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Wie Kürzungen die humanitäre Hilfe verändern

Welt

Seit einer Woche ist Lukas Eichelter jetzt in Khartum. Das Bild, das sich ihm beim Anflug auf die kriegsgebeutelte Hauptstadt des Sudan geboten hat, hat sich dem 34-jährigen humanitären Helfer ins Gedächtnis gebrannt. "Wenn man hier landet, sieht man zerbombte Flugzeuge, die Stadt ist perforiert, also es schaut aus, als ob man mit einem Pfefferstreuer über die Stadt gegangen wäre und hätte jedes Gebäude gesprenkelt." Khartum sei komplett zerschossen. Eichelter ist für das Welternährungsprogramm seit Beginn des Jahres im Sudan im Einsatz. Er ist einer von vielen Helferinnen und Helfern, die an diesem 19. August 2026 Menschen in einer Krisenregion helfen zu überleben. Der Tag der humanitären Hilfe, der seit 2008 einmal im Jahr die Leistungen der Helfer würdigen soll, erinnert an die Explosion einer Autobombe vor dem UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003. Dabei wurden der damalige Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, und 21 weitere UN-Mitarbeiter getötet. Auch Eichelter kennt das flaue Gefühl im Magen. In seiner ersten Woche habe es in Khartum wieder Drohnenangriffe gegeben. Die Stadt ist mit Minen übersät. Nach Gaza ist der Sudan das Land, in dem die meisten Helfer getötet oder verletzt werden. Weltweit starben im vergangenen Jahr mehr als 350 Helferinnen und Helfer in Krisengebieten. "Wenn ihr nicht da wärt, dann würden wir verhungern" Der Sudan ist gut fünfmal so groß wie Deutschland. 20 Millionen Menschen sind allein in diesem afrikanischen Land von humanitärer Hilfe abhängig. Rund fünf Millionen Menschen haben so wenig zu essen, dass sie als extrem hungergefährdet gelten, erzählt der Mitarbeiter des Welternährungsprogramms. Doch weil überall auf der Welt die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt werden, können die Helfer im Sudan an mehr als drei Millionen Menschen nur noch die Hälfte der eigentlich nötigen Ration verteilen. "Eine Ration sind 2.100 Kalorien", erklärt Eichelter. "Das heißt, diese Menschen leben von 1.050 Kalorien am Tag, die sie von uns bekommen, und das hat ausschließlich Finanzierungsgründe." Die Aufgabe, die Rationskürzungen den Betroffenen mitzuteilen, sei inzwischen ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. "In Darfur hab ich einen alten Mann getroffen, der gesagt hat, wenn ihr nicht da wärt, dann würden wir verhungern." Bundesregierung kürzt humanitäre Hilfe drastisch In Deutschland ist die humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt angesiedelt. Im Haushalt 2025 war sie um die Hälfte auf rund 1,06 Milliarden Euro gekürzt worden. Auch in diesem Jahr steht nur wenig mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung, nach noch mehr als drei Milliarden Euro im Jahr 2022. Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, nennt die Einschnitte schmerzhaft, aber unvermeidbar. Trotzdem sei es in unserem ureigenen sicherheitspolitischen Interesse, notleidenden Menschen zu helfen. "Es ist in einer globalisierten Welt, sehr, sehr naiv zu denken, dass das uns nicht irgendwann einholt." Die CDU-Politikerin hofft nun auf das parlamentarische Verfahren, "dass es bei uns in Deutschland nochmal eine Schippe draufgibt, was die humanitäre Hilfe betrifft". Auch SPD-Politiker Lars Castellucci, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, sieht die Kürzungen kritisch, aber es gehe darum, das Geld so einzusetzen, dass es wirkungsvoll sei. Im humanitären System gebe es Reformbedarf. "Teilweise stehen sich Organisationen auf den Füßen in den Ländern, und die Programme sind nicht gut voneinander abgegrenzt, es gibt Doppelstrukturen." Die Mittelkürzung habe dazu geführt, dass die Staatengemeinschaft eine große Initiative für Reformen angestoßen habe. Deutschland unterstütze das intensiv. Kritik von den Grünen und der AfD Aus der Opposition kommt Kritik. "Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sollte nicht an der Stelle sparen, wo Menschen in Not unsere Hilfe brauchen", mahnt Boris Mijatovic, Außenpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen. Im Koalitionsvertrag steht wörtlich, dass die schwarz-rote Koalition die humanitäre Hilfe stärken werde. "Das tut sie nicht, und das halte ich für einen Fehler." Rainer Rothfuß, der menschenrechtspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, beschreibt die Kürzungen im humanitären Bereich als "hartes Signal". Die Hilfe vor Ort, wo Notlagen entstanden seien, sei die wichtigste Hilfe, sagt er. "Wenn die Hilfe vor Ort stimmt, dann wollen Menschen in der Regel auch nicht die Fernmigration und die Fernflucht, sondern sind dankbar, wenn ihr Land befriedet werden kann, denn Heimat ist unersetzbar." Wie wird die Hilfe jetzt gewichtet? Die Mittelkürzung hat dazu geführt, dass die Bundesregierung priorisieren muss. Das sieht auch Ralf Südhoff vom Thinktank "Center for Humanitarian Action" so, die entscheidende Frage sei aber, wonach priorisiert werde: "Geben wir jetzt die Hilfe den Menschen, die politisch aus unserer Sicht für uns am wichtigsten sind, oder die Länder oder Partner, wo wir Wirtschaftsinteressen verfolgen wollen? Oder gehen wir wie eine Ärztin, wie ein Arzt danach, wer braucht am dringendsten unsere Hilfe?" Früher habe das Zentrum die Bundesregierung sehr dafür gelobt, dass sie die Mittel sehr an der Not der Menschen orientiert vergeben habe. Das ändere sich jetzt massiv. Weltweit sind rund 300 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, und Lukas Eichelter, der seit acht Jahren beim Welternährungsprogramm als Helfer ist, will weiter mit anpacken. "Es geht hier ums Essen", sagt er. "In meinen Augen ist es skandalös, dass es immer noch Menschen gibt, die Hunger leiden. Dadurch fällt es mir relativ leicht, in der früh aufzustehen und zu versuchen, einen kleinen Beitrag zu leisten, diese Situation zu ändern."

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