Wie Honig dein Cholesterin und deinen Blutzucker verbessern kann
Honig gehört in den meisten Haushalten ins Regal, irgendwo zwischen Marmelade und Teebeutel. Er landet im Frühstücksjoghurt, wird bei Halsschmerzen gelöffelt oder in die Erkältungstasse gerührt. Dass er dabei mehr leistet, als den Tee ein bisschen süßer zu machen, zeigt eine Studienauswertung aus Kanada, die 2022 im Fachmagazin Nutrition Reviews erschienen ist. Die Forschenden des Clinical Nutrition and Risk Factor Modification Centre in Toronto werteten 18 Studien mit insgesamt 1.105 Teilnehmenden aus. Ihr Befund: Regelmäßiger Honigverzehr kann Blutzucker- und Cholesterinwerte messbar verbessern. Das klingt überraschend für ein Lebensmittel, das zu rund 80 Prozent aus Zucker besteht. Und genau das war auch der Ausgangspunkt der Forschenden. Studienautor John Sievenpiper brachte es in einer Pressemitteilung der Universität Toronto auf den Punkt: „Unter Gesundheits- und Ernährungsexperten hat sich die Annahme etabliert, dass Zucker gleich Zucker ist.“ Die Ergebnisse würden jedoch zeigen, dass das nicht der Fall sei. Zucker ist also offenbar nicht gleich Zucker, zumindest nicht, wenn er im Bienenstock verarbeitet wurde. Was die Auswertung konkret gemessen hat Die Forschenden aus Toronto schauten sich nicht nur einen Wert an. Im Fokus standen Blutzucker, Blutdruck, Harnsäure, Entzündungsmarker und Fettstoffwechselwerte. Das zentrale Ergebnis: Bereits eine tägliche Menge von rund 40 Gramm, das entspricht etwa zwei Esslöffeln, über einen Zeitraum von acht Wochen zeigte in mehreren Bereichen positive Veränderungen. Wie auch „t-online“ berichtete, kann Honig als Teil des täglichen Speiseplans dazu beitragen, Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Diabetes vorzubeugen. ANZEIGE ANZEIGE Konkret sank die Nüchternglukose, also der Blutzuckerwert im leeren Magen, ein Wert, der bei dauerhaft erhöhten Zahlen auf eine Vorstufe von Diabetes hinweisen kann. Gleichzeitig ging die Konzentration des LDL-Cholesterins zurück. LDL steht für Low Density Lipoprotein und wird oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet, weil zu viel davon im Blut die Arterien angreifen und das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen kann. Und noch ein dritter Wert entwickelte sich positiv: Das HDL-Cholesterin stieg an. HDL, also High Density Lipoprotein, transportiert überschüssiges Cholesterin aus Gewebe und Arterienwänden zurück zur Leber, wo es ausgeschieden werden kann. Es gilt als schützend für das Herz-Kreislauf-System. Nicht jeder Honig ist gleich wirksam Wer jetzt zum nächstbesten Supermarkt-Honig greift, sollte einen Moment innehalten. Denn die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Sorten. Nicht alle Honigsorten produzierten die gleichen Effekte, und das ist eine wichtige Einschränkung, die beim Lesen der Schlagzeilen gerne unter den Tisch fällt. Laut dem in „Fitbook“ ausführlich analysierten Bericht zur Studie schnitten folgende Sorten besonders auf: Kleehonig und Rohhonig zeigten Verbesserungen beim Nüchternblutzucker. Robinienhonig und Kleehonig wurden mit einer Senkung von LDL- und Gesamtcholesterin in Verbindung gebracht. Die Studienautoren formulierten es so: „Honig, insbesondere Robinien-, Klee- und unverarbeiteter Rohhonig, kann die Blutzuckerkontrolle und die Lipidwerte verbessern, wenn er im Rahmen einer gesunden Ernährung konsumiert wird.