Wie wichtig ist Mercedes für Bremen? Die Bedeutung des Werks in Zahlen
Seit 1978 baut Mercedes in Sebaldsbrück Autos. Am Werk hängt mittlerweile fast jeder vierte Bremer Industriearbeitsplatz – was das für Bremen bedeutet, zeigt dieser Überblick.
Wenn Tausende Beschäftigte des Mercedes-Werks gegen Sparpläne des Konzerns auf die Straße gehen, betrifft das weit mehr als die Belegschaft eines einzelnen Unternehmens. Das Werk in Sebaldsbrück ist Bremens größter privater Arbeitgeber. Es ist das Zentrum der hiesigen Automobilindustrie. Wie groß die Bedeutung für den Standort tatsächlich ist, zeigen diese Zahlen.
1 Jeder vierte Industriearbeitsplatz im Land Bremen
Rund 10.500 Menschen arbeiten im Mercedes-Werk. Hinzu kommen derzeit nach Informationen von buten un binnen mehr als 1.000 Leiharbeitskräfte. Damit ist das Werk der größte private Arbeitgeber der Region. Von den rund 43.000 Beschäftigten in Bremer Industriebetrieben (ab 50 Mitarbeitern) arbeitet fast jeder Vierte bei Mercedes. Etwa die Hälfte der Belegschaft pendelt dabei aus Niedersachsen ein.
Vor einigen Jahren arbeiteten sogar noch mehr Menschen im Bremer Werk: 2017 nannte Mercedes über 12.500 Beschäftigte. Inzwischen werden Jobs über Fluktuation und ein Abfindungsprogramm abgebaut. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2034 ausgeschlossen.
Das Bremer Mercedes-Werk in Zahlen:
2 Knapp 320.000 Autos im Jahr – im Drei-Schicht-Betrieb
Knapp 320.000 Fahrzeuge liefen im Jahr 2025 nach Informationen von buten un binnen bei Mercedes vom Band. Das Werk arbeitet dabei in drei Schichten. Für den neuen elektrischen GLC kamen 2026 Sonderschichten dazu. In der größten Halle, Halle 9, entstehen Verbrenner, Hybride und reine Elektroautos auf einer einzigen Linie.
Bremen war 2019 das erste Werk des Konzerns, das ein Elektrofahrzeug in die laufende Serienfertigung integrierte. Das Bremer Konzept gilt inzwischen konzernweit als Standard. Seit 1978 haben mehr als zehn Millionen Autos das Werk verlassen; das zehnmillionste rollte im Juni 2024 vom Band, es war ein Elektroauto.
3 11 Modelle – sieben davon gibt es nur aus Bremen
Von der C-Klasse über den GLC bis zum Maybach SL: Elf Modelle werden in Bremen gefertigt, sieben davon nirgendwo sonst auf der Welt. Bremen ist dabei Leitwerk für die C-Klasse, die auch in China und Südafrika gefertigt wird. Zudem steuert das Werk die GLC-Produktion im globalen Produktionsnetzwerk.
Die Sportwagen AMG SL, AMG GT und Maybach SL entstehen in der ehemaligen Borgward-Halle – dort allerdings nicht am Fließband, sondern in einer Manufaktur-Bauweise.
4 Fläche von 210 Fußballfeldern – mitten in der Stadt
Das Werksgelände misst rund 1,5 Millionen Quadratmeter, so viel wie 210 Fußballfelder. Es ist eingekeilt zwischen Wohngebieten, Kleingärten und einem Friedhof. Anders als bei einem Werk auf der grünen Wiese ist der Platz, den Bremen in Sebaldsbrück zur Verfügung hat, durch die städtische Lage begrenzt.
Logistik und Produktion sind in Bremen daher auch räumlich getrennt, was das Werk aufwendiger macht als moderne Standorte. Erweiterungen, auch für Zulieferer, finden im Wesentlichen außerhalb des ursprünglichen Werksgeländes statt. Im Gewerbepark Hansalinie an der A1 erschließt die Stadt gerade 128 Hektar zusätzlich. Gut die Hälfte davon, eine Fläche von künftig umgerechnet fast 100 Fußballfeldern, soll ab 2027 als Gewerbefläche vermarktet werden.
5 Drei Viertel der Wertschöpfung kommen von Zulieferern
Mehr als 40 Zulieferer und Dienstleister arbeiten rund um das Bremer Mercedes-Werk. Vom Frontmodul über den Autositz bis zur Tür stehen sie für einen Großteil der Wertschöpfung eines Bremer Mercedes. Allein beim Sitzhersteller Lear in der Hansalinie arbeiten rund 1.000 Menschen.
6 Der Weg in die Welt führt über Bremerhaven
Der größte Teil der Bremer Pkw-Produktion geht ins Ausland. Verschifft wird über das Autoterminal Bremerhaven. Wie viele Bremer Sterne jährlich über die Kaje gehen, macht weder Mercedes noch die BLG öffentlich.
Der Blick in die Statistik zeigt aber: 2025 exportierte das Land Bremen Pkw und Wohnmobile im Wert von 11,4 Milliarden Euro. Das waren mehr als die Hälfte aller Bremer Exporte.
2024 war der GLC mit gut 64.000 Fahrzeugen das meistimportierte Mercedes-Modell in den USA – gebaut vor allem in Bremen. Nach 2027 soll er, Stand heute, allerdings auch im US-Werk Tuscaloosa entstehen – dieser Exportstrom könnte damit nach und nach versiegen.