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Wieso psychologische Ratschläge falsch sein könnten

Wissenschaft

Stand: 19.09.2026 10:45 Uhr

Können wir den Psycho-Ratgebern trauen, die uns Dinge sagen wie "Wer sich entschuldigt, wirkt schwach“, oder "Du musst dein Gegenüber loben", oder "Sei mutiger, wenn du um etwas bittest"? Es ist mehr als Skepsis angebracht, zeigt eine aktuelle Studie aus Berlin über Biases.

von Jonas Arand, MDR WISSEN

Rebecca Schaumberg von der European School of Management and Technology hat mit einem Kollegen aus den USA 13 Experimente durchgeführt. Diese reichten von Gedankenspielen darüber, was passiert, wenn man für den Nachbarn kein Paket annimmt, bis zur Vorstellung, man sei eine Nuss, die auf den Kopf eines Frosches fällt. Alle drehten sich um Biases. "Man sagt, ein Bias liegt vor, wenn es eine objektive Wahrheit (eine 'Ground Truth') gibt, man diese aber so wahrnimmt oder interpretiert, dass man in gewisser Weise davon abweicht", erklärt die Forscherin.

Annahmen über die Sicht anderer schwer zu untersuchen

Die Probanden wurden befragt, was sie selbst denken und was sie denken, was das Gegenüber denkt. Beide befragten Gruppen seien in diesem Studiendesign unterschiedlichem und gegensätzlichem sozialen Druck ausgesetzt. Dadurch könnten die Unterschiede zwischen ihren Antworten wie eine Verzerrung in der sozialen Wahrnehmung wirken, obwohl diese gar nicht vorliegt.

"Wir gehen davon aus, dass wir Menschen uns mehr für schlechtes Verhalten verurteilen, als wir es wirklich tun", sagt Schaumberg. "Andererseits gehen wir auch davon aus, dass wir nicht so viel Lob bekommen, wie verdient. Eine nette Botschaft – aber sie könnte nicht stimmen."

Tatsächlich waren die Antworten auch in den abstrakten Experimenten ähnlich denen, die nah am Alltag sind. "Es kann sein, dass die eigenen Vorstellungen sich einfach den sozialen Normen anpassen. Was wir aber sehen, ist, dass soziale Normen das Verhalten bestimmen."

Probleme mit der Methodologie

In einer weiteren Studie wurden Teilnehmende ausdrücklich angewiesen, entweder als sehr höfliche oder als sehr unhöfliche Person zu antworten: Die scheinbare Verzerrung wurde unter der Anweisung, höflich zu antworten, größer und kehrte sich unter der Anweisung, unhöflich zu antworten, vollständig um. Das zeigt, dass der soziale Druck, der in der Fragestellung selbst steckt, und nicht eine tatsächliche Fehleinschätzung, das Ergebnis bestimmte.

Schaumberg kritisiert die Implikationen, die die sozialpsychologische Forschung seit Jahren aus vergleichbaren Studien ableitet. Diese Ratschläge von Psychologen könnten stimmen. Die Daten geben das aber nicht her, sagt Schaumberg.

"'Kümmer dich nicht darum, wie andere dich sehen!' Das könnte etwas sein, was sich lohnt. "Aber es gibt keine Daten, die das unterstützen. Zumindest nicht in einem Rahmen, wie es Psychologen meinen." Schaumberg erklärt, dass ihre Ergebnisse nicht beweisen, dass Menschen tatsächlich gut darin sind zu beurteilen, wie andere sie wahrnehmen, sondern lediglich, dass die bisherigen Methoden dies nicht zuverlässig feststellen können.

pm/jar

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