“ Gleichzeitig betonten sie, dass weitere Untersuchungen notwendig seien, etwa zur Herkunft der Blüten und zur Art der Verarbeitung. Besonders empfehlenswert sind laut den Studienautoren reine Sortenhonige, also solche, die aus dem Nektar einer einzigen Pflanzenart gewonnen werden: Robinien-, Lavendel- oder Lindenhonig gehören dazu. Viele günstige Supermarktprodukte bestehen dagegen aus einem Mix verschiedener Blüten und Honigtau, einer zuckerhaltigen Ausscheidung von Insekten, und zeigten in der Auswertung schwächere Effekte. Warum du Honig niemals in heißen Tee rühren solltest Auch die Verarbeitung spielt eine entscheidende Rolle. Pasteurisierter Honig, also stark erhitzter Honig, der im Handel häufig vorkommt, enthält nur noch geringe Mengen der wertvollen natürlichen Inhaltsstoffe. Das gilt auch für die heimische Küche: Studienautor Tauseef Khan empfiehlt, Honig grundsätzlich nicht zu erhitzen. Wer ihn in heißen Tee rührt, zerstört damit nahezu alle positiven Eigenschaften. Besser geeignet sind kühle oder raumtemperierte Zubereitungen: ein Löffel Honig im Joghurt am Morgen, als Dressing in einem Salat oder einfach direkt auf dem Brot. Auch Naturjoghurt mit ein wenig Rohhonig und Nüssen ist eine alltagstaugliche Option, die sich leicht in jede Ernährungsroutine integrieren lässt. So setzt du Honig alltagstauglich ein Der entscheidende Punkt aus der Studie lautet: Honig als Ersatz, nicht als Zusatz. Wer bereits viel Haushaltszucker, Sirup oder andere Süßungsmittel konsumiert, kann davon profitieren, diese durch Honig zu ersetzen. Wer seinen Zuckerkonsum ohnehin gering hält, sollte nicht anfangen, zusätzlich Honig zu essen, nur weil er als gesünder gilt. Ein paar konkrete Orientierungspunkte für deinen Alltag: Menge im Blick behalten: Die Studien, die positive Effekte zeigten, arbeiteten mit etwa 40 Gramm täglich, verteilt über acht Wochen. Das entspricht ungefähr zwei gehäuften Esslöffeln. Sorte bewusst wählen: Greif zu Robinien-, Klee- oder naturbelassenem Rohhonig, wenn du dich an den Studienergebnissen orientieren möchtest. Nicht erhitzen: Kalt genießen, nicht in heiße Getränke rühren. Ernährungsrahmen beachten: Die positiven Effekte wurden bei Menschen mit insgesamt gesundheitsbewusstem Lebensstil beobachtet. Honig ist kein Allheilmittel, aber ein sinnvoller Baustein. Honig als Hausmittel: Was medizinisch wirklich belegt ist Abseits der Blutzucker- und Cholesterindebatte hat Honig eine lange Geschichte als Hausmittel, die teilweise gut belegt ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl bereits 2001 Honig als mögliche Behandlungsoption bei Erkrankungen der oberen Atemwege bei Kindern ab einem Jahr. Spezieller Medizinhonig, bekannt unter dem Namen „Medihoney“, wird außerdem in Kliniken zur Wundheilung eingesetzt, weil er dabei helfen soll, abgestorbenes Gewebe schneller abzustoßen und den Heilungsprozess zu fördern. Dr. Rainer Stange, Experte für Naturheilverfahren und Komplementärmedizin am Immanuel Krankenhaus Berlin, bestätigte gegenüber „Fitbook“: „Die beiden großen Einsatzgebiete sind Infektabwehr und Wunden.“ Und weiter: „Schlecht heilende Wunden von Diabetikern bekommt man mit Honig eventuell zu.“ Er wies dabei aber auch darauf hin, dass Forschungsgelder stärker in die Entwicklung von Medikamenten fließen als in die Untersuchung von Naturheilmitteln wie Honig, weshalb vieles noch nicht abschließend erforscht sei. Wie belastbar sind die Studienergebnisse wirklich? Ein ehrlicher Blick auf die Einschränkungen gehört dazu. Die Forschenden räumten selbst ein, dass es sich bei vielen Studienteilnehmenden um Personen mit insgesamt gesundheitsbewusstem Lebensstil handelte. Das macht es schwierig zu sagen, wie groß der Anteil des Honigs an den positiven Werten wirklich war. Außerdem konnten die optimistischen Befunde in einem zweiten Studienteil nicht vollständig bestätigt werden: Bei einigen Probandengruppen zeigte Honig keinen messbaren positiven Effekt, immerhin aber auch keinen schädlichen. Was bleibt: Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch nicht abgeschlossen. Wer Honig als bewussten Teil einer ausgewogenen Ernährung nutzt, die richtige Sorte wählt und ihn nicht erhitzt, macht zumindest nichts falsch. Und hat dabei vielleicht sogar einen kleinen Vorteil für Herz und Stoffwechsel.