Wie gefährlich ist er wirklich?
Startseite Politik Russlands neue Superwaffe kostet 5 Milliarden Dollar – doch Militär-Experten finden einen Haken Von: Tim Krüger Uns auf Google folgen Der Atomkreuzer „Admiral Nachimow“ hat seine Erprobungsfahrten in der Arktis abgeschlossen – doch Militäranalysten zweifeln am strategischen Kalkül. Nach fast drei Jahrzehnten im Dock und einem historisch einmaligen Modernisierungsaufwand hat der atomgetriebene schwere Raketenkreuzer „Admiral Nachimow“ seine ersten Erprobungsfahrten in den arktischen Gewässern Russlands abgeschlossen und ist in den Heimathafen Seweromorsk zurückgekehrt. Russische Staatsmedien feiern das Schiff als das weltweit am stärksten bewaffnete Kampfschiff, das kein U-Boot sei. Eine nüchterne militärpolitische Einordnung zeichnet jedoch ein deutlich vielschichtigeres Bild. Der Kreuzer der Kirow-Klasse wurde 1988 von der Sowjetunion in Dienst gestellt und 1997 nach nur neun Dienstjahren wegen technischer Mängel und eklatantem Finanzmangel außer Betrieb genommen und 1999 in die Sewmasch-Werft verlegt. Was als routinemäßige Instandsetzung begann, entwickelte sich über weit mehr als zwei Jahrzehnte zu einem der aufwändigsten Rüstungsprojekte der russischen Marinegeschichte. Ursprünglich sollte die Übergabe des modernisierten Kreuzers im Jahr 2018 erfolgen; nach mehrfachen Verschiebungen – zunächst auf 2021, dann auf 2023 – konnten erst 2025 die ersten Hochseeerprobungen beginnen. Historisches Werftprojekt um „Admiral Nachimow“ übertrifft alle Kostenschätzungen Die finanziellen Dimensionen des Projekts klingen bemerkenswert. Der ursprüngliche Modernisierungsvertrag aus dem Jahr 2013 war auf rund 50 Milliarden Rubel veranschlagt. Bis zum Beginn der See-Erprobungen stiegen die Kosten auf geschätzte 200 Milliarden Rubel – was je nach Wechselkurs und Berechnungsgrundlage etwa 1,24 bis 2,5 Milliarden US-Dollar entspricht. Westliche Analysten wie das Fachportal Hartpunkt beziffern die Gesamtkosten unter Einschluss der Werftinfrastruktur auf bis zu fünf Milliarden US-Dollar. Die technische Modernisierung war tiefgreifend. Die gesamte sowjetische Elektronik, analoge Kabelstränge sowie die originalen Waffensilos wurden entfernt. Das Herzstück der Offensive bilden nun zehn universelle UKSK-Startmodule (moderne, flexibel bestückbare Abschussrampen unter Deck) auf dem Vorschiff mit insgesamt 80 Vertikalstartzellen, die flexibel mit der Hyperschallrakete 3M22 Zirkon, der Überschallrakete P-800 Oniks sowie Kalibr-Marschflugkörpern bestückt werden können. Hinzu kommen 96 Startzellen für ein seetaugliches S-400-Flugabwehrsystem sowie mehrere Pantsir-M-Nahbereichssysteme – insgesamt verfügt der Kreuzer über 174 bis 180 Startzellen. Ein Hybridantrieb aus zwei Atomreaktoren und konventionellen Dampfkesseln mit je 150 Megawatt Leistung sichert dem Schiff eine theoretisch unbegrenzte Reichweite bei Geschwindigkeiten von bis zu 32 Knoten. Strategische Rolle der „Admiral Nachimow“ Der Heimathafen Seweromorsk im Nordwesten Russlands, nahe der Grenze zu Norwegen und Finnland, ist für Moskau von erheblicher strategischer Bedeutung: Der Hafen bleibt dank der Ausläufer des Golfstroms ganzjährig eisfrei und gewährt direkten Zugang zur Barentssee und zum Nordatlantik. Die operative Hauptaufgabe der „Admiral Nachimow“ liegt innerhalb des russischen Bastion-Konzepts im Schutz der maritimen nuklearen Abschreckungskomponente. Der Kreuzer soll mit seinem Flugabwehrschirm und seinen Anti-U-Boot-Kapazitäten gegnerische Jagd-U-Boote und NATO-Aufklärungsflugzeuge auf Distanz halten. Dennoch führt die Reaktivierung zu keinem quantitativen Aufwuchs der schweren russischen Überwasserstreitkräfte. Das unmodernisierte Schwesterschiff „Pjotr Weliki“ wird nach dem Einrücken der „Admiral Nachimow“ laut dem Fachportal Zona Militar voraussichtlich ausgemustert oder abgewrackt. Russland tauscht somit eine veraltete gegen eine modernisierte Plattform aus, ohne seine Kapazitäten im Segment schwerer Kampfschiffe zu erweitern. Schwächen trotz beeindruckender Bewaffnung Militäranalysten weisen zudem auf erhebliche operative Risiken hin. Die Versenkung des Kreuzers „Moskwa“ – des damaligen Flaggschiffs der Schwarzmeerflotte – im April 2022 hat die Anfälligkeit von Großkampfschiffen gegenüber der Kombination von modernen Anti-Schiff-Waffen und unbemannten Systemen eindrücklich demonstriert. Die „Admiral Nachimow“ bündelt einen außerordentlich hohen finanziellen und militärischen Wert in einem einzigen Rumpf.