Wie laden Menschen in China ihre E-Autos - und was können wir davon lernen?
Leserfrage: Wie laden Menschen in China ihre E-Autos? Über die Hälfte aller Neuwagen in China fahren elektrisch. Aber nur wenige Menschen haben eine Lademöglichkeit im eigenen Haus. Wo also laden Chinesen ihre E-Autos? Fahrzeuge werden in Turpan, China einem Hochtemperaturtest unterzogen. Die durchschnittliche Tagestemperatur in Turpan beträgt im Sommer 40 °C, die Oberflächentemperatur liegt bei 85 °C. Foto: imago images E-Autos sind in China weit verbreitet und inzwischen sogar beliebter als Verbrenner: Laut Daten des japanischen Branchendienstleisters Marklines wurden im April erstmals mehr E-Autos als Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor zugelassen: 580.000 Elektroautos versus 560.000 Verbrenner. Seither liegen E-Autos vorn und bauen ihren Vorsprung weiter aus. Die E-Autos sind besonders beliebt in großen chinesischen Metropolen, wo die Menschen allerdings nur selten ein Einfamilienhaus mit eigener Ladestelle haben. Wo also laden sie ihre Elektroautos? Die Antwort ist klar: vorwiegend an öffentlichen Ladesäulen. Denn China steht nicht nur beim Verkauf von E-Autos weltweit an der Spitze, sondern auch beim Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Über 20 Millionen öffentliche Ladepunkte gibt es schon in China. Ende 2027 dürften es schon rund 25 Millionen sein. Zum Vergleich: In der gesamten EU gibt es nur rund eine Million Ladepunkte. Deshalb kommen in der EU auf einen Schnellladepunkt über 40 E-Autos. In China müssen sich rechnerisch nur gut zehn Autos einen solchen Schnelllader teilen. China kann mit der Ladeinfrastruktur nach eigenen Angaben mehr als 40 Millionen Elektrofahrzeuge versorgen. Parallel zum Ausbau des Ladenetzes stieg die durchschnittliche Stromleistung pro öffentlicher Station auf knapp 50 Kilowatt. Das bedeutet, dass chinesische Autofahrer ständig und überall schnellladen können: beim Einkaufen, an der Autobahn, auf dem Firmenparkplatz. Automobilindustrie Chinas Batteriemacht überrollt die deutsche Autoindustrie von Stefan Hajek Noch lieber würden die chinesischen Autofahrer zu Hause laden. Der beliebteste Ort zum Laden ist laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger das eigene Haus. Doch in vielen Fällen ist das nicht möglich. Chinesische Wohnanlagen stammen oft aus einer Zeit, in der es noch keine E-Autos gab. Dementsprechend ist auch die Strom- und Parkplatzsituation in den Anlagen nicht immer darauf ausgelegt. Zugleich werden aber neue Lademöglichkeiten entwickelt. So können Anwohner ihr E-Autos in manchen Wohnanlagen auch mit einem ferngesteuerten Roboter aufladen, der per App gerufen werden kann. So kann auf einen festen, privaten oder geteilten Ladeplatz verzichtet werden. Darüber hinaus muss auf diese Weise kaum auf den Strom der Wohnanlagen zurückgegriffen werden. Ist der Roboter fertig, fährt er selbst zurück in seine Basisstation. Im Jahr 2024 gab es bereits 40 Firmen aus China, die solche mobilen Ladestationen herstellen. China hat sowohl im In- als auch im Ausland die Nase vorn Der chinesische Autobauer BYD hat zudem ein Schnellladesystem entwickelt, das eigenen Angaben zufolge nach fünf Minuten eine Reichweite von 470 Kilometern erreicht – mit einer Energieleistung von bis zu 1500 Kilowatt. Das verkürzt die Wartezeiten an Ladesäulen – man kann laden, so wie man einen Verbrenner betankt. Derzeit führt BYD eine Testphase durch, ein Datum für den landesweiten Start der sogenannten Superladestationen ist noch nicht bekannt. Auch in Deutschland hat der chinesische Autobauer vor Kurzem eine erste Station installiert: Bis Ende des Jahres sollen es in ganz Europa 3000 sein. Allerdings sind hierzulande bislang nur wenige Autos überhaupt damit kompatibel. Die meisten E-Autos können eine so hohe Stromleistung noch gar nicht aufnehmen. Alternativ können chinesische E‑Auto‑Besitzer Batteriewechselstationen nutzen. Dafür steuern sie Orte an, an denen die Batterie ihres Elektrofahrzeugs ein paar Minuten ausgetauscht wird. Der chinesische Autobauer Nio betreibt laut eigener Aussage fast 4000 solcher Stationen. Profitabel sind diese derzeit noch nicht, Analysten rechnen jedoch Ende 2026 erstmals mit einem Gewinn. Nio zufolge müssten in diesem Fall circa 60 bis 70 Akkus pro Tag gewechselt werden. Autokrise Der Ausverkauf der Auto-Dienstleister hat begonnen Accenture soll VW die Anteile am Ingenieur-Dienstleister IAV abkaufen. Die Porsche-Tochter MHP könnte an die indische Tata-Gruppe gehen. Was ist los bei Deutschlands Auto-Dienstleistern? von Henryk Hielscher Chinesische Autobauer haben nicht nur im Ausland im Bereich E-Mobilität klar die Nase vorn: Das Inland ist ihr wichtigster Absatzmarkt. Mit dem strategischen Ausbau der Ladeinfrastruktur hat die chinesische Regierung die Weichen dafür gestellt, diese Dominanz weiter auszubauen – zum Nachteil der deutschen Autobauer. Denn diese sind angesichts der starken Konkurrenz in und aus China zunehmend unter Zugzwang. Und wie funktioniert Laden hierzulande, wenn man keinen privaten Stellplatz besitzt? Ein Ansatz des deutschen größten Rüstungskonzerns Rheinmetall, um in Städten Platz zu sparen, ist die Entwicklung sogenannter Ladebordsteine. Anstelle von klassischen Ladesäulen können hier Ladepunkte in bestehende Bordsteine integriert werden. Dafür muss der Stecker zum Aufladen in einen Ladeanschluss am Boden eingeführt werden. Die neue Technologie ist bereits an Standorten wie Köln oder Dortmund im Einsatz. In Bamberg wird sie derzeit getestet. Laut Rheinmetall sind Ladebordsteine robuster, leichter zu warten und werden weniger schnell beschädigt. Allerdings sind sie derzeit noch teurer als Ladesäulen und können im Stadtbild schneller übersehen werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Laden über sogenannte urbane DC-Schnellladeparks, also Parkplätze, an denen circa vier bis sechs Schnellladestationen mit etwa acht bis zwölf Ladestationen vorhanden sind. Das vom Fraunhofer-Institut gestartete Pilotprojekt ist mittlerweile in mehreren Großstädten wie Stuttgart oder Karlsruhe zu finden. Hier werden Autos schnell geladen – abhängig vom Modell sind oft Ladezeiten von nur 15 bis 30 Minuten möglich. Befinden sich die Ladeparks in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten oder anderen Dienstleistungen, können E-Auto-Besitzer die Wartezeit zudem sinnvoll nutzen. Eine bundesweite Onlinebefragung von Fraunhofer ergab, dass in einem hypothetischen Szenario die Anzahl an Menschen, die sich die Anschaffung eines E-Autos vorstellen können, durch die Existenz von Schnellladeparks um mehr als 20 Prozent stieg. 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