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Wie Konzentration hilft

Gesundheit

Ob Mückenstich oder Brennnesselkontakt: Wenn die Haut juckt und brennt, bloß nicht kratzen! Macht’s nur schlimmer, weiß man ja. Sich mental auf eine solche Stelle zu konzentrieren, könnte allerdings genau den gegenteiligen Effekt haben und die Heilung beschleunigen. Darauf zumindest deutet eine Studie hin, die ein israelisches Forschungsteam kürzlich in Nature veröffentlichte.

Erstautorin Liron Rozenkrantz, die das Labor für Psychobiologie an der Bar-Ilan-Universität leitet, beschäftigt sich schon länger mit dem Placebo-Effekt. In diesem Bereich geht es bekanntlich um Scheinmedikamente, die wegen positiver Erwartungen und Erfahrungen mit „echter“ Medizin Wirkung entfalten können. Doch ob allein die Aufmerksamkeit auf einen erkrankten Körperteil schon eine Heilung fördern kann? Diese Frage wollte das Team mit drei Experimenten und 57 Proband:innen beantworten.

Die Forschenden verabreichten den Teilnehmenden eine kleine Dosis des körpereigenen Botenstoffs Histamin, der unter anderem auch bei allergischen Reaktionen beteiligt ist. „Ein einzelner Tropfen Histamin wird auf die Haut aufgetragen, gefolgt von einem oberflächlichen Einstich, damit es eindringen kann“, beschreibt Rozenkrantz das Prozedere. Als Folge bildete sich eine sichtbare lokale Entzündung, die etwa nach 15 bis 20 Minuten ihren Höhepunkt erreicht. Nach jeweils einer, drei, fünf, zehn, 15 und 20 Minuten dokumentierten die Forschenden das Ausmaß der Schwellung und Rötung.

Ein paar Tage später folgte eine zweite Runde. „Die Bedingungen waren bei beiden Gelegenheiten identisch – dieselbe Tageszeit, dieselbe Entzündung“, berichtet Rozenkrantz. Und bei beiden Terminen wurden die Teilnehmenden angehalten, sich auf einem Bildschirm abstrakte Formen anzuschauen. Im ersten Experiment sollten sie allerdings gleichzeitig – ohne den Blick vom Monitor abzuwenden – auf die durch die Entzündung hervorgerufenen Empfindungen achten. Im zweiten Experiment hingegen wurden die Teilnehmenden gebeten, sich auf die Formen auf dem Bildschirm zu konzentrieren und darüber nachzudenken, ob diese in der Realität existieren könnten.

Am Ende verglichen die Forschenden im Test für jede Person deren Reaktionen in den beiden Experimenten. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Beim Fokussieren auf die Entzündungsstelle zeigten rund 90 Prozent der Proband:innen schwächere Entzündungsreaktionen. Der Durchmesser der Schwellung betrug im Schnitt dreieinhalb Millimeter im Vergleich zu fünf Millimetern, wenn die Teilnehmenden abgelenkt waren, weil sie über die Formen auf dem Monitor nachdachten. Auch die Rötung fiel mit gut zehn gegenüber 14 Millimetern kleiner aus. Entsprechende Unterschiede zeichneten sich schon nach drei Minuten ab.

„Unsere Interpretation ist, dass das Gehirn, wenn es mehr Informationen aus der subjektiven Empfindung erhält, möglicherweise in der Lage ist, die Entzündung effektiver zu regulieren“, sagt Rozenkrantz. Auf das Wohlbefinden hingegen ergab sich ein paradoxer Effekt: Die Aufmerksamkeit auf die entzündete Stelle beschleunigte zwar die Heilung, das Jucken und Brennen wurde hingegen als intensiver empfunden.

Das Team wollte auch dieses Phänomen klären und betäubte in einer weiteren Versuchsreihe den Bereich um die Histamin-Eintrittsstelle herum. „Die Entzündung ist dieselbe Entzündung, und das von der Haut kommende Signal ist dasselbe Signal. Wir wollten das sensorische Signal abschwächen und sehen, ob sich dies auf die Regulierung der Reaktion auswirken würde“, erklärt Rozenkrantz. Die Tests zeigten, dass die Entzündung in diesem Fall zwar nicht ganz so zügig nachließ, aber immer noch schneller als unter Ablenkungsbedingungen.

Womöglich sei ein weiterer Signalweg beteiligt, der nicht ausschließlich von der Stärke des von der Haut kommenden Signals abhänge, vermutet die Forscherin. Dabei hat sie den Vagusnerv im Verdacht. Er verbindet Gehirn und Organe und kommuniziert auch mit dem Immunsystem. Seine Aktivität reguliert unter anderem die Produktion von Botenstoffen, die Entzündungen auslösen oder lindern können. Hinweise auf seinen Einfluss lieferten Messungen der sogenannten Herzfrequenzvariabilität, die als Maß für die Vagusnervaktivität gilt.

Die Variabilität der Herzfrequenz und damit mutmaßlich auch die Aktivität des Vagusnervs war höher, wenn die Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf den Arm richteten – unabhängig davon, ob die Stelle dabei betäubt worden war oder nicht. Ein Beweis sei das allerdings nicht, räumt Rozenkrantz ein. Dafür müssten weitere Experimente folgen, in denen man den Vagusnerv direkt stimuliere. Außerdem wollen die Forschenden noch klären, ob der Effekt auch bei anderen krankheitsähnlichen Manipulationen auftritt – und ob man ihn womöglich nutzen könnte, um Menschen mit echten Verletzungen oder nach Operationen zu helfen.

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