Wie sich mit smarter Technik die Heizkosten senken lassen
Ein Heizungstausch und der Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem sind aufwändig und trotz staatlicher Förderung kostspielig. Vor allem für Mehrfamilienhäuser. Aber gerade dort sind viele Heizungen nicht gut eingestellt für den individuellen Bedarf und das Energiesparpotenzial entsprechend hoch. Genau an diesem Punkt setzt das hessische Start-up cosy.green mit seiner Alternative an, bestehende Heizungsanlagen digital zu optimieren. Denn mit einer Öl- oder Gasheizung im Keller lassen sich auch ohne bauliche Maßnahmen Heizkosten und CO2 sparen. Trotz einer drastischen Erhöhung des CO2-Preises für das Heizen mit fossilen Brennstoffen, die Experten mitten in der Heizperiode Anfang 2027 erwarten. Gutes fürs Klima tun und Geld sparen - wie das funktionieren soll, erklärt Gründer Alexander Hirsch: "Unser System verknüpft smarte Thermostate in den Wohnungen mit einer zentralen Steuerungseinheit im Heizungsraum und KI-Algorithmen." Alle Heizkomponenten in einem Netzwerk Der Einsatz digitaler Thermostate und intelligenter Heizungssteuerung ist nicht neu. "Doch bei herkömmlichen Heizsystemen reagieren Kessel, Thermostate und Pumpen isoliert voneinander", so Hirsch. Auch bestehende Smart-Home-Lösungen konzentrierten sich oft nur auf einzelne Wohnungen ohne Anbindung an den Heizkessel und ohne Blick auf das Gesamtgebäude. In Neubauten werden energieeffiziente und klimafreundliche Heizsysteme gleich mitgeplant. Doch das sogenannte Wohnmietgeschäft und die Optimierung von Bestandsheizungen war eine Marktlücke, die der hessische Unternehmer nun schließen will. Nach beruflichen Stationen bei einem schwedischen Kommunikations-Riesen und in der Tech-Energiebranche gründete er 2024 mit dem IT-Systemarchitekten Mikhail Gunkoff cosy.green. Im Jahr darauf kamen Kristina Kaplin als Expertin für Energie-Effizienz und Gabriel Nelle als Technologischer Leiter an Bord. Stadtverwaltung als Pilotkunde "Wir definieren für jedes Wohnobjekt das Einsparpotenzial und in welchen Etappen was erreicht werden kann. Erreichen wir die vereinbarten Ziele nicht, hat der Kunde ein Rücktrittsrecht von seinem Zehn-Jahresvertrag", erläutert Hirsch sein Geschäftsmodell. Derzeit hat das Start-up drei Pilotkunden mit insgesamt 50 Wohneinheiten, weitere 5.000 Einheiten sind bereits vertraglich vereinbart. Zu einem der ersten Kunden gehört die Stadtverwaltung in Langenselbold. Sie setzt die Technik von cosy.green seit einem halben Jahr in ihren zwei städtischen Wohngebäuden ein. Pro Wohnung zahlt die Stadt für das Jahresabo bei cosy.green 235 Euro. Diese Summe wird auf die jeweiligen Mieter umgelegt. Der zusätzliche Posten in der jährlichen Nebenkostenabrechnung lohnt sich. Durch die Einsparungen hätten sich diese Kosten bereits nach einem halben Jahr wieder ausgeglichen und es habe eine Rückzahlung von etwa 45 Euro pro Wohneinheit gegeben, berichtet Annika Bein, Klimaschutzmanagerin der Stadt Langenselbold. CO2 wird eingespart Durch das neue Steuerungs-Netzwerk in den beiden Wohngebäuden konnten insgesamt sieben Tonnen CO2 eingespart werden. Zum Vergleich: 560 Buchen müssen ein ganzes Jahr lang wachsen, um diese Menge an Kohlenstoffdioxid zu binden. Für Gründer Hirsch "ein erster wirtschaftlicher Meilenstein und ein Schritt für den Klimaschutz." Die Idee, bestehende Heizungen zu optimieren, sei enorm wichtig für das Gelingen der Energiewende", bestätigt Oliver Völksch, Energieberater der Verbraucherzentrale Hessen und betont: "Es geht aber nicht nur um eine Verbesserung der Energieeffizienz, also einer Energieeinsparung, sondern auch um eine Komfortsteigerung für die Nutzer der Gebäude." Bewohner-App für individuelles Wärme-Management Hier kommt die Bewohner-App als wichtiges Element des Steuerungssystems von cosy.green ins Spiel. Damit lässt sich per Handy die Temperatur in den einzelnen Räumen individuell steuern. Bleibt etwa das Wohnzimmer tagsüber ungenutzt, lässt sich die Heizung herunterregeln und vor der Nutzung wieder auf Wohlfühltemperatur bringen. Zusätzlich reagieren die intelligenten Thermostate auf geöffnete Fenster und schließen dann automatisch das Heizungsventil. Im Hintergrund verknüpft ein zentraler Heiz-Algorithmus die Daten der Thermostate, Nutzerangaben und Wetterdaten und passt die Heizungssteuerung in Echtzeit an. Nach Angaben des Unternehmens konnten die bisherigen Vertragspartner dadurch im Durchschnitt zwischen 25 und 29 Prozent Energie einsparen. "Im nächsten Winter wollen wir die 30-Prozent-Marke knacken", sagt Gründer Alexander Hirsch. Gegen Ende des Jahrzehnts will das hessische Start-up nach Großbritannien und Frankreich expandieren. "Neben Deutschland sind das die zwei schmutzigsten europäischen Länder in Bezug auf den CO2-Ausstoß."