Wie in Rastatt der Wald der Zukunft aussehen soll
Hitze, Trockenheit und die Frage, welche Bäume künftig im Stadtwald wachsen: Bei der Premiere des Rastatter Waldtags haben Besucherinnen und Besucher am Samstag erfahren, wie sich die Forstwirtschaft auf veränderte Klimabedingungen einstellt. Die Stadt Rastatt und das Forstamt des Landkreises hatten die Veranstaltung gemeinsam organisiert.
Im Sommer 2026 haben hohe Temperaturen und vor allem extreme Trockenheit dem Stadtwald zugesetzt. „Es war der trockenste Sommer seit vielen Jahren“, berichtete Stadtförster Uwe Kirst. Eine wichtige Antwort auf Hitze und Trockenheit ist aus Sicht der Forstleute mehr Vielfalt: Das Forstamt arbeitet seit Jahren daran, die Bestände zu artenreicheren, klimastabileren Mischwäldern umzubauen.
Ein Wald, der überwiegend aus einer einzigen Baumart besteht, kann besonders anfällig sein.
Uwe Kirst
Stadtförster
„Ein Wald, der überwiegend aus einer einzigen Baumart besteht, kann besonders anfällig sein, wenn sich die Bedingungen verändern oder Schädlinge ausbreiten“, sagte Kirst. Da Baumarten unterschiedlich auf Trockenheit, Hitze und Krankheiten reagieren, kann ein vielfältiger Bestand das Risiko verringern, dass große Flächen gleichzeitig Schaden nehmen.
Mehr Baumarten aus der Mittelmeerregion
Für den Wald der Zukunft setzen die Forstleute zunehmend auf Baumarten, die bislang eher in der Mittelmeerregion heimisch sind, darunter Baumhasel und Zerreiche. Auch Speierling und Vogelkirsche vertragen Trockenheit gut.
Zudem gewinnen Arten an Bedeutung, die statt 40 Metern nur 25 oder 30 Meter hoch werden. Kleinere Bäume können Wasser in Trockenperioden leichter bis in die Krone transportieren.
Besonders gefährdet ist die nächste Waldgeneration. Jungen Bäumen fehlt noch ein weitreichendes Wurzelsystem. Deshalb erreichen sie Wasser oft schlechter als ältere Bäume, weshalb sie in trockenen Sommern absterben können – unabhängig davon, ob sie gepflanzt wurden oder natürlich aufgewachsen sind. Umso wichtiger sind geeignete Standorte, die Auswahl der Baumarten und die Pflege der Jungbäume.
Einblicke in Pflege und Bewirtschaftung des Waldes
Auf einem rund drei Kilometer langen Rundweg erhielten die Gäste an 25 Stationen Einblicke in die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes. Sie erfuhren, welche Bedeutung die Artenvielfalt hat, lernten Wildtiere wie Marderhund und Goldschakal kennen und konnten selbst aktiv werden. Zum Programm gehörten außerdem moderne Forsttechnik, Naturschutz sowie die Arbeit von Feuerwehr und Rettungshundestaffel.
Bei Kindern waren vier Kugelbahnen besonders beliebt, die die Auszubildenden des Rastatter Forstamts selbst gebaut hatten. „Das macht total Spaß“, berichtete der sechsjährige Felix, der mit der ganzen Familie zum Waldtag gekommen ist. Seine Schwester Mara fand vor allem die verschiedenen Bastelaktionen gut, während sein Bruder Moritz vom Einsatz verschiedener Drohnen begeistert war. Die Feuerwehr und die Kitzrettung der Jäger zeigten live vor Ort, wie sie Drohnen einsetzen. Hier erfuhren die Besucher, wie wichtig moderne Technik auch im Wald ist und wo sie die Menschen gezielt unterstützt.
Kinder dürfen selbst aktiv werden
Waldpädagogen stellten ihr Angebot mit rund 180 Aktionen pro Jahr im Landkreis Rastatt vor, das Infozentrum Kaltenbronn zeigte sein breit gefächertes Jahresprogramm und die Forstbetriebe demonstrierten, wie aus einem Baum Brennholz wird.
An manch einer Station durften die Kinder selbst mitmachen. Dazwischen berichteten Jäger von ihrer Arbeit. So erfuhren die Besucher, dass sich Schwarzwild in den vergangenen Jahren wegen milder Winter stark ausgebreitet habe. Entsprechend wichtig sei die Jagd, da Wildschweine sonst unter anderem landwirtschaftlich genutzte Felder zerstörten. Kinder konnten sich von Suchhunden der Rettungshundestaffel aufspüren lassen. Beeindruckend für Jugendliche waren die großen Geräte, die zur Waldpflege eingesetzt werden.
Der Wald ist nicht zuletzt Rückzugs- und Erholungsort für die Menschen.
Monika Müller
Oberbürgermeisterin
Oberbürgermeisterin Monika Müller (SPD) erinnerte daran, dass der Wald weit mehr ist als ein Holzlieferant. „Er ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Holzlieferant und nicht zuletzt Rückzugs- und Erholungsort für die Menschen“, sagte sie.
Ein Waldtag-Quiz, bei dem es unter anderem Holz aus dem Rastatter Stadtwald zu gewinnen gab, sowie frische Wildschweinsteaks und -würstchen – natürlich mit Fleisch aus dem Rastatter Stadtwald – rundeten das bunte und abwechslungsreiche Programm des ersten Rastatter Waldtags ab. Uwe Kirst zog im Anschluss ein positives Fazit der Veranstaltung und freute sich über die gute Resonanz – vor allem bei Familien. Eine Neuauflage der Aktion könne er sich gut vorstellen.