Wieso verpestet dieser Kreuzfahrt
Der Schiffsmotor brummt, Rauch steigt in den Himmel: Das Kreuzfahrtschiff „Liberty of the Seas“ lag am Dienstag am Kreuzfahrtterminal Steinwerder im Hamburger Hafen. Ein Hafen, der damit wirbt, durch Landstromanschlüsse besonders wenige Treibhausgase in die Luft zu blasen. Und auch das Schiff wurde gerade erst mit dieeser Technik ausgestattet. Wie passt das zusammen? Ein MOPO-Reporter sah den rauchenden Schornstein am Dienstagmorgen um 8 Uhr. Und auch am selben Abend um 19 Uhr kam dunkler Rauch aus dem Schornstein. Dabei wurde das Schiff erst in diesem Jahr komplett modernisiert – und dabei nach Angaben der Reederei „Royal Caribbean International“ auch mit einem Landstromanschluss ausgestattet. Kreuzfahrtschiffe in Hamburg sollen Landstrom beziehen Anzeige Landstrom bedeutet, dass Kreuzfahrtschiffe, die im Hafen liegen, per Kabel Strom aus dem dortigen Netz beziehen, anstatt dass der Schiffsmotor Strom erzeugt. Letzteres sorgt für enorme CO2- und Stickoxid-Emissionen – und ist deshalb massiv in der Kritik. Denn Kreuzfahrtschiffe verbrauchen riesige Mengen Energie, für Küche, Klimaanlagen usw. Im Vergleich zu den Dieselmotoren der Kreuzfahrtschiffe ist Landstrom also deutlich umweltverträglicher. Anzeige Wie kann es da sein, dass das Schiff trotzdem die Motoren am Liegeplatz laufen hat? Die MOPO hat an mehreren Stellen nachgeforscht. Der Grund ist überraschend: Die „Liberty of the Seas“ erreichte am Dienstagmorgen den Liegeplatz in Steinwerder. Am späten Abend desselben Tages verließ das 339 Meter lange und 39 Meter breite Schiff den Hamburger Hafen wieder. So lange dauert der Anschluss an Landstrom Anzeige Die Landstromverbindung der „Liberty of the Seas“ habe in weniger als zwei Stunden nach dem Festmachen gestanden, erklärt die Hamburg Port Authority (HPA). Rund 1,5 Stunden vor dem Auslaufen sei sie wieder gekappt worden, erklärt eine Sprecherin der HPA. Nach dem Festmachen und vor dem Ablegen liefen „technische und sicherheitsbezogene Prozesse“, bevor die Verbindung zum Landstrom hergestellt oder gekappt werden könne, heißt es von der HPA. Dass dieser Vorgang 1,5 Stunden dauert, sei üblich. In dieser Zeit werden nach dem An- und vor dem Ablegen unter anderem Kontakt zu den Verantwortlichen an Bord aufgenommen, die Erdung in der Landstromanlage gesichert, die Kabelverbindung hergestellt und ein Sicherheitstest durchgeführt. Tagsüber habe das Schiff demnach Strom von Land bezogen, der Schornstein rauchte nur morgens und abends. Ab 2030 gilt in der EU eine Landstrom-Pflicht Hamburg brüstet sich damit, „Vorreiter für Landstromanwendungen“ zu sein. Seit 2016 können Kreuzfahrtschiffe an den Terminals in Altona Strom vom Land beziehen, einige Jahre später folgte der Terminal in Steinwerder und in diesem Jahr der Terminal in der HafenCity. Im kommenden Jahr soll in Hamburg sogar eine Landstrom-Pflicht gelten. Tatsächlich gilt Los Angeles bei der Versorgung von Schiffen mit Landstrom als Vorreiter: Seit 2014 herrscht im US-amerikanischen Hafen eine Landstrom-Pflicht. Auch in einigen asiatischen Häfen müssen Schiffe im Hafen auf Landstrom umschalten. Die Europäische Union zockelt dagegen hinterher: Erst ab 2030 gilt in der EU eine Landstrom-Pflicht. Warum viele Reedereien den Motor im Hafen laufen lassen Die HPA hat mit mehreren Kreuzfahrt-Reedereien vertragliche Vereinbarungen zur Nutzung von Landstrom geschlossen – darunter „Aida Cruises“, „MSC Cruises“ und „TUI Cruises“. Auch mit der Reederei der „Liberty of the Seas“: „Royal Caribbean Cruises“. Trotz Anschluss an Land können nicht alle Schiffe Landstrom empfangen: Die Nutzung von Landstrom muss zertifiziert werden und die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. Einige Schiffe nutzen Anschlüsse, die mit denen im Hamburger Hafen inkompatibel sind. Aber auch ungünstige Wetterbedingungen oder betriebliche und wirtschaftliche Entscheidungen der Reedereien führen dazu, dass Kreuzfahrtschiffe nicht an das Hafen-Stromnetz angeschlossen werden, so die HPA. Der Haken: Auch wenn ein Schiff im Hafen liegt, ist es für viele Reedereien günstiger, Strom mit den schiffseigenen dieselbetriebenen Generatoren zu erzeugen. So wurden im vergangenen Jahr rund 70 Prozent der landstromfähigen Schiffe im Hamburger Hafen mit Landstrom versorgt.