Wieso niederländische Behörden jetzt auf Linux setzen
Die Niederlande entwickeln einen eigenen Behördendesktop auf Basis freier Software. Das Projekt trägt den Namen DAWO, kurz für „Digitaal Autonome Werkomgeving Overheid“ – also „digital autonome Arbeitsumgebung der Regierung“. Als Betriebssystem hat sich der Staat für die Linux-Distribution NixOS entschieden. Acht Kommunen in dem Land testen das System bereits in der Praxis, organisiert über den Gemeindeverband VNG. DAWO ist dabei kein fertiges Produkt, sondern eher eine Art Bauplan: Er beschreibt eine komplette Arbeitsumgebung aus austauschbaren Bausteinen für Betriebssystem, Cloudinfrastruktur, Kommunikation, KI und gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, wobei es stets um Souveränität geht.
Drei staatliche IT-Dienstleister entwickeln
Im Juli 2026 beauftragte die zuständige „interdepartementale Kommission für den Geschäftsbetrieb des Staatsdienstes“ (ICBR) drei staatliche IT-Dienstleister mit der Umsetzung: SSC-ICT, DICTU und DUO-ICT. Die übergeordnete Blaupause für das Projekt kommt aus dem Ministerium für Inneres. Beim Betriebssystem für die Arbeitsplatzrechner probierte das Projekt zunächst openSUSE und Fedora aus, entschied sich dann aber für NixOS.
Ein zentraler Baustein dabei ist „MijnBureau“, eine von den Behörden selbst betriebene Suite für den Arbeitsplatz. Sie kombiniert Nextcloud für Dateien, Collabora für Office-Aufgaben, Element für die Kommunikation und OpenProject für das Projektmanagement. Hier läuft das Vorhaben auch schon europäisch: Das Team hinter MijnBureau arbeitet mit dem französischen Projekt La Suite zusammen und orientiert sich an openDesk, dem entsprechenden Vorhaben in Deutschland.
US-Sanktionen als Beschleuniger
Den Anstoß für DAWO gab laut dem niederländischen Tech-Portal Tweakers unter anderem die Erfahrung mit US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag. Microsoft kappte damals das E-Mail-Konto des damaligen Chefanklägers Karim Khan auf Druck der US-Regierung.
Der Fall zeigte, dass der Zugang zu wichtigen digitalen Werkzeugen von politischen Entscheidungen anderer Länder abhängen kann. Dieses Risiko will die niederländische Regierung offenbar nicht länger eingehen.