeit ausbauen – was bedeutet: den Geldfluss erhöhen. Obwohl mehr als nur zarte Zweifel angebracht sind, was die Menschen vor Ort eigentlich davon haben. Bergbau-Multi profitiert Von den deutschen Euros sind 170 Millionen für Projekte der „gerechten Energiewende“ (Just Energy Transition Partnership, JETP) im Senegal gedacht. Das schreibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die restlichen 118 Millionen Euro bekommt als direkte Budgethilfe der senegalesische Staatshaushalt. Damit kann die Regierung in Dakar also machen, was sie will. Bei seinem Besuch in Berlin hat Präsident Bassirou Diomaye Faye kürzlich gesagt, dass viel Geld in „Infrastrukturprojekte“ fließt. Es lohnt sich, da genauer hinzusehen. Das größte Infrastrukturprojekt des Landes ist die Fernstraße Labé-Fongolembi. Sie beginnt im Nachbarstaat Guinea. Vor allem schafft die 240 Kilometer lange Asphaltstrecke im senegalesischen Abschnitt einen Zugang zu einem großen Bergbauprojekt. Das besteht aus zwei Minen, die von der verbesserten Anbindung an den Transportkorridor extrem profitieren. Betreiber beider Minen ist der Goldproduzent Endeavor Mining Plc. aus London. Für den Multi ist das ein mehr als gutes Geschäft. Denn welchen Anteil an den Kosten des Straßenbaus übernimmt der Konzern? Sie ahnen es: null. Nun könnte man denken, dass Dakar über die Unternehmensgewinne von der ganzen Sache profitiert. Falsch gedacht. An der Mine selbst hält der Staat lediglich zehn Prozent. Und wie viele Anteile, direkt oder indirekt, hält der Senegal an der Muttergesellschaft Endeavour Mining? Sie ahnen es: null. Der Konzern wird von institutionellen Anlegern beherrscht, von Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern. Eine besondere Pointe liefert der größte Anteilseigner von Endeavour Mining. Wie heißt der nämlich? BlackRock. Real existierender Entwicklungswahnsinn Der deutsche Steuerzahler subventioniert also mit dreistelligen Millionenbeträgen über die Entwicklungshilfe für den Senegal eine Straße, von der vor allem ein Bergbauprojekt profitiert, das einem Konzern gehört, an dem der Senegal gar keine Anteile hat und der sich selbst am Straßenbau überhaupt nicht beteiligt. Und die Gewinne streicht am Ende BlackRock ein. Noch Fragen?