Wie gefährlich ist Hitze für das Gehirn? Neurologe erklärt die Risiken
Schwindel und Konzentrationsprobleme Was Hitze mit unserem Gehirn macht Stand: 13.08.2026 17:14 Uhr Hitze macht nicht nur schlapp – sie belastet auch unser Gehirn. Weil bei hohen Temperaturen weniger Blut, Sauerstoff und Mineralstoffe im Kopf ankommen, kann es zu Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen kommen. Im Extremfall wird sogar die Blut-Hirn-Schranke durchlässig. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen, etwa mit Demenz. von MDR WISSEN/IZ/pm Extreme Hitzewellen sind eine Belastung für den menschlichen Körper. Der ein oder andere merkt das am Kreislauf – aber auch für unser Gehirn ist der Hitzesommer, den wir gerade erleben, eine Herausforderung. Was manche möglicherweise als "matschiges" Gefühl im Kopf kennen, ist das Resultat großer Anstrengungen, die unser Körper leistet, um bei höheren Temperaturen funktionsfähig zu bleiben. Wenn die Außentemperatur steigt, befördert der menschliche Kreislauf das Blut verstärkt in äußere Körperbereiche, um sich abzukühlen. Allerdings gelangt dafür dann weniger Blut in die inneren Organe. Dr. Wenzel Glanz ist Neurowissenschaftler und leitender Arzt der gemeinsamen Gedächtnissprechstunde von DZNE und Universitätsklinik für Neurologie Magdeburg. Er erklärt: "Das Gehirn wird weniger durchblutet, erhält also weniger Sauerstoff und Nährstoffe." Durch die Erweiterung der Blutgefäße könne zudem der Blutdruck abfallen. Auch der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen könne diesen Effekt haben. Schwindel sei eine mögliche Folge. Elektrolytverlust kann kurzfristig zu Stress führen Wenn wir bei höheren Temperaturen stärker schwitzen, verlieren wir dabei auch Mineralstoffe. Der Anteil dieser Mineralstoffe im Schweiß ist vergleichsweise gering. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nehmen wir über die Nahrung in der Regel ausreichend Mineralstoffe zu uns, sodass der Körper längerfristig immer wieder den Optimalzustand herstellen kann. Für das Gehirn ist dieses Gleichgewicht essenziell, schon kurzfristige Schwankungen können uns beeinträchtigen. Wenzel Glanz erklärt das so: "Die Funktion beruht ja auf der Aktivität von Nervenzellen, die innerhalb von Netzwerken elektrische Signale austauschen. Dafür ist ein fein austariertes Gleichgewicht verschiedener Elektrolyte erforderlich." Gerate das Gleichgewicht durcheinander, führe das zu Konzentrationsstörungen, das Denken falle schwerer. Wer in der sommerlichen Hitze plötzlich Kopfschmerzen bekommt, könnte sich außerdem einen Sonnenstich zugezogen haben. "Dabei werden die Hirnhäute gereizt und können anschwellen", sagt der Neurowissenschaftler. Die Hirnhäute sind drei dünne Schichten aus Gewebe, die zwischen dem Schädelknochen und dem eigentlichen Gehirn liegen. Sie schützen das Gehirn und das Rückenmark vor Stößen. Anders als das Gehirn selbst seien diese Hirnhäute äußerst schmerzempfindlich, erklärt Wenzel Glanz. Die Blut-Hirn-Schranke wird bei extremer Hitze durchlässiger Im Extremfall stellt die Hitze zudem eine Gefahr für die sogenannte Blut-Hirn-Schranke dar. Bei starker Überhitzung oder einem Hitzschlag wird sie durchlässiger. Eigentlich hat die Blut-Hirn-Schranke eine enorm wichtige Schutzfunktion. Wird sie durchlässiger, können Schadstoffe und Flüssigkeit in das empfindliche Gewebe des Gehirns eindringen. Das kann zu Entzündungen und gefährlichen Schwellungen im Kopf führen. Interessanterweise reagieren aber auch die Botenstoffe des Gehirns auf Hitze. "Es gibt Hinweise auf eine erhöhte Serotoninfreisetzung im Gehirn bei Überhitzung, die auf eine verstärkte Aktivität des Serotoninsystems im Gehirn zurückzuführen ist", erklärt Wenzel Glanz. Serotonin bildet der Körper sowohl im Gehirn als auch im Rest des Körpers, etwa im Darm. Wie genau es zu der erhöhten Freisetzung des Botenstoffes bei Hitze kommt, ist noch nicht abschließend geklärt, aber: Serotonin verändert diverse Stoffwechselprozesse. "Es beeinflusst etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Impulskontrolle." Wie Hitze das serotonerge System verändere, sei jedoch komplex und bislang nicht vollständig geklärt, sagt Glanz. Menschen mit Demenz sind gefährdet Auch für das Gehirn ist es dementsprechend wichtig, bei Hitze vorsichtig zu sein. Also ausreichend trinken und im Schatten zu bleiben. Menschen mit bestehenden Erkrankungen sollten hier besonders auf sich achten. Wenzel Glanz betont: "Bei Hitze steigt für Menschen mit Demenz das Risiko für ein Delir, das ist ein Zustand extremer Verwirrtheit. Und falls sie bei Hitzeperioden für längere Zeit zu Hause bleiben, weil es dort kühler ist, kommen Kontakte zu anderen Menschen zu kurz." Diese soziale Isolation könne sich ebenfalls negativ auf die Psyche auswirken.