Wie viele Menschen aus dem Osten sind in Spitzenpositionen? Neue Zahlen vom Elitenmonitor
Elitenmonitor
Geringfügige Verbesserung bei Menschen aus dem Osten Deutschlands in Spitzenpositionen
Stand: 24.08.2026 16:06 Uhr
Menschen aus dem Osten Deutschlands sind bislang in Spitzenpositionen weniger vertreten, als es ihrem Bevölkerungsanteil im Land entspricht. Forschende aus Sachsen und Thüringen zeigen jetzt anhand aktueller Analysen von Daten des Elitenmonitors: Eine kleine Verbesserung ist da, wenn auch marginal.
von MDR WISSEN/flo
Man muss schon sehr genau hinsehen, aber immerhin: Von gut elf auf etwas über zwölf Prozent ist der Anteil von Menschen aus dem Osten Deutschlands in Spitzenpositionen gestiegen, zeigt eine aktuelle Datenanalyse des Elitenmonitors der Universitäten Leipzig und Jena und der Hochschule Zittau-Görlitz. Die Forschenden verweisen aber auf große Unterschiede in den gesellschaftlichen Bereichen.
"Ost-Anteil": Anstieg bei Wissenschaft und Verwaltung
So sei der Anstieg in Wissenschaft und Verwaltung besonders ausgeprägt, während er etwa in Wirtschaft und Kultur sogar leicht zurückgehen würde. Kaum Veränderungen gebe es bei Justiz, Religion, Medien oder Politik. Politik sei zudem der einzige Bereich, in dem der Anteil von Menschen aus dem Osten Deutschlands in Spitzenpositionen dem tatsächlichen Bevölkerungsanteil entspreche, allerdings nur unter Berücksichtigung der Länderebene.
Der sogenannte "nachholende Aufstieg", also dass sich die Unterrepräsentation mit der Zeit durch das Erlangen von Qualifikationen und Nachrücken von selbst abbaut, würden die Befunde nur bedingt belegen, so die Politikwissenschaftlerin Astrid Lorenz von der Universität Leipzig: "Es gab und gibt formelle und informelle Aufstiegshemmnisse."
Statt "Ost-Quote" zielgerichtete Förderung
So spielte nicht allein der Systemwechsel durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik eine Rolle, sondern "auch unterschiedliche Karrierewege, regionale Strukturen, Zugänge zu Netzwerken und die Frage, welche Erfahrungen und Lebensläufe bei Auswahlentscheidungen als passend wahrgenommen werde", erklärt der Leipziger Politikwissenschaftler Lars Vogel.
Es gab und gibt formelle und informelle Aufstiegshemmnisse Prof. Dr. Astrid Lorenz, Universität Leipzig
Statt einer Ost-Quote schlagen die Forschenden beispielsweise eine gezielte Rekrutierung vor, etwa eine breitere Werbung für Leistungsstipendien in unterrepräsentierten Regionen. Auch die Ansiedlung von weiteren zentralen Behörden im Osten und Nordosten Deutschlands sei eine Handlungsoption und liege unmittelbar im Kompetenzbereich von Bund und Ländern, heißt es.
Einen Osthintergrund sehen die Forschenden bei Menschen, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR vor oder nach 1990 geboren wurden und dort bis zum 14. Lebensjahr gelebt haben. Das trifft auf 19 Prozent der Bevölkerung, also etwa jede fünfte Person in Deutschland zu. Menschen, die nach 1990 in Berlin geboren wurden, werden weder Ost noch West zugerechnet. Den Elitenmonitor gibt es seit 2022.